Ex Libris Natur, Rose und Vogel


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Kulturgeschichte und Ex Libris: Die Rose

Eine kultur- und kunsthistorische Symbolstudie

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## Vorbemerkung zur Methode

Die Rose unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt von astralen Symbolen wie Sonne und Mond: **Sie ist ein gezüchtetes Symbol.** Ihre Bedeutungsgeschichte ist untrennbar mit ihrer Gartengeschichte verflochten. Wer mittelalterliche Rosenbilder liest, muss wissen, dass die europäische Rose bis um 1800 überwiegend einfach oder halbgefüllt blühte, fünf bis wenige Blütenblätter trug und nur einmal im Jahr blühte. Die große, hochgebaute, remontierende Duftrose der Blumenläden ist ein Produkt des 19. Jahrhunderts.

Daraus folgt eine praktische Leseregel: **Eine fünfblättrige Rose in einer mittelalterlichen Handschrift ist Botanik, keine Stilisierung.** Die heraldische Rose ist keine schematische Vereinfachung einer gefüllten Rose, sondern die getreue Wiedergabe dessen, was man vor Augen hatte.

Zweite Warnung: **Rosette ist nicht Rose.** Die mesopotamischen, ägäischen und altorientalischen Rosetten sind geometrisches, meist astral konnotiertes Ornament (Ištar/Venus) und haben mit *Rosa* nichts zu tun. Die Verwechslung ist in der populären Symbolliteratur allgegenwärtig und produziert eine falsche Frühdatierung des Rosensymbols um Jahrtausende.

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## 1. Ursprung

### Botanisch
Die Gattung *Rosa* umfasst je nach Zählung 150 bis 200 Arten, alle auf der Nordhalbkugel. Fossile Rosenblätter aus den Florissant Fossil Beds (Colorado) datieren ins Oligozän, etwa 35 Millionen Jahre.

Die Kultivierung beginnt unabhängig in **China** (*Rosa chinensis* und Verwandte, mit dem entscheidenden Merkmal der Dauerblüte) und im **iranisch-mesopotamischen Raum** (*Rosa gallica*, *R. damascena*, *R. foetida*). Beide Linien treffen erst um 1800 in Europa aufeinander – mit revolutionären Folgen (siehe Abschnitt 6).

### Sprachlich
Lat. *rosa* ← griech. *rhódon* ← wahrscheinlich altiranisch \**wrda-* (avest. *varəda-*, armen. *vard*, aram. *wardā*). Das Wort wandert mit der Pflanze nach Westen. Die antike Verknüpfung von *rhódon* mit der Insel Rhodos ist eine Volksetymologie – aber eine wirkungsmächtige, denn sie erzeugt das erste redende Rosenwappen der Geschichte (siehe 2.4).

### Symbolisch
Die Rose trägt ihre Bedeutungen nicht aus einer Quelle, sondern aus vier unabhängigen Eigenschaften, die sich in jeder Kultur neu kombinieren:

1. **Schönheit mit Dorn** → Lust und Schmerz, Liebe und Leid, Erfüllung und Preis. Der einzige Standardvergleich der Weltliteratur, der seine eigene Gegenrede mitliefert.
2. **Kurze Blüte** → Vergänglichkeit, *carpe diem*, Vanitas.
3. **Konzentrischer Bau** → Mitte und Peripherie, Entfaltung, Geheimnis, Mandala, das Sich-Öffnende.
4. **Rot** → Blut, Martyrium, Eros.

Hinzu kommt eine fünfte, oft übersehene: **Duft**. Die Rose ist eines der wenigen Symbole, deren Bedeutungsträger unsichtbar ist. In der persischen und sufischen Tradition ist der Duft, nicht die Farbe, das Eigentliche.

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## 2. Früheste archäologische Belege

### 2.1 Knossos – der berühmteste unsichere Beleg
Das Fresko aus dem „Haus der Fresken" in Knossos (ca. 1600–1450 v. Chr.) gilt populär als **älteste Rosendarstellung der Kunstgeschichte**. Die Zuschreibung ist unsicher: Das Fresko wurde von Émile Gilliéron im Auftrag Arthur Evans' weitgehend rekonstruiert, und die gemalte Blüte zeigt sechs Blütenblätter – was bei keiner *Rosa* vorkommt. Ob eine Rose (vermutet wurde *Rosa richardii*/*R. sancta*) oder eine andere Pflanze gemeint war, ist nicht entscheidbar. Der Beleg ist zu zitieren, aber immer mit dieser Einschränkung.

### 2.2 Ägypten – der sicherste Beleg
**Rosenkränze aus römerzeitlichen Bestattungen in Hawara (Fayum), 2.–5. Jh. n. Chr.**, botanisch bestimmt als *Rosa richardii* (Syn. *R. sancta*). Das ist echte Archäobotanik: erhaltene Blüten, nicht Bilder. Wichtig ist die Datierung – **nicht pharaonisch, sondern griechisch-römisch**. Die verbreitete Rede von der „Rose im Alten Ägypten" ist unbelegt; die Rose kommt mit den Griechen und Römern ins Niltal.

### 2.3 Was keine Belege sind
- **Rosetten** auf mesopotamischen Siegeln, assyrischen Reliefs und mykenischen Goldblechen: Ornament, kein *Rosa*-Bild.
- **Sargons II. Pflanzenlisten**: Übersetzungen mit „Rose" sind philologisch unsicher.
- **Sumerische „Rosen"** in populären Symbollexika: durchweg Rosetten.

### 2.4 Rhodos – die erste redende Rose
Die Münzen von Rhodos zeigen ab dem 5./4. Jh. v. Chr. auf dem Revers eine **Rosenblüte** (*rhódon*), auf dem Avers den Sonnengott Helios. Das ist das früheste dokumentierte **redende Emblem** mit einer Rose – der direkte typologische Vorfahr aller Rosen-Exlibris für Träger des Namens Rose, Rosen, Rosenthal, Růžička oder Rózsa. Die rhodische Rose ist zudem so stilisiert, dass sie das heraldische Schema (frontale Blüte mit sichtbaren Staubgefäßen) bereits vorwegnimmt.

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## 3. Antike

### Griechenland
Die Rose gehört **Aphrodite**. Mehrere Ätiologien konkurrieren, alle mit demselben Kern: Die Rose entsteht aus Blut oder Schaum.

- Die weiße Rose wird rot, als Aphrodite zum sterbenden Adonis eilt und sich an einem Dorn verletzt.
- Alternativ: aus dem Blut des Adonis selbst.
- Ovid (*Fasti* V) lässt **Chloris/Flora** die Rose aus einer toten Nymphe erschaffen.

Sappho wird seit der Antike der Ausdruck **„Königin der Blumen"** zugeschrieben (überliefert bei Achilleus Tatios) – die Zuschreibung ist unsicher, die Formel hat zweieinhalb Jahrtausende überdauert. Rosenkränze beim Symposion sind literarisch und archäologisch breit belegt; die *Anakreonteen* machen die Rose zum Zeichen des trinkenden Lebensgenusses.

### Rom

**Die Rose als Luxusware.** Rosenöl, Rosenwasser, Rosenwein, Rosenkissen. Martial spottet über ägyptische Rosenlieferungen an das winterliche Rom. Rosengärten (*rosaria*) rund um Paestum und Praeneste sind wirtschaftlich bedeutend.

