Ex Libris Katze auf Bücherregal
Die Katze
Eine kultur- und kunsthistorische Symbolstudie
Vorbemerkung
Die Katze unterscheidet sich von den bisher behandelten Motiven in einem Punkt, der die ganze Studie prägt: Sie ist das einzige, dessen Symbolgeschichte fast vollständig aus einer einzigen historischen Zäsur zu erklären ist. Diese Zäsur ist das europäische Mittelalter, und was dort geschah, ist so gründlich, dass es sich lohnt, es an den Anfang zu stellen.
In der Antike war die Katze angesehen bis heilig. In Ägypten göttlich, in Rom Zeichen der Freiheit, überall geschätzt als Mäusejägerin. Dann, ungefähr zwischen dem 12. und dem 15. Jahrhundert, kippt das Bild in Europa vollständig. Die Katze wird zum Tier des Teufels, zur Begleiterin der Hexe, zum verdächtigen, hinterhältigen, nächtlichen Wesen. Sie wird verfolgt, verbrannt, an Feiertagen zu Tode gequält. Und dann, ab dem 18. und vor allem im 19. Jahrhundert, kippt es ein zweites Mal zurück, hin zum Haustier, zum Salontier, schließlich zum meistfotografierten Wesen des Internetzeitalters.
Kaum ein Symbol hat eine so steile Berg- und Talfahrt hinter sich. Wer ein Katzenmotiv liest, muss zuerst wissen, aus welcher dieser drei Phasen es stammt, sonst deutet er es falsch. Eine ägyptische Katze, eine mittelalterliche Katze und eine Biedermeierkatze haben fast nichts gemein außer der Art.
Die zweite Vorentscheidung betrifft das Geschlecht. Die Katze ist im europäischen Symbolhaushalt fast durchgehend weiblich konnotiert, und ein großer Teil ihrer negativen wie ihrer positiven Bedeutungen hängt an dieser Zuschreibung. Das ist zu benennen, weil es die Misogynie eines Teils der Überlieferung erklärt und weil die Sprache es mitträgt: die Katze, im Gegensatz zum Kater.
1. Ursprung
Die Domestikation
Die Hauskatze stammt von der afrikanischen Wildkatze Felis silvestris lybica ab. Die Domestikation verlief anders als bei fast allen anderen Haustieren: Die Katze domestizierte sich weitgehend selbst. Mit dem Beginn der Vorratshaltung im Neolithikum entstanden Mäusepopulationen in menschlichen Siedlungen, und die Wildkatze folgte der Beute. Sie kam wegen der Mäuse, nicht wegen des Menschen, und dieses Verhältnis auf Augenhöhe, halb geduldet, halb selbstbestimmt, ist der Kern fast aller späteren Symbolik.
Der älteste Beleg für ein enges Verhältnis ist ein Grab auf Zypern (Shillourokambos, um 7500 v. Chr.), in dem ein Mensch zusammen mit einer Katze bestattet wurde. Da Zypern keine einheimischen Wildkatzen hat, muss das Tier von Menschen auf die Insel gebracht worden sein. Das verschiebt den Beginn der Mensch-Katze-Beziehung um Jahrtausende vor das ägyptische Material, mit dem man sie üblicherweise beginnen lässt.
Woraus die Bedeutung wächst
Die Katze verdankt ihre symbolische Vieldeutigkeit einem Bündel von Eigenschaften, das kein anderes Haustier so vereint.
Sie ist eigenständig. Sie kommt und geht, gehorcht nicht, lässt sich nicht wie der Hund zum Dienst erziehen. Daraus wächst beides: die Bewunderung für Freiheit und Unabhängigkeit, und der Verdacht der Untreue, der Falschheit, der Unberechenbarkeit.
Sie ist nachtaktiv und sieht im Dunkeln, ihre Augen leuchten im Restlicht. Das verbindet sie mit dem Mond, mit dem Verborgenen, mit der Sphäre, in der der Mensch blind ist, und in der negativen Wendung mit Hexerei und Teufel.
Sie ist sauber, geschmeidig, lautlos und pflegt sich selbst. Daraus wächst die Verbindung zu Anmut, Sinnlichkeit, Weiblichkeit und Erotik.
Sie ist Jägerin, geduldig, plötzlich, tödlich. Daraus die Verbindung zu Wachsamkeit, Geschick und, in der Fabel, zu List und Grausamkeit.
Und sie ist zärtlich und distanziert zugleich, schnurrt und kratzt, sucht Nähe und entzieht sich. Diese Ambivalenz im Verhalten ist die Wurzel der Ambivalenz im Symbol.
Das Wort
Das lateinische cattus verdrängt ab der Spätantike das ältere feles. Es breitet sich mit dem Tier über fast ganz Europa aus: cat, chat, gatto, gato, Katze, kat, kot, und über verschlungene Wege bis ins Arabische (qiṭṭ). Die Herkunft ist umstritten, wahrscheinlich afroasiatisch. Der Gleichlauf der Wörter über halb Eurasien spiegelt die späte, aber schnelle Ausbreitung der Hauskatze.
Das Wort Kater für das Männchen und Katze als Gattungs- und Weibchenname prägt die deutsche Symbolik: Die Katze ist grammatisch und symbolisch weiblich.
2. Früheste archäologische Belege
Zypern
Das erwähnte Doppelgrab von Shillourokambos (um 7500 v. Chr.) ist der älteste Beleg einer bewussten Mensch-Katze-Verbindung, älter als jede ägyptische Darstellung um mehrere Jahrtausende. Die Katze war jung, offenbar nicht als Nahrung beigegeben, und lag in eigener kleiner Grube nahe dem Menschen.
Ägypten
Hier liegt das reichste Material, und hier ist die Katze göttlich.
Die früheste sichere Katzendarstellung im häuslichen Kontext stammt aus dem Mittleren Reich; ab dem Neuen Reich ist die Katze unter dem Stuhl der Hausherrin ein festes Bildmotiv in Grabmalereien, etwa in Theben. Sie ist Zeichen von Häuslichkeit, Fruchtbarkeit und Schutz.
Religiös verdichtet sich das in der Göttin Bastet von Bubastis, ursprünglich löwengestaltig, seit dem ersten Jahrtausend v. Chr. als Katze oder katzenköpfige Frau dargestellt. Bastet ist Göttin des Hauses, der Fruchtbarkeit, der Freude, des Schutzes und, in ihrer gefährlichen Seite, der Rache. Herodot beschreibt das große Fest von Bubastis als eines der ausgelassensten Ägyptens.
