Geschichte, Bedeutung im digitalen Zeitalter, Sammlungen und Ausstellungen sowie die Rolle im Kunstmarkt — eine ausführliche Einführung von Klaus Kampe.
Ein Exlibris ist ein für den Bucheigentümer hergestelltes Buchzeichen, das in einem Buch angebracht wird — häufig versehen mit einem Schriftzug wie „Ex Libris", „Meine Bibliothek" oder „Mein Buch" und dem Namen des Eigentümers. Oft ist es ein kleines Etikett mit dem Namen des Besitzers, manchmal ergänzt durch ein Bild oder eine Grafik. Bibliophile nutzen Exlibris seit jeher, um ihre Sammlungen zu organisieren und zu kennzeichnen; gesammelt werden sie auch, wenn sie von bekannten Personen, Buchdruckern oder Künstlern stammen.
In seiner künstlerischen Form ist ein Exlibris ein kleines Kunstwerk, das meist auf die Innenseite eines Buchdeckels geklebt wird. Es erinnert an ein Siegel, wie es früher in Bibliotheken verwendet wurde, um Diebstahl vorzubeugen. Exlibris entstehen auf ganz unterschiedlichen Materialien — Papier, Leder, Metall — und in verschiedenen Techniken wie Holzschnitt, Lithografie oder Radierung.
Die Idee, ein Buch mit einem Zeichen zu versehen, das seinen Besitzer kenntlich macht, ist sehr alt — Hinweise darauf finden sich schon im antiken Griechenland und Rom. Im Mittelalter wurden Bücher häufig mit Initialen oder Monogrammen gekennzeichnet. Im 16. Jahrhundert begannen Bibliophile, eigens gestaltete Etiketten mit Namen und Bildern zu verwenden — die Geburtsstunde des Exlibris, wie wir es heute kennen. Diese wurden häufig von Künstlern gestaltet und waren oft aufwendig und kunstvoll gearbeitet. Auch wenn Exlibris heute seltener verwendet werden als früher, bleiben sie beliebt: zum Kennzeichnen von Büchern, zum Organisieren von Sammlungen — und als geschätzte Sammlerstücke.
Exlibris dienen in erster Linie dazu, Bücher zu kennzeichnen und ihren Besitz anzuzeigen. Sie werden meist auf dem Vorsatzblatt angebracht, in der Nähe der Titelseite. Darüber hinaus helfen sie, Büchersammlungen zu organisieren und zu katalogisieren — viele Bibliophile führen Listen ihrer Bücher und nutzen Exlibris zur Markierung. Auch als Sammlerstücke spielen sie eine Rolle: Es gibt zahlreiche Gestaltungen unterschiedlicher Künstler und Drucker, die eigens gesammelt werden.
In manchen Fällen dienten Exlibris sogar als eine Art Zutrittsnachweis zu privaten Bibliotheken. Es gibt zudem eigene Exlibris-Vereine, in denen Mitglieder ihre Sammlungen austauschen und sich über Bücher und Sammlerstücke unterhalten.
Im digitalen Zeitalter haben sich Funktion und Verwendung von Exlibris verändert. Viele Menschen lesen heute elektronische Bücher, die keine Möglichkeit bieten, ein Exlibris im klassischen Sinn anzubringen. Dennoch gibt es neue Wege, den Gedanken des Exlibris weiterzuführen: Manche verwenden Abbildungen ihres Exlibris als Hintergrund oder Avatar in sozialen Medien, andere sammeln digitale Exlibris-Gestaltungen zum Download. Es gibt inzwischen auch Software, mit der sich digitale Exlibris erstellen und auf E-Books anwenden lassen. Auch wenn sich die Nutzung gewandelt hat, bleibt das Exlibris eine beliebte Art, Bücher zu kennzeichnen und Sammlungen zu präsentieren.
Die Digitalisierung von Bibliotheken wirkt sich auch auf die Verwendung von Exlibris aus. Viele Bibliotheken setzen heute auf elektronische Ausleihsysteme, bei denen Bücher online ausgeliehen und digital gelesen werden — hier gibt es naturgemäß keinen Raum für ein klassisches Exlibris. Gleichzeitig bieten manche Bibliotheken auch herunterladbare E-Books an, bei denen sich digitale Exlibris weiterhin sinnvoll einsetzen lassen. Insgesamt hat die Digitalisierung den Zugang zu Büchern erheblich erleichtert — auch für Menschen, die nicht in der Nähe einer Bibliothek wohnen —, während zugleich manche traditionelle Praktiken wie das Anbringen eines Exlibris an Bedeutung verloren haben.