**Die Rosalia – der unterschätzte Kernbefund.** Das *dies rosationis* oder die *rosalia* im Mai/Juni waren ein Fest der **Grabbekränzung mit Rosen**. Epigraphisch ist es reichsweit belegt, häufig in Form von Stiftungen: Ein Verstorbener setzt Kapital aus, aus dessen Ertrag jährlich Rosen auf sein Grab gestreut werden. Die Rose ist damit im römischen Alltag zuerst und vor allem eine **Totenblume** – und diese Funktion überlebt ungebrochen in der christlichen und modernen Friedhofskultur. Wer die Rose nur als Liebessymbol liest, verpasst die Hälfte.

**Sub rosa.** Die über der Tafel aufgehängte Rose als Zeichen der Verschwiegenheit; mythisch begründet mit Eros, der Harpokrates eine Rose schenkt, damit er über Aphrodites Liebschaften schweigt. Zur Datierung siehe Abschnitt 14 – die *Sache* ist antik, die lateinische *Formel* ist frühneuzeitlich.

**Plinius**, *Naturalis historia* XXI, behandelt Rosensorten und Heilanwendungen. *Rosa gallica officinalis*, die „Apothekerrose", bleibt bis ins 19. Jahrhundert Bestandteil der Materia medica.

### Frühes Christentum
Die Rose ist zunächst **verdächtig**: Sie riecht nach heidnischem Gelage, Kranzsitte und Totenkult. Tertullian (*De corona*) und Clemens von Alexandrien lehnen Bekränzung ab. Erst im 4./5. Jahrhundert kippt die Bewertung – die Märtyrerblume verdrängt die Venusblume, ohne sie je ganz zu löschen.

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## 4. Mittelalter

### 4.1 Die marianische Rose
Vier Formeln tragen die gesamte Ikonografie:

- **Rosa mystica** – die geheimnisvolle Rose (später in die Lauretanische Litanei aufgenommen).
- **Rosa sine spina** – die Rose ohne Dornen. Begründung: Nach einer verbreiteten Auslegung trug die Rose im Paradies keine Dornen; sie bekam sie erst mit dem Sündenfall. Maria, von der Erbsünde frei, ist die dornenlose Rose.
- **Rosa inter spinas** – die Rose unter Dornen (nach Hld 2,2, dort eigentlich die Lilie): Maria unter den Sündern.
- **Rosa martyrum, lilia virginum** – rote Rose für die Märtyrer, weiße Lilie für die Jungfrauen. Ein Farbkode, der die gesamte Heiligenikonografie strukturiert.

Bildlich verdichtet sich das im **Rosenhag** (*hortus conclusus*): Maria sitzt vor oder in einer Rosenhecke, die zugleich Paradiesgarten, Umschlossenheit und Jungfräulichkeit bedeutet. Stefan Lochners *Madonna im Rosenhag* (um 1440/42, Köln) und Martin Schongauers *Madonna im Rosenhag* (1473, Colmar) sind die Referenzbilder.

### 4.2 Rosenkranz
Der Begriff sagt alles: **rosarium = Rosengarten** und *Rosenkranz* = der Maria dargebrachte Kranz aus Rosen. Die Entwicklung verläuft von Paternoster-Schnüren über den „Marienpsalter" zu der im 15. Jahrhundert kodifizierten Gebetsform. Entscheidend für die Verbreitung: die Dominikanerpropaganda um **Alanus de Rupe** (Alain de la Roche) und die **Rosenkranzbruderschaft in Köln 1475**.

Dürers **Rosenkranzfest** (1506, heute Prag), gemalt für die deutschen Kaufleute in Venedig, ist das monumentale Bilddokument dieser Frömmigkeit.

### 4.3 Fensterrose
Chartres, Notre-Dame, Reims, Straßburg, Laon – die großen Radfenster des 12./13. Jahrhunderts. **Wichtig:** Die mittelalterlichen Quellen sprechen von *rota*, dem Rad. Die Bezeichnung „Rose" setzt sich erst später durch. Die Form leitet sich vom Rad und vom Okulus her, nicht von der Blüte. Die marianische Deutung ist gleichwohl vielfach echt und zeitgenössisch – aber sie ist eine *Zweitcodierung*, keine Ursprungserklärung.

### 4.4 Der Rosenroman
**Guillaume de Lorris** (um 1230) und **Jean de Meun** (um 1275): der meistkopierte weltliche Text des französischen Mittelalters (rund 300 Handschriften). Die Rose ist hier die Geliebte, ihre Liebe, ihr Körper – die allegorische Liebeswerbung als Belagerung eines Gartens. Jean de Meuns Fortsetzung kippt ins Enzyklopädisch-Satirische und ins offen Frauenfeindliche.

Daraus entsteht die **Querelle du Roman de la Rose** (1401–1403): **Christine de Pizan** greift Jean de Meun frontal an und löst damit die erste große literarische Kontroverse Europas über Misogynie in der Dichtung aus. Für eine Symbolgeschichte der Rose ist das der Punkt, an dem das Symbol politisch wird.

### 4.5 Heraldik
Die Rose ist seit dem 13. Jahrhundert **gemeine Figur**. Die heraldische Rose ist normiert: fünfblättrig, frontal, mit sichtbaren Butzen (Samen) und Kelchblattspitzen zwischen den Blättern.

- **Beizeichen:** In der englischen Heraldik bezeichnet die Rose den **siebten Sohn** (Halbmond = 2., Stern = 3., Merlette = 4., Ring = 5., Lilie = 6., Rose = 7.). Für die Datierung und Zuordnung englischer Wappenexlibris relevant.
- **Lippische Rose:** Die rote fünfblättrige Rose der Grafschaft Lippe ist eines der ältesten und beständigsten deutschen Wappenbilder und bis heute in Kommunalwappen Ostwestfalen-Lippes präsent.
- **Rosenkriege:** Weiße Rose von York, rote Rose von Lancaster – siehe Abschnitt 14, hier ist fast alles Legende.
- **Tudorrose:** 1486 als Verschmelzung konstruiert, rot-weiß gedoppelt; einer der erfolgreichsten Propagandaentwürfe der europäischen Geschichte.

### 4.6 Persisch-islamischer Raum
Hier ist die Rose (*gul*/*gol*) **die Blume schlechthin** – *gol* bedeutet zugleich „Rose" und „Blume". Zwei Bildkomplexe dominieren:

- **Gol o bolbol**, Rose und Nachtigall: Die Nachtigall singt in Liebe zur Rose, die schweigt und deren Dorn sie verletzt. Bei **ʿAṭṭār**, **Rūmī** und **Ḥāfiẓ** ist das die Grundfigur der mystischen Liebe – die Seele und das unerreichbare Göttliche.
- **Der Rosengarten als Paradies.** Saʿdīs ***Golestān*** (1258) – „Rosengarten" – ist einer der meistgelesenen Texte der Weltliteratur; der Titel selbst ist die Metapher: Das Buch *ist* ein Rosengarten. (Für Exlibris die zentrale Pointe, siehe 11.9.)

Dazu: Rosenwasser in der Ritualpraxis (u. a. beim Waschen der Kaʿba), Rosenöl als Handelsware, und die sufische Überlieferung, der Schweiß des Propheten habe nach Rosen geduftet.

### 4.7 Alchemie
**Weiße und rote Rose** stehen für *albedo* und *rubedo*, die weiße und die rote Tinktur, Silber und Gold, Mond und Sonne. Das ***Rosarium philosophorum*** (Druck 1550) trägt den Rosengarten im Titel und ist das bildreichste Werk der europäischen Alchemie. Die Verbindung Rose–Sonne/Mond ist hier explizit.