Die Katzenmumien sind der massivste archäologische Bestand: Millionen von ihnen wurden als Votivgaben an Bastet präpariert und in eigenen Nekropolen bestattet. Ein Teil davon war eigens dafür gezüchtet und getötet, was ein zwiespältiges Licht auf die "Heiligkeit" wirft (dazu Abschnitt 14). Herodot berichtet außerdem, bei einem Hausbrand hätten die Ägypter eher die Katzen gerettet als das Feuer gelöscht, und wer eine Katze tötete, sei mit dem Tod bestraft worden; Diodor erzählt eine entsprechende Lynchgeschichte an einem Römer.
China und Naher Osten
In China ist die Katze später präsent als in Ägypten und tritt erst mit dem Buddhismus und dem Getreidebau breiter hervor; ihre Rolle ist überwiegend praktisch (Schutz der Vorräte und der kostbaren Seidenraupen vor Mäusen) und wird erst allmählich symbolisch aufgeladen. Im Nahen Osten bereitet sich die spätere positive islamische Bewertung vor, die die Katze als reines Tier führt (Abschnitt 8).
3. Antike
Griechenland und Rom
Die griechisch-römische Antike kennt die Katze, aber sie steht nicht im Zentrum, weil das bevorzugte Mäusetier lange das Wiesel und der Iltis war. Die Katze setzt sich als Mäusejägerin erst allmählich durch, verbreitet sich mit dem Römischen Reich aber dann rasch über Europa.
Symbolisch ist die wichtigste antike Zuordnung die zur Freiheit. Die römische Göttin Libertas wird gelegentlich mit einer Katze zu ihren Füßen dargestellt, weil kein Tier sich so wenig zwingen lässt. Diese Zuordnung ist folgenreich: Sie kehrt in der Neuzeit wieder, etwa in Freiheits- und Republikallegorien, und sie ist die positive Gegenlinie zur mittelalterlichen Verteufelung.
Daneben ist die Katze der Artemis/Diana locker zugeordnet, über die Verbindung von Mond, Nacht und weiblicher Jagd, was den Weg zur späteren Mond- und Hexensymbolik vorbereitet. Eine Überlieferung lässt die Götter bei der Flucht vor Typhon Tiergestalt annehmen, und Diana wird dabei zur Katze, ein Motiv, das Ovid streift.
Die Fabel
Bei Aesop ist die Katze bereits das, was sie in der europäischen Fabel bleiben wird: listig, eigennützig, der Maus überlegen und ihr nicht zu trauen. Die Katze, die sich krank stellt, um Vögel anzulocken; die Katze und die Maus, die keinen echten Frieden schließen können. Hier wird der Grundstein der negativen Charakterdeutung gelegt, lange vor der christlichen Verteufelung, und aus einem anderen Motiv: nicht Teufel, sondern Berechnung.
4. Mittelalter
Der große Absturz
Das ist das entscheidende Kapitel der europäischen Katzensymbolik, und es ist ein finsteres.
Die Verteufelung hat mehrere Wurzeln, die zusammenwirken. Die Katze ist nachtaktiv und mondverbunden, also der dunklen Sphäre zugeordnet. Sie ist mit heidnischen Göttinnen verknüpft, mit Diana, mit der nordischen Freyja, deren Wagen von Katzen gezogen wird, und die Kirche deutet alte weibliche Gottheiten zu Dämonen um. Sie ist unabhängig und unterwirft sich nicht, was in einer auf Gehorsam gegründeten Ordnung verdächtig ist. Und sie wird mit Häresie assoziiert: Der Name der Katharer wurde volksetymologisch (und falsch) mit cattus verbunden, und man unterstellte ihnen, den Teufel in Katzengestalt zu küssen.
Diese Unterstellung wird 1233 kirchenamtlich, als Papst Gregor IX. in der Bulle Vox in Rama die schwarze Katze als Erscheinungsform des Teufels bei ketzerischen Riten beschreibt. Wie unmittelbar diese Bulle zu Katzentötungen führte, ist in der Forschung umstritten (Abschnitt 14), aber sie steht symbolisch am Beginn der Dämonisierung.
Von da an ist die Katze, besonders die schwarze, das Tier der Hexe, ihr Vertrauter (familiar), oft sie selbst in Verwandlung. In der frühen Neuzeit gehört die Katze zum festen Inventar der Hexenprozesse.
Die Gewalt
Man muss es aussprechen, weil es den Ton dieser Phase bestimmt. Katzen wurden im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Europa rituell gequält und getötet: bei Feuern verbrannt, von Türmen geworfen, in Prozessionen misshandelt. Solche Bräuche sind für mehrere Städte belegt und hielten sich örtlich bis ins 18. und 19. Jahrhundert. Der Historiker Robert Darnton hat das "große Katzenmassaker" von Pariser Druckergesellen im 18. Jahrhundert zum Ausgangspunkt einer berühmten mentalitätsgeschichtlichen Studie gemacht.
Die verbreitete Behauptung, diese Katzentötungen hätten durch Dezimierung der Mäusejäger die Pest verschlimmert, ist eine plausibel klingende, aber unbelegte Vereinfachung (Abschnitt 14). Man sollte sie nicht wiederholen.
Die Gegenstimmen
Es gab sie, und sie gehören zum vollständigen Bild. In Klöstern war die Katze als Bücher- und Vorratsschützerin geschätzt; manche Ordensregeln erlaubten Nonnen ausdrücklich die Katze als einziges Haustier. Das altirische Gedicht Pangur Bán (9. Jahrhundert), von einem Mönch am Rand einer Handschrift notiert, vergleicht liebevoll die Mäusejagd seiner weißen Katze mit seiner eigenen Jagd nach Erkenntnis. Es ist einer der zärtlichsten Tiertexte des Mittelalters und ausgerechnet ein Gelehrten- und Büchertext, was ihn für das Exlibris bedeutsam macht (Abschnitt 11).
Der Prophet des Islam soll Katzen geliebt haben, und die islamische Welt bewahrte die positive Bewertung, während Europa sie fallen ließ, eine der klarsten kulturellen Scheidelinien in der Symbolgeschichte eines Tieres.
5. Renaissance und frühe Neuzeit
Zwischen Verdacht und Beobachtung
Die Renaissance hält zunächst am negativen Bild fest. In der Abendmahls- und Verrats-Ikonografie sitzt die Katze oft zu Füßen des Judas, als Zeichen der Falschheit und des Verrats; Ghirlandaio und andere setzen sie so ein. In Hexendarstellungen bleibt sie Standardinventar.
Zugleich beginnt die genaue Naturbeobachtung. Leonardo da Vinci füllt ein berühmtes Blatt mit Katzenstudien in allen Haltungen und notiert dazu, die Katze sei ein Meisterwerk der Natur. Dürer setzt die Katze in den Sündenfall-Kupferstich (1504), wo sie, zu Füßen von Adam und Eva neben der Maus liegend, die gespannte Ordnung des Paradieses vor dem Fall verkörpert: Solange die Ordnung hält, springt die Katze nicht.