Technologien wie 3D-Druck und Virtual Reality eröffnen neue Gestaltungsmöglichkeiten für Exlibris. Mit 3D-Druck lassen sich Exlibris mit spürbarer Tiefe und Textur herstellen. In Virtual-Reality-Umgebungen sind sogar vollständig virtuelle Exlibris denkbar, die über eine VR-Brille als immersives Erlebnis betrachtet werden können. Auch Augmented Reality bietet interessante Perspektiven: Ein Exlibris mit QR-Code könnte über eine App gescannt werden und so eine virtuelle Ausstellung mit weiteren Informationen zum Buch oder seinem Besitzer öffnen. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich diese Technologien weiterentwickeln und auf die Exlibris-Kunst auswirken werden.
Der Begriff Exlibris wurde ursprünglich für eine Büchersammlung verwendet, die in einer Bibliothek oder einem persönlichen Archiv aufbewahrt wurde. Heute begegnet er auch im Kontext elektronischer Bibliotheken und E-Books — Sammlungen digitaler Medien, die über das Internet zugänglich sind und Bücher, Zeitschriften, Musik oder Filme umfassen können. Solche digitalen Bibliotheken können auf E-Readern, Tablets und anderen Geräten genutzt werden.
Exlibris-Sammlungen entstehen, wenn Menschen mit einer Vorliebe für Buchkunst und Bibliophilie eigene Bestände an Exlibris zusammenstellen. Exlibris-Ausstellungen widmen sich genau diesen Sammlungen und stellen sie einem breiteren Publikum vor.
Zahlreiche Websites bieten Sammlungen von Exlibris aus aller Welt zum Durchstöbern an — häufig mit der Möglichkeit, eigene Exlibris hinzuzufügen. Auch in sozialen Medien hat die Exlibris-Kunst ihre eigene Community: Es gibt Gruppen und Konten, die sich ausschließlich diesem Thema widmen, sowie zahlreiche Foren, in denen sich Sammlerinnen und Sammler austauschen.
Besonders reizvoll sind Ausstellungen, die sich gezielt einem bestimmten Künstler oder einer bestimmten Epoche widmen — sie erlauben einen tieferen Einblick in ein einzelnes Thema. Solche Sonderausstellungen finden sich zu den unterschiedlichsten Bereichen, von Kunst über Geschichte bis hin zu Architektur und Technik, und werden häufig in Museen, Galerien und anderen Kulturinstitutionen gezeigt — mitunter auch als Wanderausstellung an mehreren Orten.
Exlibris können durchaus eine Rolle im Kunstmarkt spielen. Es handelt sich meist um kleinformatige Drucke oder Zeichnungen, die eigens für die Platzierung in Büchern angefertigt werden — in ganz unterschiedlichen Stilen und Techniken. Es gibt spezialisierte Galerien und Händler ebenso wie Auktionen, auf denen Exlibris den Besitzer wechseln — auch wenn sie im Vergleich zu Gemälden oder Skulpturen naturgemäß eine kleinere Nische im Kunstmarkt einnehmen.
Exlibris lassen sich gleichermaßen als Sammlerobjekte wie als eigenständige Kunstwerke betrachten. Als Sammlerobjekte werden sie vor allem wegen ihrer Seltenheit geschätzt; als Kunstwerke, weil sie von Künstlerinnen und Künstlern in ganz unterschiedlichen Stilen und Techniken gestaltet werden. Entsprechend finden sich Exlibris sowohl in privaten Sammlungen als auch in Ausstellungen von Galerien, Museen und anderen Kulturinstitutionen.
Der Wert eines Exlibris hängt von mehreren Faktoren ab:
Allgemeine Preisangaben lassen sich kaum treffen: Exlibris werden für wenige Euro ebenso gehandelt wie, in Ausnahmefällen, für deutlich höhere Summen. Wer kauft oder verkauft, sollte sich vorab mit dem aktuellen Markt und vergleichbaren Stücken vertraut machen.
Exlibris gibt es heute in einer großen Bandbreite an Formen und Stilen. Die meisten entstehen weiterhin auf klassischem Weg — gedruckt oder gezeichnet —, doch auch neue Technologien finden ihren Weg in die Gestaltung: gescannte Handzeichnungen, digitale Illustration, Laserschnitt oder 3D-Druck. Vom klassisch-traditionellen bis zum modern-experimentellen Motiv, von Kunst und Kultur bis zu Geschichte und Persönlichem — die thematische Vielfalt ist groß, und Exlibris entstehen heute ebenso durch professionelle Künstler:innen wie durch Amateure und Kunststudierende.
Wie sich das Exlibris in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird, hängt von vielen Faktoren ab — den Vorlieben von Sammlerinnen und Sammlern, der Entwicklung in Kunst und Druckindustrie sowie gesellschaftlichen Trends. Wahrscheinlich ist, dass Exlibris auch weiterhin ihren festen Platz in der Kunstwelt behalten werden, geschätzt sowohl als Sammlerobjekte als auch als eigenständige Kunstwerke. Stile und Themen werden sich dabei sicherlich weiterentwickeln, ebenso wie die Technologien, mit denen Exlibris hergestellt werden.
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