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## 5. Renaissance

### 5.1 Rückkehr der Venusrose
**Botticelli**: In der *Geburt der Venus* (um 1485) regnen Rosen herab, in der *Primavera* trägt Flora sie im Gewand und im Schoß. Die Rose ist wieder ohne christliche Umdeutung Venusblume – und bleibt es parallel zur marianischen Tradition. Beide Lesarten laufen ab jetzt nebeneinander her, oft in denselben Bildräumen.

### 5.2 Carpe diem
Die pseudo-ausonische Elegie ***De rosis nascentibus*** liefert die Formel **„collige, virgo, rosas"** – pflücke, Mädchen, die Rosen. Daraus entsteht der produktivste Topos der frühneuzeitlichen Lyrik:

- **Pierre de Ronsard**, *Mignonne, allons voir si la rose* (1553) und *Sonnets pour Hélène* (1578).
- **Robert Herrick**, *Gather ye rosebuds* (1648).
- **François de Malherbe**, *Consolation à Monsieur Du Périer*: Die verstorbene Tochter habe gelebt, was Rosen leben – das Leben eines Morgens.

Die Emblematik (Alciato und Nachfolger) kodifiziert Rose = Kürze der Schönheit, Rose mit Dorn = kein Genuss ohne Preis.

### 5.3 Die Lutherrose
1530 entwirft **Martin Luther** sein persönliches Siegel und erklärt es in einem Brief an Lazarus Spengler (8. Juli 1530): ein **schwarzes Kreuz in einem roten Herzen, das Herz in einer weißen Rose, die Rose in einem himmelblauen Feld, das Feld von einem goldenen Ring umschlossen**. Jedes Element hat eine ausgeführte theologische Begründung – die weiße Rose steht für Freude, Trost und Frieden des Glaubens, weiß, weil sie die Farbe der Geister und Engel ist.

Für die deutsche Buchgrafik ist das folgenreich: Die Lutherrose ist bis heute ein Standardmotiv auf Exlibris evangelischer Pfarrer, Theologen, Kirchenbibliotheken und Reformationssammler.

### 5.4 Rosenkreuz
Die drei Gründungsschriften – ***Fama Fraternitatis*** (1614), ***Confessio Fraternitatis*** (1615) und die ***Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz*** (1616, von **Johann Valentin Andreae**) – erfinden eine Bruderschaft, die es nie gab, und lösen damit eine reale, jahrhundertelange Bewegung aus. Andreae selbst nannte die *Chymische Hochzeit* später ein *ludibrium*, ein Spiel. Bemerkenswert: Das Familienwappen der Andreae enthielt ein Andreaskreuz mit vier Rosen.

**Rose + Kreuz** wird damit zur dichtesten Symbolverbindung der europäischen Esoterik: Leiden und Blüte, Materie und Verklärung, das Kreuz als Stamm, die Rose als Frucht. Sie geht in den Schottischen Ritus der Freimaurerei ein (18. Grad, *Rose-Croix*), in die Theosophie und in Rudolf Steiners Anthroposophie – und über diese Kanäle in großer Zahl ins Exlibris zwischen 1900 und 1935.

### 5.5 Stillleben und Botanik
Die niederländische Blumenmalerei – **Ambrosius Bosschaert**, **Jan Davidsz. de Heem**, **Rachel Ruysch**, **Jan van Huysum** – rückt die Rose ins Zentrum des Vanitas-Arrangements: aufgeblüht, überblüht, mit Wurm oder fallendem Blatt. Parallel beginnt die wissenschaftliche Pflanzenillustration (Brunfels, Fuchs, Bock), die die Rose erstmals bestimmbar macht.

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## 6. Moderne

### 6.1 Die Züchtungsrevolution
Um 1790–1820 gelangen dauerblühende China-Rosen nach Europa. Aus der Kreuzung mit den einmalblühenden europäischen Alten Rosen entstehen Remontant- und schließlich **Teehybriden**. Konventionell gilt **'La France'** (Guillot, 1867) als erste Teehybride und als Grenze zwischen „Alten" und „Modernen" Rosen – eine nachträglich gezogene Konvention, kein scharfer Befund.

Die Folge ist symbolgeschichtlich einschneidend: Die Rose hört auf, saisonal zu sein. Eine Blume, die von Mai bis Oktober blüht, taugt schlechter als Vergänglichkeitszeichen. Der Vanitas-Gehalt der Rose verblasst im 19. Jahrhundert genau in dem Maß, in dem die Züchtung erfolgreich wird.

**Redouté**, *Les Roses* (1817–24, 169 Tafeln), im Umkreis von Joséphines Garten in Malmaison entstanden, ist bis heute das ikonische Rosenbuchwerk – und der Grund, warum die meisten Menschen sich unter „Rosendarstellung" ein Punktierstich-Aquarell vorstellen.

### 6.2 Präraffaeliten, Symbolismus, Jugendstil
- **Edward Burne-Jones**, *The Legend of Briar Rose* (1885–90, Buscot Park) – Dornröschen als Zyklus des Stillstands.
- **Dante Gabriel Rossetti**, **William Morris** – die Rose als Flächenornament; Morris' Textil- und Tapetenmuster machen sie zum Grundvokabular des Kunstgewerbes.
- **Die Glasgow Rose** (Charles Rennie Mackintosh, Margaret Macdonald): eine auf wenige Bögen reduzierte, geometrisierte Rose. Eines der wiedererkennbarsten Designmotive um 1900 – und für Kleingrafik ideal, weil es bei starker Verkleinerung nicht zerfällt.
- **Wiener Werkstätte** (Koloman Moser, Josef Hoffmann, Dagobert Peche): die stilisierte Rose als Signaturornament, massenhaft auf Vorsatzpapieren, Buchschmuck und Exlibris.

### 6.3 Politische Rose
- **Rote Rose:** Emblem der Sozialdemokratie und des demokratischen Sozialismus – Faust mit Rose (Parti socialiste, Frankreich, 1971), SPD, Labour Party (ab 1986), Sozialistische Internationale. Die Rose löst die geballte Faust ab, weil sie sanfter, bürgerlicher und wahlkampftauglicher wirkt.
- **Weiße Rose:** Der Münchner Widerstandskreis 1942/43. Die Herkunft des Namens ist ungeklärt; nach seiner Verhaftung gab Hans Scholl an, den Namen willkürlich gewählt zu haben. Im Protokoll heißt es weiter, schlagkräftige Propaganda brauche feste Begriffe, die an sich nichts besagen, gut klingen und hinter denen ein Programm stehe; möglicherweise habe er gefühlsmäßig unter dem Eindruck einer Brentano-Romanze gewählt, und zur Weißen Rose der englischen Geschichte bestünden keine Beziehungen. Ob das Protokoll fehlerhaft ist oder Hans Scholl die Gestapo bewusst in die Irre führte, um Mitbeteiligte zu schützen, ist offen; eine weitere Deutung verweist auf B. Travens Roman „Die Weiße Rose" (1929).
- **Rosenrevolution** (Georgien, 2003).

### 6.4 Klassische Moderne und Gegenwart
- **Rainer Maria Rilke**: der Rosendichter des 20. Jahrhunderts – *Die Rosenschale* (1907), der französische Zyklus *Les Roses* (1926), und die selbstverfasste Grabinschrift in Raron, die die Rose als reinen Widerspruch anspricht: Lust, niemandes Schlaf zu sein unter so vielen Lidern.
- **Paul Celan**, *Die Niemandsrose* (1963) – die radikalste Umkehrung des Motivs: eine Rose, die niemandem gehört und für niemanden blüht. Nach 1945 die einzige noch mögliche Rose.
- **Gertrude Stein**, *Sacred Emily* (1913) – siehe Abschnitt 14 zur korrekten Zitation.
- **Antoine de Saint-Exupéry**, *Le Petit Prince* (1943) – die eine Rose, die durch Zuwendung einzigartig wird.
- **Umberto Eco**, *Il nome della rosa* (1980) – siehe Abschnitt 13.
- **Cy Twombly**, *The Rose* / *Blooming* (2008) – monumentale späte Rosenbilder, teils mit Rilke-Versen; der überzeugendste Beweis, dass das Motiv noch trägt.