Emblematik
In den Emblembüchern ist die Katze mehrdeutig. Sie steht für Freiheit (das Tier, das keine Gefangenschaft duldet, in republikanischen und Freiheitsemblemen), für Wachsamkeit und Klugheit (die geduldige Jägerin), aber auch für Wollust, Trägheit und Falschheit. Diese Spannweite, positiv und negativ im selben Repertoire, ist typisch und für den Entwerfer wichtig: Die Katze bedeutet nie nur eines.
Der Beginn der Rehabilitierung
Im 17. Jahrhundert, vor allem in den Niederlanden, tritt die Katze als Teil des bürgerlichen Haushalts ins Genrebild. Bei Jan Steen, Judith Leyster und anderen sitzt sie im Familienzimmer, spielt mit Kindern, stiehlt vom Tisch, ein Alltagstier, kein Dämon mehr. Das ist der Beginn der zweiten Umwertung, die im 18. und 19. Jahrhundert vollständig wird.
Und die Literatur liefert das folgenreichste Katzenbild der frühen Neuzeit: den Gestiefelten Kater. In den Fassungen von Straparola, Basile und vor allem Charles Perrault (1697) ist die Katze der kluge, wortgewandte, treue Helfer, der seinen mittellosen Herrn durch List zum Reichtum führt. Hier ist die alte Fabellist ins Positive gewendet: Die Katze ist nicht mehr die falsche, sondern die geniale.
6. Moderne
Die zweite Umwertung
Im 18. und 19. Jahrhundert wird die Katze zum bürgerlichen Haustier und schließlich zum Liebling der Künstler und Schriftsteller.
Die Aufklärung nimmt ihr das Dämonische. Christopher Smart feiert im Gedicht Jubilate Agno (um 1760) seinen Kater Jeoffry in einer langen, ekstatischen Passage als Geschöpf, in dem sich Gottes Ordnung spiegelt, ausgerechnet aus dem Irrenhaus heraus geschrieben. Der Salon des 19. Jahrhunderts adoptiert die Katze als Zeichen von Häuslichkeit, Eleganz und feiner Sinnlichkeit.
Der Symbolismus macht sie zum Lieblingstier. Baudelaire widmet den Katzen in den Fleurs du mal mehrere Gedichte und macht sie zum Sinnbild des Dichters selbst, geheimnisvoll, stolz, sinnlich, wissend. Poe dagegen greift in The Black Cat (1843) das alte finstere Bild noch einmal auf und macht daraus eine Studie über Schuld und Grauen, die schwarze Katze als Wiedergängerin des schlechten Gewissens.
Das visuelle Zeitalter der Katze
Ab dem späten 19. Jahrhundert wird die Katze zum grafischen Massenmotiv. Théophile Steinlens Plakat für das Pariser Kabarett Le Chat Noir (1896) ist das ikonische Bild dieser Wende: die schwarze Katze nicht mehr als Teufelstier, sondern als kesses, modernes, großstädtisches Wahrzeichen. Louis Wain zeichnet Tausende anthropomorpher Katzen und prägt das populäre Katzenbild bis heute; seine späteren, im Zustand psychischer Erkrankung entstandenen, immer stärker aufgelösten Katzenbilder sind ein eigenes kunst- und medizingeschichtliches Kapitel. Steinlen, Manet (die Katze in der Olympia, 1863, als erotisches Zeichen an der Stelle, wo bei Tizians Venus der Hund als Treuesymbol lag), Bonnard, Foujita, dessen zarte Katzen weltberühmt wurden, Balthus mit seinen verstörenden Katze-Mädchen-Bildern, Picasso mit der Katze als Raubtier.
Und schließlich das 20. und 21. Jahrhundert: die Katze als das erfolgreichste Tier der Populärkultur und des Internets. Vom Cheshire Cat über Felix, Tom, Garfield und Hello Kitty bis zu den Katzenvideos und Memes, die einen messbaren Anteil des Netzverkehrs ausmachen. Kein Tier ist heute häufiger abgebildet. Die dritte, endgültige Rehabilitierung ist zugleich eine Trivialisierung, und ein anspruchsvoller Entwurf muss gegen diese Allgegenwart anarbeiten.
Der japanische Sonderweg
Erwähnenswert, weil er das europäische Auf und Ab nicht mitmacht: Die Maneki-neko, die winkende Glückskatze, ist seit dem 19. Jahrhundert ein verbreitetes Glücks- und Geschäftssymbol; die erhobene Pfote lockt Kundschaft und Glück herbei. Daneben die ambivalente Bakeneko und Nekomata des Volksglaubens, Katzen, die im Alter übernatürlich werden. Japan kennt also die positive und die unheimliche Katze nebeneinander, ohne die europäische Verteufelungsphase.
7. Bedeutungen im Überblick
Die zwei Pole
Positiv: Freiheit, Unabhängigkeit, Anmut, Geschmeidigkeit, Sinnlichkeit, Weiblichkeit, Häuslichkeit, Fruchtbarkeit und Schutz (Ägypten), Wachsamkeit, Klugheit, List im guten Sinn (der Gestiefelte Kater), Glück (Ostasien), Rätselhaftigkeit, dichterische Selbstgenügsamkeit.
Negativ: Falschheit, Untreue, Verrat, Hinterlist, Wollust, Trägheit, Unberechenbarkeit, Hexerei, Teufel, Unglück (besonders die schwarze Katze).
Die Katze ist damit, zusammen mit der Eule, das ambivalenteste Tier dieser Reihe. Aber die Ambivalenz ist anders gelagert: Bei der Eule stehen Weisheit und Tod von Anfang an nebeneinander. Bei der Katze folgen die Bedeutungen zeitlich aufeinander, in den drei großen Phasen. Man kann die Katzensymbolik nicht verstehen, ohne sie zu historisieren.
Die schwarze Katze, geteilt
Ein Sonderfall, der die Historisierung schön zeigt. Die schwarze Katze bedeutet Unglück in weiten Teilen des kontinentalen Europas und Nordamerikas, wo sie am Weg das schlechte Omen ist. In Großbritannien und Irland dagegen bringt die schwarze Katze Glück. Dieselbe Farbe, gegensätzliche Bedeutung, und die Grenze verläuft mitten durch Europa. Wer eine schwarze Katze auf einem Blatt deutet, muss die Herkunft kennen.
Geschlecht und Erotik
Die weibliche Konnotation zieht sich durch. Im Positiven wird die Katze zum Bild anmutiger, sinnlicher, eigenständiger Weiblichkeit; im Negativen zum Bild der falschen, lauernden, gefährlichen Frau. Beide Zuschreibungen sind zwei Seiten derselben Projektion und als solche zu benennen. Die englische Redewendung von der Frau als cat und der zänkischen catfight trägt die abwertende Seite bis in die Gegenwart.