### 6.5 Ware
Die Rose ist heute das global meistgehandelte Schnittblumenprodukt: Anbau in Kenia, Äthiopien, Ecuador und Kolumbien, Luftfracht nach Europa und Nordamerika, Nachfragespitzen zum Valentinstag. Die ökologische und arbeitsrechtliche Kritik daran hat das Symbol selbst erreicht – die geschenkte Rose ist seit den 2000er Jahren auch ein Zeichen unbedachten Konsums. Für eine gegenwartsbezogene Symbolstudie ist das der interessanteste offene Punkt.

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## 7. Bedeutungen in verschiedenen Kulturen

### 7.1 Kulturelle Ränge

| Kulturraum | „Königin der Blumen" | Rolle der Rose |
|---|---|---|
| Europa | **Rose** | Liebe, Martyrium, Maria, Vergänglichkeit, Verschwiegenheit |
| Persien / islam. Raum | **Rose** (*gol*) | göttliche Schönheit, Paradiesgarten, mystische Liebe |
| China | **Pfingstrose** (*mǔdān*) | Rose (*méiguī*) eher randständig; Pfingstrose = Reichtum, Rang |
| Japan | **Kirschblüte** (*sakura*) | Rose (*bara*) als westlicher Import; Vergänglichkeit trägt sakura |
| Indien | **Lotos** | Rose über die Mogulkultur persisch vermittelt; Rosenwasser im Ritus |

Die weltweite Dominanz der Rose ist ein **europäisch-persisches Erbe mit globaler Exportgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts**, nicht ein anthropologischer Befund.

### 7.2 Farbcodes
Der geläufige Kode – rot = Liebe, weiß = Reinheit, gelb = Freundschaft, rosa = Dankbarkeit – ist **jung**. Er stammt aus der viktorianischen Blumensprache (siehe Abschnitt 14) und ist selbst dort inkonsistent: Gelb bedeutet im 19. Jahrhundert häufig **Eifersucht oder Untreue**, nicht Freundschaft. Historische Bildwerke sind mit diesem Kode nicht zu lesen.

Belastbar sind dagegen zwei alte Zuordnungen:
- **Rot = Blut, Martyrium, Eros** (antik und mittelalterlich durchgehend).
- **Weiß = Unschuld, Jungfräulichkeit, Schweigen** (christlich; *rosa alba* für Maria).

### 7.3 Zahl und Form
Die wilde Rose ist **fünfzählig** – dieselbe Symmetrie wie der Pentagramm-Stern und, in der Renaissance-Astronomie, wie die Venus-Konjunktionsfigur. Die daraus abgeleiteten esoterischen Deutungen (Rose = Venus = Pentagramm = Weiblichkeit) sind **modern**, überwiegend 19./20. Jahrhundert, und sollten nicht ins Mittelalter zurückprojiziert werden. Die Fünfzahl als **fünf Wunden Christi** ist dagegen echte mittelalterliche Auslegung.

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## 8. Religiöse Verwendung

### Christentum
- **Marienrose**: *rosa mystica*, *rosa sine spina*, Rosenhag, Rosenkranz, Rosenkranzbruderschaften.
- **Märtyrerrose**: rot, aus dem Blut; die Formel *rosa martyrum, lilia virginum* strukturiert die Heiligenattributik.
- **Goldene Rose**: eine päpstliche Auszeichnung, aus Gold gefertigt und am **Laetare-Sonntag** (4. Fastensonntag, daher *Dominica de rosa*, „Rosensonntag") geweiht. Verliehen an Herrscher, Städte, Kirchen und Heiligtümer, belegt seit dem 11. Jahrhundert und bis heute vergeben. Historisch pikant: Heinrich VIII. erhielt sie dreimal, bevor er mit Rom brach.
- **Pfingstrosen im Pantheon**: Die römische Rosalia geht in das Pfingstfest über – italienisch *Pasqua rosata*. In S. Maria ad Martyres (dem Pantheon) werden bis heute zu Pfingsten Rosenblätter durch den Okulus geworfen; der Heilige Geist als Rosenregen.
- **Heiligenlegenden**: Elisabeth von Thüringen, deren Brot sich in Rosen verwandelt (dieselbe Legende auch für Elisabeth von Portugal und Casilda); **Dorothea von Caesarea**, die Rosen und Äpfel im Winter schickt; **Rita von Cascia**; **Rosa von Lima**, erste Heilige des amerikanischen Kontinents (kanonisiert 1671).
- **Protestantisch**: die Lutherrose (siehe 5.3).

### Islam
Rosenwasser in Ritual und Gastfreundschaft; die Rose als Duftzeichen des Propheten; *gol o bolbol* als mystische Grundfigur; der Rosengarten (*golestān*, *gulistān*) als Paradiesbild. Die osmanische Kunst macht die *gül* zum Leitornament von Fliese, Teppich und Buchdeckel.

### Rosenkreuzertum und Freimaurerei
Rose und Kreuz (siehe 5.4); der Grad *Chevalier Rose-Croix* im Schottischen Ritus; in maurerischen Trauerlogen die drei Rosen. Rudolf Steiners Rosenkreuz-Meditation trägt das Motiv in die anthroposophische Buch- und Gebrauchsgrafik.

### Weitere
Hinduismus: Rosenblätter in der *pūjā*, Rosengirlanden. Bahāʼī: der Garten von Riḍvān. Neuheidentum und moderne Esoterik: Rose als Herzsymbol und Zeichen der Initiation, teils mit Rückgriff auf die Tarot-Ikonografie (Rider-Waite-Smith, 1909: die weiße Rose des Narren, die Rosen des Magiers, die weiße Rose auf der Fahne des Todes).

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## 9. Verwendung in Kunst

| Werk | Datierung | Pointe |
|---|---|---|
| Fresko, „Haus der Fresken", Knossos | ca. 1600–1450 v. Chr. | älteste vermeintliche Rose – Zuschreibung unsicher |
| Rhodische Münzen | ab 5./4. Jh. v. Chr. | erstes redendes Rosenemblem |
| Rosenkränze aus Hawara | 2.–5. Jh. n. Chr. | ältester botanisch gesicherter Beleg |
| Stefan Lochner, *Madonna im Rosenhag* | um 1440/42 | das kanonische Bild des *hortus conclusus* |
| Schongauer, *Madonna im Rosenhag* | 1473 | Rosenhecke als Bildarchitektur |
| Botticelli, *Geburt der Venus* | um 1485 | Rückkehr der Venusrose |
| Dürer, *Rosenkranzfest* | 1506 | Rosenkranzfrömmigkeit als Staatsbild |
| Bosschaert, Ruysch, van Huysum | 17./18. Jh. | Rose im Zentrum der Vanitas |
| Redouté, *Les Roses* | 1817–24 | die Rose als Porträt |
| Alma-Tadema, *The Roses of Heliogabalus* | 1888 | Luxus als Tod (siehe Anekdoten) |
| Burne-Jones, *Briar Rose* | 1885–90 | Rose als Stillstand |
| Van Gogh, *Roses* | 1890 | Farbschwund: rosa zu weiß verblasst |
| Fantin-Latour, Rosenstillleben | 1870er/80er | der Rosenmaler schlechthin; Sorte nach ihm benannt |
| Mackintosh / Glasgow Style | um 1900 | die geometrische Rose |
| Wiener Werkstätte | 1903–32 | Rose als Flächenornament |
| Cy Twombly, *The Rose* | 2008 | monumentales Spätwerk mit Rilke |

**Technikgeschichtliche Notiz:** Die Rose ist im Kleinformat tückisch. Eine gefüllte moderne Rose braucht Tonwerte, um lesbar zu bleiben; unter etwa 40 mm zerfällt sie in Linienbrei. Die heraldische Fünfblattrose ist die formatsichere Lösung – sie wurde für genau diese Einschränkung entwickelt. Für Radierung und Kupferstich gilt: Die Schraffur muss der Blattwölbung folgen, sonst wirkt die Blüte flach. Im Holzschnitt trägt die Weißlinie an der Blattkante besser als die Kontur.