8. Religiöse Verwendung
Ägypten
Die Katze ist göttlich (Bastet), Tempeltier, Votivmumie, Schutzmacht des Hauses. Das ist die höchste religiöse Stellung, die die Katze je erreicht hat, und sie steht am Anfang, nicht am Ende ihrer Geschichte.
Christentum
Ambivalent bis negativ. Die Katze hat keinen positiven Platz in der offiziellen Heilsikonografie; sie erscheint als Zeichen des Verrats (zu Füßen des Judas), der Wollust, der Häresie und der Hexerei. Die Legende, eine Katze habe im Stall von Bethlehem Junge geworfen oder das Jesuskind durch Schnurren beruhigt, und das daraus abgeleitete "M" in der Zeichnung der Getigerten (das die Jungfrau Maria zum Dank hinterlassen habe), ist frommes Volksgut ohne kirchliche Grundlage.
Die klösterliche Duldung als Mäusejägerin bildet die praktische Gegenlinie, die aber keine theologische Aufwertung war.
Islam
Deutlich positiver. Die Katze gilt als rein (im Gegensatz zum Hund), darf Wohnräume und Moscheen betreten, und ihr Speichel macht Wasser nicht unrein. Mehrere Überlieferungen verbinden den Propheten Mohammed mit Katzen; die bekannteste, wonach er den Ärmel abgeschnitten habe, um die darauf schlafende Katze Muizza nicht zu wecken, ist populär, aber quellenkritisch nicht gesichert. Gesichert ist die grundsätzlich wohlwollende Haltung; der Gefährte Abu Huraira, "Vater des Kätzchens", trägt seinen Beinamen von seiner Katzenliebe.
Buddhismus und ostasiatischer Volksglaube
Ambivalent. Eine bekannte Legende macht die Katze zu einem der Tiere, die beim Tod Buddhas nicht trauerten oder einschliefen, weshalb sie nicht unter die zwölf Tierkreiszeichen kam (Abschnitt 13). Zugleich schützt sie die Sutrenrollen und die Seidenraupen vor Mäusen und ist als Maneki-neko Glücksbringer. Die Bakeneko-Vorstellungen halten die unheimliche Seite präsent.
9. Verwendung in Kunst
| Werk | Datierung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Doppelgrab Mensch/Katze, Shillourokambos | um 7500 v. Chr. | ältester Beleg der Verbindung |
| Katze unter dem Stuhl, thebanische Gräber | Neues Reich | Häuslichkeit und Schutz |
| Bastet-Bronzen, Bubastis | 1. Jt. v. Chr. | die Katze als Göttin |
| Katze im Sündenfall, Dürer-Kupferstich | 1504 | gespannte Ordnung vor dem Fall |
| Leonardo, Katzenstudien | um 1513 | die Katze als Meisterwerk der Natur |
| Katze zu Füßen des Judas, Abendmahlsbilder | 15./16. Jh. | Verrat und Falschheit |
| niederländische Genrebilder (Steen, Leyster) | 17. Jh. | Beginn der Rehabilitierung |
| Manet, Olympia | 1863 | schwarze Katze als erotisches Zeichen |
| Steinlen, Le Chat Noir | 1896 | die Katze als modernes Wahrzeichen |
| Louis Wain, anthropomorphe Katzen | um 1890-1930 | das populäre Katzenbild |
| Foujita, Katzenbilder | 1920er ff. | die Katze der Klassischen Moderne |
| Balthus, Katze-Mädchen-Bilder | 1930er ff. | verstörende Ambivalenz |
Zur Technik
Die Katze ist im Kleinformat außergewöhnlich dankbar, aus einem bestimmten Grund: Ihre Silhouette ist unverwechselbar. Die sitzende Katze mit aufgerichtetem Schwanz, die schlafende Rundung, der Buckel, die gespitzten Ohren, all das ist noch auf wenige Millimeter reduzierbar und bleibt Katze. Kein anderes Tier dieser Reihe außer der Eule ist so silhouettensicher. Der Scherenschnitt ist geradezu das ideale Verfahren, und die schwarze Katze im Scherenschnitt oder als flächige Vignette ist ein für Kleingrafik perfekt geeignetes Motiv.
Für den Ausdruck ist die Haltung alles, weit mehr als beim Adler oder Greif. Eine Katze kann in einem einzigen Umriss Behagen, Lauern, Hochmut oder Zärtlichkeit ausdrücken; der Entwerfer arbeitet mit Körpersprache, nicht mit Attributen. Das macht sie anspruchsvoll trotz der einfachen Form.
Im Holzschnitt trägt die flächige schwarze Katze (Steinlen-Tradition), im Kupferstich und in der Kaltnadel das feine Fell, wenn die Strichlage der Fellrichtung folgt. Die leuchtenden Augen lassen sich in der dunkeltonigen Technik (Schabkunst, Aquatinta) besonders gut als ausgesparte Lichtpunkte setzen, was der nächtlichen Katze entgegenkommt.
Verwechslungsgefahr besteht kaum; die Katze ist ikonografisch eindeutig. Zu bedenken ist nur die Abgrenzung der Hauskatze von Löwe, Luchs und Tiger, die über Größe, Kontext und Mähne bzw. Ohrpinsel läuft.
10. Verwendung in Literatur
Antike und Mittelalter
Aesops Fabeln mit der listigen Katze. Ovids Anspielung auf Diana in Katzengestalt. Das altirische Pangur Bán (9. Jh.), der Mönch und seine weiße Katze. Die Tierepik des Reineke Fuchs mit dem Kater Hinze (frz. Tibert), der klugen, aber übel mitgespielten Nebenfigur, deren Name im Deutschen fast zum Gattungsnamen wurde.
Frühe Neuzeit
Straparola, Basile und Perrault mit dem Gestiefelten Kater (1697), der folgenreichsten literarischen Katze überhaupt. Montaignes berühmte Frage in den Essais: "Wenn ich mit meiner Katze spiele, wer weiß, ob nicht sie mehr mit mir ihren Zeitvertreib treibt als ich mit ihr?", eine der frühesten Reflexionen über die Eigenperspektive des Tieres. Christopher Smarts Jubilate Agno mit dem Kater Jeoffry.
19. Jahrhundert
E. T. A. Hoffmanns Lebensansichten des Katers Murr (1819-21), die Autobiografie eines gebildeten, selbstgefälligen Katers, satirisch und formal kühn ineinander verschachtelt mit einer zweiten Erzählung. Baudelaires Katzengedichte. Poes The Black Cat. Edward Lears The Owl and the Pussy-cat. Und die vielen Katzen der viktorianischen und russischen Literatur.