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## 10. Verwendung in Literatur

### Antike und Spätantike
Sappho (zugeschrieben) · Anakreonteen · Ovid, *Fasti* V und *Metamorphosen* X · Plinius d. Ä. · Pseudo-Ausonius, *De rosis nascentibus* (*collige, virgo, rosas*) · Apuleius, *Metamorphosen* – **Lucius wird durch das Fressen von Rosen vom Esel wieder zum Menschen**; die Rose als Mittel der Rückverwandlung und Initiation, im Isis-Kontext.

### Mittelalter
- **Roman de la Rose** und die Querelle (siehe 4.4).
- **Dante**, *Paradiso* XXX–XXXI: die **candida rosa**, die weiße Rose der Seligen, deren Blütenblätter die Ränge der Erlösten sind. Der kühnste Umbau des Motivs überhaupt – die Rose wird zur Architektur des Himmels.
- **Bernhard von Morlaix (Cluny)**, *De contemptu mundi* (12. Jh.): der Hexameter über die vergangene Rose, von der nur der Name bleibt – Ecos Schlusssatz.
- **Saʿdī**, *Golestān* (1258); **ʿAṭṭār**, *Manṭiq aṭ-ṭayr*; **Ḥāfiẓ**, Divan.

### Frühe Neuzeit
Ronsard (1553) · Malherbe · Shakespeare (*Romeo und Julia* II,2 – der Name der Rose ändert ihren Duft nicht; Sonett 54; *Heinrich VI. Teil 1*, II,4 – die Rosenwahl im Temple Garden, **Shakespeares Erfindung**) · Herrick (1648) · Angelus Silesius, *Cherubinischer Wandersmann* (1657) – die Rose ohne Warum, eines der meistzitierten deutschen Mystikbilder.

### 18./19. Jahrhundert
- **Goethe**, *Heidenröslein* (1771) – vordergründig ein Volksliedton, tatsächlich eine Gewaltallegorie; Schuberts Vertonung (1815) hat die harmlose Lesart durchgesetzt. Für eine ernsthafte Motivstudie unbedingt zu erwähnen.
- **William Blake**, *The Sick Rose* (1794) – die Rose, in die der unsichtbare Wurm eindringt: Krankheit, Sexualität, Zerstörung von innen.
- **Novalis** – die *blaue Blume* als bewusstes Gegenbild zur Rose: das Unerreichbare gegen das Verfügbare.
- **Heine**, **Mörike**, **Storm** – die Rose im bürgerlichen Lied.

### 20. Jahrhundert
Rilke (*Die Rosenschale*, *Les Roses*, Grabinschrift) · **Hofmannsthal/Strauss**, *Der Rosenkavalier* (1911) – die **silberne Rose** als Überreichungszeremoniell ist frei erfunden und wirkt seither wie altes Brauchtum · Gertrude Stein (1913) · **Federico García Lorca** · **Jorge Luis Borges**, *Una rosa amarilla* und *La rosa profunda* · **Paul Celan**, *Die Niemandsrose* (1963) · Saint-Exupéry (1943) · **Umberto Eco** (1980).

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## 11. Verwendung auf Exlibris

Die Rose ist – neben Eule, Buch, Baum und Wappen – eines der häufigsten Exlibris-Motive überhaupt. Sie ist zugleich das am schlechtesten katalogisierte, weil sie meist als Randornament auftritt und in Motivkatalogen nicht erfasst wird. Eine funktionale Typologie:

### 11.1 Redendes Motiv
Die reichste aller Namensgruppen. Die Rose steckt in ungewöhnlich vielen europäischen Familiennamen:

- **Deutsch:** Rose, Rosen, Rosenberg, Rosenthal, Rosenbaum, Rosenzweig, Rosenkranz, Rosenfeld, Rosner, Rosenau, Roos
- **Romanisch:** Rosa, Rosetti, Rossetti, La Rose, Rosier, Duroselle
- **Slawisch:** Růžička (tschech. „Röschen"), Różycki, Ružić, Rozanov
- **Ungarisch:** Rózsa, Rózsavölgyi
- **Türkisch/persisch:** Gül, Gülşen, Gülbahar
- **Armenisch:** Vard, Vardanyan (*vard* = Rose)
- **Niederländisch:** Roosendaal, Van Rossum

**Ein Hinweis, der zur Sorgfalt gehört:** Namen wie Rosenthal, Rosenberg, Rosenbaum und Rosenzweig waren im deutschsprachigen Judentum sehr verbreitet, und die Blütezeit des künstlerischen Exlibris (1890–1933) fällt genau mit der Blütezeit jüdischer Privatbibliotheken in Deutschland und Österreich zusammen. Ein erheblicher Teil der erhaltenen Rosen-Exlibris dieser Namen stammt aus Bibliotheken, die im Nationalsozialismus geraubt wurden. Exlibris spielen in der Provenienzforschung, die sich mit der Herkunft von Kulturgütern befasst, eine wichtige Rolle – ein Rosen-Exlibris kann daher zugleich Motivbeleg und Restitutionsindiz sein. Wer solche Blätter veröffentlicht oder handelt, sollte das mitdenken.

### 11.2 Heraldisches Motiv
Wappenexlibris mit Rose: die normierte Fünfblattrose (siehe 4.5), die **Tudorrose** auf englischen Blättern, die **Lippische Rose** in ostwestfälischen Beständen, und die Rose als **Beizeichen des siebten Sohnes** in der englischen Kadenz. Letzteres ist ein Datierungs- und Zuordnungswerkzeug, kein Symbolbefund.

### 11.3 Lutherrose
Für evangelische Pfarrer, Theologen, Kirchen- und Konsistorialbibliotheken, Reformationssammler. Ein Standardtyp der deutschen Exlibris-Landschaft, besonders dicht um die Jubiläen 1817, 1883, 1917 und 2017.

### 11.4 Rosenkreuzerisch-hermetisches Exlibris
Rose auf oder am Kreuz, oft mit Schlange, Pentagramm, Kelch oder Buch. Für Sammler von Occulta, Theosophen, Anthroposophen, Freimaurer (Rose-Croix). Blütezeit 1900–1935, deutlich rückläufig danach.

### 11.5 Marianisch-katholisches Exlibris
Rosenkranz als Rahmung, Rosenhag, *rosa mystica* mit Devise. Für Klosterbibliotheken, Priesterseminare, katholische Gelehrte. Häufig in Bayern, Österreich, Schlesien und dem Rheinland.