20. Jahrhundert
T. S. Eliots Old Possum's Book of Practical Cats (1939), die Vorlage des Musicals Cats, mit dem rätselhaften Macavity und der ganzen Katzengesellschaft als Menschentypen. Michail Bulgakows Der Meister und Margarita mit Behemoth, dem riesigen, sprechenden, wodkatrinkenden schwarzen Kater aus dem Gefolge des Teufels, eine der großen Katzenfiguren der Weltliteratur, die das alte Teufelsbild ironisch triumphieren lässt. Colettes Katzenprosa. Natsume Sōsekis Ich der Kater (1905), ein japanischer Gesellschaftsroman aus der Sicht einer Katze. Und Haruki Murakami, in dessen Werk die Katze immer wieder als Bote zwischen den Welten auftritt.
11. Verwendung auf Exlibris
Warum die Katze ins Bucheignerzeichen gehört
Die Katze hat eine engere, konkretere Bindung an das Buch als fast jedes andere Tier dieser Reihe, und zwar aus zwei ganz verschiedenen Gründen.
Der erste ist praktisch und alt: Die Katze schützt die Bücher. In Bibliotheken, Skriptorien und Klöstern hielt sie die Mäuse von Pergament, Papier und Einband fern. Der Bücherwurm und die Mäusefraßspuren sind reale Feinde jeder Sammlung, und die Katze war über Jahrhunderte ihr natürlicher Gegner. Eine Katze auf einem Exlibris ist damit, ähnlich wie der Greif, ein Wächter des Besitzes, aber ein häuslicher, konkreter, unheroischer. Sie bewacht nicht Gold, sondern Papier, und sie tut es nebenbei.
Der zweite ist bildlich und intim: Die Katze ist das Tier des Lesenden. Sie liegt auf dem Buch, auf dem Schoß, auf dem Schreibtisch, im Lichtkreis der Lampe. Der Leser sitzt still, die Katze auch. Von allen Haustieren ist die Katze die selbstverständliche Gefährtin der stillen, sitzenden, nächtlichen Beschäftigung, die das Lesen ist. Das altirische Pangur Bán hat diese Verbindung schon im 9. Jahrhundert auf den Punkt gebracht: der Gelehrte und seine Katze, jeder seiner Jagd nachgehend, in derselben stillen Kammer.
Diese zweite Bedeutung ist für ein Bucheignerzeichen fast konkurrenzlos passend, und sie ist im Exlibris entsprechend häufig, aber selten so gut gemacht, wie das Motiv es verdient.
Die schlafende Katze auf dem Buch
Der Kerntyp, und der schönste. Eine Katze, zusammengerollt oder ausgestreckt auf einem aufgeschlagenen oder gestapelten Buch. Die Aussage ist mehrschichtig und ganz ohne Text verständlich: Behagen, Häuslichkeit, die Katze als Herrin über das Buch (sie liegt darauf, sie besitzt es), und ein feiner Selbstbezug, denn der Sammler tut mit dem Buch, was die Katze tut, er ruht darin.
Für einen Bibliophilen, der seine Sammlung als Ort der Ruhe und nicht des Kampfes versteht, ist das der genauere Wächter als Greif oder Drache. Kein Schrecken, kein Feuer, nur ein Tier, das sich niederlässt, wo es sein will.
Pangur Bán, der Gelehrtentyp
Die Katze und der Studierende, nach dem Vorbild des altirischen Gedichts. Katze bei der Mäusejagd, Mensch bei der Buchjagd, beide in stiller Parallele. Für Gelehrte, Philologen, Mediävisten und für alle, die die Einsamkeit der Nachtarbeit teilen, ist das ein Motiv mit tiefer, unverbrauchter Referenz. Ein Schriftband mit einer Zeile aus Pangur Bán macht die Anspielung explizit, ohne sie zu erklären.
Das ergibt zugleich eine schöne Parallele und einen Gegensatz zur Eule (Studie Eule, Abschnitt 11): Die Eule ist der wachende Nachtvogel, die Katze der jagende Nachtgefährte. Wer beide Motive kennt, kann sie bewusst gegeneinandersetzen.
Die schwarze Katze, mit Vorsicht
Die schwarze Katze ist grafisch hervorragend (siehe Technik) und als Steinlen-Vignette eines der elegantesten Kleingrafikmotive überhaupt. Aber ihre Bedeutung ist geteilt: Glück in Britannien und Irland, Unglück auf dem Kontinent und in Nordamerika. Wer sie einsetzt, sollte die regionale Lesart des Eigners kennen, oder das Motiv bewusst als das kesse, moderne, großstädtische Zeichen der Chat-Noir-Tradition verwenden, das über der alten Ominösität steht.
Für einen Sammler des Unheimlichen, des Phantastischen, der Schauerliteratur ist die schwarze Katze in ihrer Poe-Bedeutung dagegen genau richtig, und dann darf und soll sie düster sein.
Die Freiheitskatze
Die antik-republikanische Bedeutung der Katze als Tier, das sich nicht zwingen lässt (Libertas), ist im Exlibris kaum genutzt und für den richtigen Eigner ausgezeichnet: für Unabhängige, Eigensinnige, für Sammler libertärer, freiheitlicher, nonkonformistischer Literatur. Die Katze, die niemandem gehorcht, als Zeichen des Geistes, der sich nicht vorschreiben lässt, was er liest. Devise etwa nach der Libertas-Tradition.
Der Gestiefelte Kater und die Fabelkatze
Für Sammler von Märchen, Fabeln und Kinderbüchern der redende Verweis auf den klugen, listigen, treuen Kater, der seinen Herrn durch Witz emporbringt. Ein heiteres, erzählerisches Motiv, das sich gut mit Stiefeln, Feder am Hut und Sack ausstatten lässt und zugleich die ganze Fabeltradition der überlegenen Katze aufruft.
Redendes Motiv
Die Namensbasis ist breit und über halb Europa verteilt, weil das Wort für die Katze überall ähnlich klingt.
Deutsch: Katz, Katze, Kater, Kätzel, Ketzer (Vorsicht, meist andere Herkunft), Mautz, Mauz, Muser (mundartlich für Mäusejäger). Und die Kosenamen-Ableitungen.
Romanisch: Gatto, Gatti, Gattai, Gatuso (italienisch), Gato, Gatell (spanisch, katalanisch), Chat, Lechat, Chatton, Chattard (französisch). Englisch: Catt, Catts, Chatt, Katt, und Tibbald/Theobald über den Fabelkater Tibert. Slawisch: Kot, Kotek, Kot-, Kocian (polnisch), Kočka, Kotal (tschechisch), Koshkin (russisch). Ungarisch: Macska. Griechisch: Gatos, Gatopoulos.
Für Bastet- und Ägyptenbezüge kommen thematische statt namentliche redende Blätter in Frage, für Sammler der Ägyptologie.
Der Bastet-Typ und der ägyptische Rückgriff
Für Ägyptologen, Sammler altorientalischer und ägyptischer Literatur ist die sitzende ägyptische Katze im Stil der Bastet-Bronzen ein präzises und würdevolles Motiv, das zugleich an die höchste Stellung erinnert, die die Katze je innehatte. Streng, frontal, mit Ohrringen und Skarabäus, wie die Vorbilder. Ein bewusster Gegenentwurf zur verniedlichten modernen Katze.
Handwerkliches
Die Silhouette ist der größte Verbündete. Für sehr kleine Formate die sitzende oder schlafende Katze als geschlossene Fläche anlegen; sie trägt bis unter 15 Millimeter. Der Scherenschnitt und die flächige schwarze Vignette sind die formatsichersten Lösungen der ganzen Motivreihe.
Die Haltung ist der Ausdrucksträger, nicht das Attribut. Vor dem Entwurf entscheiden, welche Katze gemeint ist, die behagliche, die lauernde, die hochmütige, die zärtliche, und die ganze Körpersprache darauf ausrichten.
Die Augen in der Nachtkatze als ausgesparte Lichtpunkte setzen; in dunkeltonigen Techniken (Schabkunst, Aquatinta) ist das der stärkste Effekt.
Bei der schwarzen Katze die regionale Bedeutung bedenken. Bei der ägyptischen Katze die Strenge der Vorbilder respektieren und nicht ins Niedliche abgleiten.
Devisen
Für die verschiedenen Typen:
Cattus amat piscem sed non vult tingere plantam — die Katze mag den Fisch, will aber die Pfote nicht nass machen; das mittelalterliche Sprichwort von der Katze, die den Gewinn ohne Mühe will, für ein selbstironisches Blatt.
Libertas oder nulli iugo (keinem Joch) für die Freiheitskatze.
Mus tibi non nocebit — die Maus wird dir nicht schaden, für die bücherschützende Katze; leicht augenzwinkernd.
Nocte vigilat — bei Nacht wacht sie, für die Lesekatze, in Parallele zur Eulendevise.
Vidi, tetigi, cepi — variiert nach Caesar, für die Jägerin (als Neubildung zu kennzeichnen).
Aus Pangur Bán lässt sich eine Zeile als Schriftband übernehmen, in altirischer oder übersetzter Form, für den Gelehrtentyp die schönste Lösung.
Als weitere Neubildungen zu kennzeichnen: In libris quies (in den Büchern ist Ruhe), für die schlafende Katze auf dem Buch, und Sibi soli paret (sie gehorcht nur sich selbst).
Wo man suchen kann
Die bekannten Adressen: Museum Schloss Burgk an der Saale mit über 200.000 Blättern (Stand Juni 2025), Grundstock die 1981 übereignete Sammlung Heinicke; Bestände mit Zettelkatalogen nach Künstlern, Eignern und Motiven; das Internationale Exlibriszentrum Sint-Niklaas, das Kunstmuseum Frederikshavn, das Klingspor-Museum Offenbach, das Gutenberg-Museum Mainz, die ÖNB Wien, E-Pics "Ex meis libris" der ETH-Bibliothek Zürich, und für die künstlerbezogene Suche die DEG-Werklisten.
Ein Hinweis zur Trefferdichte: Die Katze ist ein sehr häufiges Exlibris-Motiv, besonders auf Blättern von und für Frauen, Schriftsteller und Künstler. Eine reine Motivsuche liefert deshalb große Mengen. Sinnvoll ist die Suche nach Kombinationen, Katze und Buch, Katze und Lampe, Katze und Mond, sowie die gezielte Recherche in den zahlreichen thematischen Katzen-Exlibris-Sammlungen und -Ausstellungskatalogen, die es zu diesem beliebten Motiv gibt.
12. Bekannte Künstler
Exlibris und Buchgrafik
Bei der Katze ist die Lage anders als beim Greif oder Adler: Nicht die Heraldiker, sondern die Symbolisten, Jugendstilkünstler und die Tierzeichner führen.
Théophile Steinlen (1859-1923) ist die erste Referenz, auch wenn er mehr Plakat- als Exlibriskünstler war; seine Katzenbilder prägen das ganze Motiv und stehen hinter unzähligen Exlibris-Katzen.
Michel Fingesten für die Katze im symbolistisch-erotischen und im makabren Register. Alfred Cossmann für die feine allegorische Katze im Kupferstich. Marcus Behmer für die an Beardsley geschulte Linie. Heinrich Vogeler und Emil Orlik, letzterer auch für die ostasiatisch beeinflusste Katze.
Für die zärtliche, moderne Katze Tsuguharu Foujita, dessen Katzenblätter und -bücher weltberühmt wurden und der auch Exlibris und Kleingrafik schuf. Aus der britischen Tradition die Nachfolger Louis Wains und die Tierillustratoren des Jugendstils.
Für die Nachkriegszeit und die osteuropäische Kleingrafik, in der die Katze ein Lieblingsmotiv ist, eine ganze Reihe von Kaltnadel- und Holzschnittspezialisten; Mark Severin und Gerard Gaudaen in Belgien, und viele tschechische, polnische und baltische Grafiker, bei denen die Katze häufig vorkommt.
Die Liste ist indikativ; die tatsächlichen Vorkommen sind über die DEG-Werklisten und Motivkataloge im Einzelfall zu prüfen. Bei der Katze ist die Trefferdichte besonders hoch.
Freie Kunst
Die anonymen Meister der ägyptischen Katzenbronzen. Leonardo da Vinci mit den Katzenstudien. Albrecht Dürer. Die niederländischen Genremaler Jan Steen und Judith Leyster. Édouard Manet. Pierre-Auguste Renoir und Pierre Bonnard. Théophile Steinlen. Tsuguharu Foujita. Balthus. Pablo Picasso. Und in der ostasiatischen Kunst die großen Katzenmaler, in Japan besonders Utagawa Kuniyoshi, der als leidenschaftlicher Katzenfreund unzählige Katzenbilder und Katzenkarikaturen schuf.
13. Interessante Anekdoten
Die Katze, die zu spät kam. Nach einer verbreiteten ostasiatischen Legende fehlt die Katze unter den zwölf Tierkreiszeichen, weil die Ratte sie überlistete: Sie habe der Katze das falsche Datum des Wettlaufs genannt oder sie unterwegs vom Ochsenrücken ins Wasser gestoßen. Seither jage die Katze die Ratte. In Vietnam allerdings gibt es die Katze im Tierkreis, an der Stelle, die anderswo der Hase einnimmt, ein schönes Beispiel dafür, dass selbst der Tierkreis kulturell verhandelbar ist.