### 11.6 Sub rosa
Die über Schreibtisch, Buch oder Wappen hängende Rose als Zeichen der Verschwiegenheit. **Für ein Exlibris besonders schlüssig**, weil ein Bucheignerzeichen ohnehin eine Grenze zwischen privat und öffentlich zieht. Devise: *Sub rosa*, *sub rosa dictum*.

### 11.7 Vanitas
Rose + Totenkopf + Sanduhr + Buch. Ein Motivcluster, das im Exlibris eine eigene Pointe bekommt: **Die Rose vergeht, das Buch bleibt.** Häufig bei Ärzten, Juristen und Bibliophilen mit barockem Geschmack, und in der Nachkriegs-Kleingrafik Osteuropas wiederbelebt.

### 11.8 Jugendstil-Ornament
Die geometrisierte Rose der **Glasgow School** und der **Wiener Werkstätte** ist um 1900–1915 eines der häufigsten reinen Zierelemente auf deutschen und österreichischen Exlibris – oft ohne jede symbolische Absicht, als Eckfüllung oder Rahmenrapport. Wer Blätter dieser Zeit motivisch auswertet, muss zwischen **Bedeutungsträger** und **Dekor** trennen, sonst wird die Statistik unbrauchbar.

### 11.9 Der Rosengarten als Bild der Sammlung
Die tragfähigste exlibrisspezifische Bedeutung, und die am seltensten genutzte:

- **rosarium** heißt Rosengarten *und* Rosenkranz *und* – in der Titeltradition – **Anthologie**.
- **Anthologie** kommt von griech. *anthologia*, „Blütenlese".
- **Florilegium** heißt wörtlich „Blütensammlung" und bezeichnet seit dem Mittelalter das Exzerptenbuch.
- Saʿdīs **Golestān** ist ein Buch, das sich Rosengarten nennt.

Das Buch selbst *ist* also seit jeher ein gepflückter Strauß, die Bibliothek ein Garten. Ein Exlibris, das den Rosengarten als Bibliothek zeigt (oder umgekehrt), spielt eine Metapher aus, die zwei Jahrtausende alt ist und trotzdem kaum abgenutzt wirkt. Das ist der Entwurfsansatz, den ich bei diesem Motiv für den ergiebigsten halte.

### 11.10 Devisen
- *Sub rosa* – unter der Rose (im Vertrauen)
- *Nulla rosa sine spinis* / *Non est rosa sine spina* – keine Rose ohne Dornen
- *Rosa sine spina* – marianisch
- *Collige, virgo, rosas* – Pseudo-Ausonius
- *Stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus* – Bernhard von Cluny / Eco
- *Ubi rosa, ibi spina*
- *Rosam qui legit, spinas ferat* – wer die Rose pflückt, ertrage die Dornen
- *Flos florum* – Blume der Blumen
- *Die Ros ist ohn Warum* – Angelus Silesius; für ein deutschsprachiges Blatt schwer zu übertreffen
- *Sic transit gloria rosae* – Variante des Vanitas-Topos

### 11.11 Technische Hinweise für den Entwurf
- **Format:** Unter etwa 40 mm Blütendurchmesser die gefüllte Rose meiden. Die heraldische Fünfblattrose, die Knospe im Profil oder die Glasgow-Reduktion sind die drei formatsicheren Lösungen.
- **Zweifarbendruck:** Rosenexlibris gehören zu den wenigen Typen, bei denen ein zweiter, roter Druckstock historisch verbreitet ist – ein Argument, das sich bei einer Auftragsarbeit gut vertreten lässt.
- **Dorn statt Blüte:** Bei sehr kleinen Formaten trägt der bedornte Stängel als Zeichen oft weiter als die Blüte. Der Dorn ist eindeutig, die Blüte nicht.
- **Verwechslungsgefahr:** Frontale Fünfblattrose vs. Apfelblüte vs. Erdbeerblüte vs. abstrakte Rosette. Klären durch Kelchblattspitzen zwischen den Blütenblättern (heraldisches Kennzeichen), durch Blatt- und Dornform am Stängel oder durch Kontext.

### 11.12 Erschließung und Sammlungen
Für die Suche nach konkreten Blättern gelten dieselben Zugänge wie beim Motiv Sonne/Mond: Museum Schloss Burgk an der Saale mit über 200.000 Exlibris (Stand Juni 2025), gut erschlossen und zugänglich, Grundstock die 1981 übereignete Sammlung Heinicke; daneben Bestände, die durch Zettelkataloge nach Künstlern, Eignern und Motiven erschlossen sind – für eine Motivstudie der einzig praktikable Einstieg. Das Internationale Exlibriszentrum in Sint-Niklaas geht auf eine Sammlung von fast 200.000 Exlibris und Gelegenheitsgrafiken zurück. Ferner Frederikshavn, Klingspor-Museum Offenbach, Gutenberg-Museum Mainz, ÖNB Wien, E-Pics „Ex meis libris" der ETH-Bibliothek. Die künstlerbezogenen Werklisten der DEG verzeichnen Eigner, Motiv, Technik und Maße und sind das schnellste Werkzeug, um das Vorkommen bei einem bestimmten Grafiker zu prüfen.

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## 12. Bekannte Künstler

### 12.1 Exlibris und Buchgrafik
- **Heinrich Vogeler** (1872–1942, Worpswede) – der Rosenkünstler des deutschen Jugendstils. Rosen, Birken und Ranken sind seine Signatur; sein Buchschmuck für den Insel-Verlag und seine Exlibris haben das Motiv im deutschen Sprachraum stärker geprägt als jede andere Hand.
- **Melchior Lechter** (1865–1937) – Buchkunst für den George-Kreis; Rose als sakral-ornamentales Zeichen.
- **Otto Ubbelohde**, **Marcus Behmer**, **Josef Sattler**, **Alois Kolb**, **Emil Orlik**.
- **Franz von Bayros** und **Michel Fingesten** – die Rose im erotisch-symbolistischen Register, in der direkten Nachfolge des Rosenromans.
- **Alfred Cossmann** (Wien) – Rose in der Präzision des Kupferstichs.
- **Koloman Moser**, **Josef Hoffmann**, **Dagobert Peche** – Wiener Werkstätte, die Rose als Ornamentmodul.
- **Charles Rennie Mackintosh** / **Margaret Macdonald** – die Glasgow Rose, wirkungsmächtig weit über Schottland hinaus.
- **William Morris**, **Walter Crane**, **Aubrey Beardsley**, **Eric Gill** – britische Buchkunst.
- **Fidus (Hugo Höppener)** – Rose in der lebensreformerisch-theosophischen Bildsprache; ideologisch belastet, motivgeschichtlich einschlägig.

*Diese Liste ist indikativ. Ob Rosen bei einem bestimmten Künstler tatsächlich und in welchem Umfang vorkommen, ist über die DEG-Werklisten und Motivkataloge im Einzelfall zu prüfen.*

### 12.2 Freie Kunst
Stefan Lochner · Martin Schongauer · Sandro Botticelli · Albrecht Dürer · Ambrosius Bosschaert · Rachel Ruysch · Jan van Huysum · Pierre-Joseph Redouté · Henri Fantin-Latour · Édouard Manet · Pierre-Auguste Renoir · Vincent van Gogh · Dante Gabriel Rossetti · Edward Burne-Jones · Lawrence Alma-Tadema · Charles Rennie Mackintosh · Georgia O'Keeffe · Cy Twombly

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## 13. Interessante Anekdoten

**Der Rosenmord des Heliogabal.** Die *Historia Augusta* berichtet, der Kaiser habe seine Gäste unter herabregnenden Blütenblättern ersticken lassen. Die *Historia Augusta* ist die unzuverlässigste Quelle der römischen Geschichtsschreibung, und die Episode ist mit hoher Wahrscheinlichkeit erfunden. Lawrence Alma-Tadema malte sie 1888 trotzdem – und ließ sich für die Arbeit während eines Winters wöchentlich frische Rosen von der Riviera nach London schicken, damit die Blütenblätter stimmten. Eine erfundene Geschichte, für deren Illustration reale Rosen quer durch Europa reisten.