Der Ärmel des Propheten. Die bekannteste islamische Katzengeschichte erzählt, Mohammed habe lieber den Ärmel seines Gewandes abgeschnitten, als die darauf schlafende Katze Muizza zu wecken, bevor er zum Gebet aufstand. Die Geschichte ist populär und wird oft erzählt, ist aber in den frühen Quellen nicht sicher belegt. Verlässlich ist nur die grundsätzlich freundliche Haltung des Islam zur Katze und der Beiname Abu Hurairas, des "Vaters des Kätzchens".
Das große Katzenmassaker. Der Historiker Robert Darnton eröffnete 1984 seine einflussreiche Studie The Great Cat Massacre mit einer verstörenden Szene: Pariser Druckergesellen der 1730er Jahre veranstalteten ein groteskes Katzentöten, halb Karneval, halb Aufstand gegen ihren Meister, dessen Frau eine Lieblingskatze hielt. Für die Gesellen war es der größte Spaß; für den heutigen Leser ist es kaum erträglich. Darnton nahm es zum Anlass zu zeigen, wie fremd uns die Mentalität einer nahen Vergangenheit sein kann.
Der Kater aus dem Irrenhaus. Christopher Smart schrieb um 1760 im Jubilate Agno, während er in einer Anstalt eingesperrt war, eine der schönsten Katzenpassagen der Weltliteratur über seinen Kater Jeoffry, "denn er ist der Diener des lebendigen Gottes, ihn recht und täglich zu preisen". Das ekstatische Lob eines einzelnen Katers, Zeile für Zeile, gehört zum Bewegendsten, was je über ein Tier geschrieben wurde.
Katzen als Bibliotheksangestellte. Die Tradition der Bibliotheks- und Museumskatze ist bis in die Gegenwart lebendig. Der Hermitage in St. Petersburg hält seit dem 18. Jahrhundert Katzen gegen Mäuse und beschäftigt sie bis heute offiziell; sie haben eine eigene Presseabteilung und einen Feiertag. Die praktische Bücherwächterin des Mittelalters ist nie ganz verschwunden.
Das M der Maria. Das "M"-förmige Muster auf der Stirn getigerter Katzen wird in einer christlichen Legende als Dank der Jungfrau Maria erklärt, deren Kind eine Katze im Stall gewärmt oder beruhigt habe; in einer islamischen Parallele stammt es von der streichelnden Hand des Propheten. Beides ist frommes Volksgut zu einem schlicht genetischen Fellmuster, aber es zeigt, wie beide Religionen die Katze mit einer eigenen Ehrenlegende bedachten.
14. Irrtümer
Die Katze war in Europa immer entweder verehrt oder gefürchtet.
Der Grundirrtum. Die europäische Katze durchlief drei scharf getrennte Phasen: geschätzt in der Antike, verteufelt im Mittelalter und der frühen Neuzeit, rehabilitiert ab dem 18. Jahrhundert. Wer ein Katzenmotiv deutet, ohne zu fragen, aus welcher Phase es stammt, deutet meist falsch. Es gibt keine durchgehende, gleichbleibende Katzensymbolik.
Papst Gregor IX. befahl in Vox in Rama die Ausrottung der Katzen. Übertrieben. Die Bulle von 1233 beschreibt die schwarze Katze als Teufelserscheinung bei ketzerischen Riten, enthält aber keinen Tötungsbefehl. Wie unmittelbar sie zu Katzenverfolgungen führte, ist in der Forschung umstritten; manche sehen einen starken, andere einen geringen realen Effekt. Als symbolischer Auftakt der Dämonisierung ist sie wichtig, als Ausrottungsbefehl ist sie überinterpretiert.
Die Katzentötungen verschlimmerten die Pest, weil die Mäusejäger fehlten. Eine beliebte, aber unbelegte Kausalkette. Sie klingt plausibel, scheitert aber an mehreren Punkten: Die Pest wurde primär über Rattenflöhe und wahrscheinlich auch von Mensch zu Mensch übertragen, die Katzenverfolgung war regional und zeitlich ungleich, und ein direkter Zusammenhang zwischen Katzenzahl und Pestverlauf ist nirgends nachgewiesen. Eine gute Geschichte, aber Geschichtsklitterung.
In Ägypten war die Katze ausnahmslos heilig und geschützt. Nur zum Teil. Die Verehrung war real, aber Millionen von Katzen wurden gezielt für den Mumienhandel gezüchtet und jung getötet, um als Votivgaben an Bastet verkauft zu werden. Röntgenuntersuchungen von Katzenmumien zeigen oft junge, mit gebrochenem Genick getötete Tiere. Heiligkeit und massenhafte rituelle Tötung schlossen sich nicht aus.
Schwarze Katzen bringen Unglück. Regional. In Großbritannien und Irland bringen sie Glück, auf dem Kontinent und in Nordamerika Unglück. Es gibt keine universale Bedeutung der schwarzen Katze, nur zwei entgegengesetzte regionale Traditionen.
Katzen haben neun Leben, und das ist eine uralte universale Vorstellung. Die Zahl variiert kulturell: neun im englischen und weiten europäischen Raum, in einigen Regionen sieben, in anderen sechs. Die Vorstellung von der Zählebigkeit der Katze ist alt und weit verbreitet, die konkrete Zahl aber ist es nicht.
Die Geschichte vom abgeschnittenen Ärmel des Propheten ist historisch belegt. Sie ist populär, aber in den frühen und verlässlichen Quellen nicht gesichert. Belegt ist die grundsätzlich positive Haltung des Islam zur Katze, nicht diese spezielle Anekdote.
Das M auf der Stirn der Tigerkatze ist ein Marien- oder Prophetenzeichen. Es ist ein genetisch bedingtes Fellmuster der getigerten Zeichnung (Tabby). Die frommen Legenden, christlich wie islamisch, sind nachträgliche Deutungen eines natürlichen Merkmals.
Die Katze kam wegen des Menschen zum Menschen. Eher umgekehrt. Sie folgte den Mäusen in die Vorratslager und domestizierte sich weitgehend selbst. Dieses selbstbestimmte, halb geduldete Verhältnis unterscheidet sie grundlegend vom Hund und ist die Wurzel ihrer Symbolik der Unabhängigkeit.
Bastet war schon immer eine Katze. Ursprünglich war sie löwengestaltig und trug die gefährlichen Züge einer Löwengöttin. Erst im Lauf des ersten Jahrtausends v. Chr. wird sie überwiegend als Hauskatze oder katzenköpfig dargestellt, milder und häuslicher. Die Katzengestalt ist das Ergebnis einer Entwicklung, nicht der Ausgangspunkt.