**Rilkes Rosendorn.** Die schönste falsche Geschichte der Literaturgeschichte: Rilke sei an einer Blutvergiftung gestorben, die er sich beim Schneiden von Rosen für eine Besucherin zugezogen habe. Er starb 1926 an akuter Leukämie. Ein Dornenstich ist als Episode überliefert, war aber nicht die Todesursache. Die Legende hält sich, weil sie zu gut zu seiner selbstverfassten Grabinschrift passt – und genau das sollte misstrauisch machen.

**„Der Name der Rose".** Umberto Eco erklärte in den *Nachschriften*, er habe den Titel gerade deshalb gewählt, weil die Rose so viele Bedeutungen trage, dass ihr keine mehr eindeutig zukomme – ein Titel, der den Leser desorientieren soll. Nachtrag mit Pointe: Der zitierte Schlusshexameter Bernhards von Cluny lautet in einem Teil der Überlieferung nicht *stat rosa pristina*, sondern *stat Roma pristina* – „das alte Rom besteht nur dem Namen nach". Der berühmteste Rosentitel des 20. Jahrhunderts könnte auf einer Textvariante beruhen.

**Die Goldene Rose für Heinrich VIII.** Der spätere Bruchkönig erhielt die päpstliche Goldene Rose dreimal – 1510, 1521 und 1524. Es dürfte die teuerste Fehlinvestition der päpstlichen Diplomatie gewesen sein.

**Rosenblätter durch den Okulus.** In der Pfingstmesse im römischen Pantheon werden vom Dach durch das Opaion Rosenblätter herabgeworfen. Der römische Rosenbrauch der *Rosalia* ist damit im christlichen Hochfest bruchlos aufgehoben – Kontinuität, die man sehen kann.

**Die blaue Rose.** Rosen können kein Delphinidin bilden, den Farbstoff des Blaus. Jahrhundertelang war „blaue Rose" im Englischen wie im Chinesischen ein Ausdruck für das Unmögliche. Suntory brachte 2004 die gentechnisch veränderte Sorte 'Applause' heraus, im Handel ab 2009 – sie ist mauve, nicht blau. Alles, was als blaue Rose verkauft wird, ist gefärbt oder lavendelfarben.

**Verblasste Rosen.** Van Goghs *Roses* (1890, National Gallery of Art, Washington) waren ursprünglich rosa. Der verwendete organische Rotlack ist ausgeblichen; heute sieht man weiße Rosen auf grünem Grund. Ein erheblicher Teil der Rosenbilder des 19. Jahrhunderts hat aus demselben Grund die Farbe gewechselt – Farbsymbolik an Originalen zu lesen, ist riskanter, als es aussieht.

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## 14. Irrtümer

**1. „Die Rosette ist eine frühe Rosendarstellung."**
Nein. Mesopotamische, ägäische und altorientalische Rosetten sind geometrisches, meist astral-göttliches Ornament. Die Gleichsetzung datiert das Rosensymbol um Jahrtausende zu früh und ist der häufigste Fehler der populären Symbolliteratur zu diesem Thema.

**2. „Das Knossos-Fresko ist die älteste Rosendarstellung der Welt."**
Nicht gesichert. Das Fresko ist stark rekonstruiert; die dargestellte Blüte hat sechs Blätter, was bei keiner *Rosa* vorkommt. Zitierfähig nur mit Vorbehalt.

**3. „Die Rose war eine Blume des Alten Ägypten."**
Nein. Die botanisch gesicherten ägyptischen Rosenfunde stammen aus griechisch-römischer Zeit (Hawara, 2.–5. Jh. n. Chr.).

**4. „*Sub rosa* ist eine antike römische Redewendung."**
Der Brauch, eine Rose über die Tafel zu hängen, und die Harpokrates-Erzählung sind alt. Die **lateinische Formel** in der Bedeutung „vertraulich" ist dagegen erst in der frühen Neuzeit (16. Jahrhundert) sicher fassbar, aus dem Kanzlei- und Ratsstubengebrauch. Idee alt, Formel jung.

**5. „Die Rosenkriege wurden unter roter und weißer Rose ausgefochten."**
Fast alles daran ist Nachkonstruktion. Der Name *Wars of the Roses* ist eine Prägung des 19. Jahrhunderts (populär geworden im Umfeld Walter Scotts). Die weiße Rose Yorks ist zeitgenössisch belegt, die **rote Rose Lancasters kaum** – sie wird erst durch Heinrich VII. wichtig, weil er sie braucht, um die **Tudorrose** von 1486 als Versöhnungszeichen konstruieren zu können. Und die berühmte Rosenwahl im Temple Garden ist **Shakespeares Erfindung** (*Heinrich VI. Teil 1*, II,4).

**6. „Die Fensterrose ist nach der Blume benannt."**
Die mittelalterlichen Quellen sagen *rota* – Rad. Die Bezeichnung „Rose" ist späteren Datums, die Form leitet sich vom Rad und vom Okulus ab. Die marianische Deutung ist echt, aber sekundär.

**7. „Der Rosenkranz geht auf eine Erscheinung bei Dominikus (1208) zurück."**
Eine spätmittelalterliche Legende, maßgeblich von Alanus de Rupe um 1470 propagiert. Historisch entwickelt sich die Gebetsform allmählich aus Paternoster-Zählschnüren und dem Marienpsalter; die dominikanische Gründungserzählung ist Werbung, nicht Chronik.

**8. „Die Blumensprache ist uralt."**
Nein. Die Floriografie ist ein Buchmarktphänomen des 19. Jahrhunderts (Charlotte de Latour, *Le langage des fleurs*, 1819, mit Vorläufern in Lady Mary Wortley Montagus Berichten über den türkischen *selam*). Die Codes widersprechen sich von Buch zu Buch. Gelb steht im 19. Jahrhundert eher für Eifersucht als für Freundschaft. Historische Bildwerke sind damit nicht zu entschlüsseln.

**9. „Es gibt blaue Rosen."**
Nein. Rosen fehlt der Stoffwechselweg zum Delphinidin. Siehe Abschnitt 13.

**10. „Die Rose ist überall die Königin der Blumen."**
Europäisch-persisch. In China hält die Pfingstrose diesen Rang, in Japan die Kirschblüte die Vergänglichkeitsrolle, in Indien der Lotos die sakrale. Die globale Verbreitung der Rosenmetaphorik ist ein Exportvorgang des 19. und 20. Jahrhunderts.

**11. „Mittelalterliche Rosen sahen aus wie heutige."**
Nein – und dieser Irrtum verdirbt mehr Bildinterpretationen als jeder andere. Die europäischen Rosen bis um 1800 waren überwiegend einfach oder halbgefüllt, fünfblättrig bis wenigblättrig und einmalblühend. Eine fünfblättrige Rose auf einer Tafel des 15. Jahrhunderts ist naturgetreu, nicht stilisiert.

**12. „'La France' (1867) ist die erste Teehybride."**
Eine gärtnerische **Konvention**, keine gesicherte Tatsache. Die Kategorie wurde nachträglich definiert; es gibt konkurrierende Kandidaten. Als Konvention zitieren, nicht als Datum.

**13. „Joséphine sammelte in Malmaison alle damals bekannten Rosen."**
Übertreibung. Die Sammlung war real und bedeutend, Redoutés Werk verdankt ihr viel – aber die Vollständigkeitslegende und die Geschichte vom britischen Geleitschutz für ihre Pflanzenlieferungen während der Blockade sind Malmaison-Folklore und quellenkritisch nicht abgesichert.

**14. „Gertrude Stein schrieb: 'A rose is a rose is a rose.'"**
Sie schrieb in *Sacred Emily* (1913) **„Rose is a rose is a rose is a rose"** – ohne Artikel, mit vier Nennungen; „Rose" ist dort als Name lesbar. Stein selbst erklärte später, sie habe dem Substantiv damit seine Kraft zurückgeben wollen, nachdem die Dichtung sie über Jahrhunderte verbraucht habe.

**15. „Die Weiße Rose nannte sich nach der Reinheit der Blume."**
Die Herkunft des Namens ist ungeklärt. Hans Scholl gab im Verhör an, der Name sei willkürlich gewählt; es brauche in wirksamer Propaganda Begriffe, die für sich nichts bedeuten, gut klingen und ein Programm decken – und Bezüge zur Weißen Rose der englischen Geschichte bestünden nicht. Der Aussagewert dieser Verhörsituation ist unklar; möglicherweise sollten Mitbeteiligte geschützt werden. Als offene Frage darstellen.

**16. „Die silberne Rose im *Rosenkavalier* ist ein altes Wiener Adelsbrauchtum."**
Frei erfunden von Hugo von Hofmannsthal. Ein besonders lehrreicher Fall: eine 1911 erfundene Zeremonie, die inzwischen wie überliefertes Brauchtum wirkt – und in Symbolliteratur gelegentlich als solches auftaucht.

**17. „Die fünfblättrige Rose ist ein altes Venus- und Pentagrammsymbol."**
Die Fünfzähligkeit ist botanisch. Die Verknüpfung mit Venus, Pentagramm und „weiblichem Prinzip" ist eine Konstruktion des 19./20. Jahrhunderts (Theosophie und Nachfolger) und lässt sich nicht ins Mittelalter zurückprojizieren. Die mittelalterliche Fünfdeutung lautet: **fünf Wunden Christi**.

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## 15. Quellen

### Symbol- und Kulturgeschichte der Rose
- Charles Joret: *La rose dans l'antiquité et au moyen âge. Histoire, légendes et symbolisme*, Paris 1892 – der Klassiker, materialgesättigt.
- Jennifer Potter: *The Rose. A True History*, London 2010 – die beste moderne Gesamtdarstellung.
- Peter Harkness: *The Rose. An Illustrated History*, London 2003.
- Barbara Seward: *The Symbolic Rose*, New York 1954 – literaturwissenschaftlich, Schwerpunkt Dante bis Yeats und Eliot.
- Gerd Krüssmann: *Rosen Rosen Rosen. Unser Wissen über die Rose*, Berlin/Hamburg 1974 – deutsches Standardwerk, botanisch und kulturhistorisch.
- Graham Stuart Thomas: *The Old Shrub Roses*, London 1955 u. ö. – für die Frage, wie historische Rosen tatsächlich aussahen.

### Nachschlagewerke
- *Lexikon der christlichen Ikonographie* (LCI), Art. „Rose", „Rosenkranz", „Rosenhag".
- *Reallexikon für Antike und Christentum* (RAC), Art. „Rose", „Kranz".
- Jean Chevalier / Alain Gheerbrant: *Dictionnaire des symboles*.
- Manfred Lurker: *Wörterbuch der Symbolik*, Kröner.

### Marienfrömmigkeit und Rosenkranz
- Anne Winston-Allen: *Stories of the Rose. The Making of the Rosary in the Middle Ages*, University Park, PA 1997 – maßgeblich, auch zur Dominikus-Legende.
- Marina Warner: *Alone of All Her Sex. The Myth and the Cult of the Virgin Mary*, London 1976.
- Painton Cowen: *The Rose Window*, London 2005.

### Rosenroman und Literatur
- C. S. Lewis: *The Allegory of Love*, Oxford 1936.
- Sylvia Huot: *The Romance of the Rose and its Medieval Readers*, Cambridge 1993.
- Eric Hicks (Hrsg.): *Le débat sur le Roman de la Rose*, Paris 1977 – die Querelle-Dokumente.
- Umberto Eco: *Postille a „Il nome della rosa"*, Mailand 1983 (dt. *Nachschrift zum „Namen der Rose"*).

### Rosenkreuzertum
- Frances A. Yates: *The Rosicrucian Enlightenment*, London 1972 – einflussreich, in Teilen überholt und kontrovers.
- Carlos Gilly: Arbeiten zu den Rosenkreuzer-Manifesten und zu Andreae (Bibliotheca Philosophica Hermetica).
- Johann Valentin Andreae: *Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz*, Straßburg 1616.

### Blumensprache
- Beverly Seaton: *The Language of Flowers. A History*, Charlottesville 1995 – die entscheidende Arbeit gegen die angebliche Antiquität der Floriografie.

### Botanik und Züchtungsgeschichte
- Pierre-Joseph Redouté / Claude-Antoine Thory: *Les Roses*, Paris 1817–24.
- Charles C. Hurst: „Notes on the Origin and Evolution of Our Garden Roses", Journal of the Royal Horticultural Society, 1941 – Grundlage der modernen Rosenklassifikation.

### Weiße Rose
- Weiße Rose Stiftung e. V., München: https://www.weisse-rose-stiftung.de
- Verhörprotokolle Hans Scholl, u. a. bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

### Exlibris
- Walter von zur Westen: *Exlibris (Bucheignerzeichen)*, Bielefeld/Leipzig 1901, 2. Aufl. 1909.
- Norbert H. Ott: *Exlibris. Zur Geschichte ihrer Motive, ihrer Gestaltungsformen und ihrer Techniken*.
- Gernot Blum: *Michel Fingesten. Das Gesamtwerk der Exlibris*, 1987.
- *Jahrbuch der Deutschen Exlibris-Gesellschaft* (DEG-Jb.), fortlaufend; DEG-Magazin; PDF-Archiv der DEG-Mitteilungen.
- DEG-Werklisten: https://exlibris-deg.de/exlibris-werklisten/
- DEG-Verzeichnis öffentlicher Exlibris-Bestände: https://exlibris-deg.de/weitere-exlibris-archive/
- FISAE – Kongressbände und Länderberichte.
- E-Pics „Ex meis libris", ETH-Bibliothek Zürich (online).
- Zur Provenienzfrage: Deutsche Digitale Bibliothek, Themenbeitrag zum Exlibris; Arbeitskreis Provenienzforschung e. V.

### Heraldik
- Ottfried Neubecker: *Heraldik. Wappen – ihr Ursprung, Sinn und Wert*, Frankfurt a. M. 1977.
- Arthur Charles Fox-Davies: *A Complete Guide to Heraldry*, London 1909 – zur Rose als Beizeichen des siebten Sohnes.

---

*Hinweis zur Belastbarkeit: Auflagen, Erscheinungsjahre und Seitenzahlen sind vor einer Publikation am Original oder im Bibliothekskatalog zu prüfen. Die Abschnitte 2, 3 (sub rosa), 4.3, 6.3 und 14 enthalten bewusst als strittig oder offen markierte Positionen und sind so wiederzugeben.*


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