Alle Kulturen kennen die Katze als Haustier seit Urzeiten. Nein. Die Verbreitung der Hauskatze verlief spät und ungleich, ausgehend vom Nahen Osten und Ägypten, in Europa erst mit der römischen Zeit flächendeckend, in Teilen Ostasiens noch später. Der scheinbar selbstverständliche Weltbürger unter den Haustieren ist ein relativ später Ankömmling in vielen Regionen.
15. Quellen
Übergreifende Darstellungen
Donald W. Engels: Classical Cats. The Rise and Fall of the Sacred Cat, London 1999, zur antiken und ägyptischen Katze.
Robert Darnton: The Great Cat Massacre and Other Episodes in French Cultural History, New York 1984 (dt. Das große Katzenmassaker), mentalitätsgeschichtlich grundlegend zur frühneuzeitlichen Gewalt gegen Katzen.
Katharine M. Rogers: The Cat and the Human Imagination, Ann Arbor 1998, breit angelegt zur Kultur- und Symbolgeschichte.
Christoph Daxelmüller und die volkskundliche Literatur zum Hexenglauben, für die mittelalterliche Dämonisierung.
Carlos Driscoll u. a.: "The Near Eastern Origin of Cat Domestication", Science 2007, und die nachfolgende genetische Literatur zur Domestikation.
Nachschlagewerke
Reallexikon für Antike und Christentum (RAC), Art. "Katze". Lexikon der christlichen Ikonographie (LCI), Art. "Katze". Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (HdA), Art. "Katze", die maßgebliche Materialsammlung zum Volksglauben. Chevalier und Gheerbrant, Dictionnaire des symboles. Manfred Lurker: Wörterbuch der Symbolik, Kröner.
Ägypten
Jaromir Malek: The Cat in Ancient Egypt, London 1993, das Standardwerk. Dazu die Literatur zu Bastet, Bubastis und den Katzenmumien, einschließlich der neueren bildgebenden Untersuchungen an Tiermumien.
Antike und Mittelalter
Herodot, Historien II (Bastet-Fest, Katzenrettung beim Brand). Diodor. Aesops Fabeln. Pangur Bán, im altirischen Original und in den Übersetzungen (u. a. von Robin Flower und Seamus Heaney). Die Bulle Vox in Rama (1233) in den einschlägigen Editionen und die kontroverse Forschungsliteratur zu ihrer Wirkung. Die Tierepik-Ausgaben zu Reynaert/Reineke.
Frühe Neuzeit und Moderne
Charles Perrault, Histoires ou contes du temps passé (1697). Michel de Montaigne, Essais II,12. Christopher Smart, Jubilate Agno. E. T. A. Hoffmann, Lebensansichten des Katers Murr. Charles Baudelaire, Les Fleurs du mal. Edgar Allan Poe, The Black Cat. T. S. Eliot, Old Possum's Book of Practical Cats. Michail Bulgakow, Der Meister und Margarita. Natsume Sōseki, Ich der Kater.
Zu Steinlen und Le Chat Noir die Literatur zum Montmartre-Kabarett und zur Plakatkunst. Zu Louis Wain die kunst- und medizingeschichtliche Literatur. Zu Foujita, Balthus und Kuniyoshi die jeweiligen Werkkataloge.
Japan und Ostasien
Zur Maneki-neko, Bakeneko und zum Tierkreis die Literatur zum japanischen und chinesischen Volksglauben; U. A. Casal und neuere Arbeiten zur japanischen Tiersymbolik.
Exlibris
Walter von zur Westen: Exlibris (Bucheignerzeichen), Bielefeld und Leipzig 1901, 2. Aufl. 1909. Norbert H. Ott: Exlibris. Zur Geschichte ihrer Motive, ihrer Gestaltungsformen und ihrer Techniken. Gernot Blum: Michel Fingesten. Das Gesamtwerk der Exlibris, 1987. Hans Ankwicz-Kleehoven: Alfred Cossmann und sein Werk, Wien 1924.
Zur Katze als Exlibris-Motiv gibt es wegen ihrer Beliebtheit zahlreiche thematische Sammlungen und Ausstellungskataloge; die einschlägigen Katzen-Exlibris-Zusammenstellungen sind über die DEG und die FISAE-Literatur zu ermitteln.
Jahrbuch der Deutschen Exlibris-Gesellschaft, fortlaufend, dazu das DEG-Magazin und das PDF-Archiv der Mitteilungen. DEG-Werklisten unter https://exlibris-deg.de/exlibris-werklisten/ und das Verzeichnis öffentlicher Bestände unter https://exlibris-deg.de/weitere-exlibris-archive/. FISAE-Kongressbände. E-Pics "Ex meis libris" der ETH-Bibliothek Zürich.
Zur Belastbarkeit: Auflagen, Erscheinungsjahre und Seitenzahlen sollten vor einer Publikation am Original oder im Bibliothekskatalog geprüft werden. Als strittig oder offen gekennzeichnet sind vor allem die reale Wirkung der Bulle Vox in Rama, der behauptete Zusammenhang von Katzentötung und Pest, die Beleglage der Prophetenanekdote und die Frühdatierung der Mensch-Katze-Bindung auf Zypern.
Ex Libris Katze auf Bücherregal
- Hersteller EXLIBRIS INSEL
- Artikelnr. el_ka-bue
- Verfügbarkeit Lagernd
-
120,00€ *
- Netto 100,84€
- Steuer 19,16€
Mögliche Optionen
Ähnliche Produkte
Ex Libris Katze
Ex Libris Katze♥ Ein Ex Libris Motiv aus dem Bereich Tiere. Sie können dieses Ex Libris im Text ..
84,00€ * Netto 70,59€
Ex Libris Katze Silhouette
Ex Libris Katze und Silhouette♥ Ein Ex Libris Motiv aus dem Bereich Tiere. Sie können dieses Ex Li..
84,00€ * Netto 70,59€
Ex Libris Katze Montmartre
Ex Libris "Die schwarze Katze"♥ Ein Ex Libris Motiv aus dem Bereich Tiere und Symbolik. Diese Da..
120,00€ * Netto 100,84€
Ex Libris Katze mit Pfeife
Ex Libris Katze mit Pfeife♥ Ein Ex Libris Motiv aus dem Bereich Tiere und Symbolik. Diese D..
120,00€ * Netto 100,84€
Ex Libris Katze vor Fenster
Ex Libris Katze vor Fenster♥ Ein Ex Libris Motiv aus dem Bereich Tiere. Sie können dieses Ex Libri..
120,00€ * Netto 100,84€
Ex Libris Frau mit Schriftrolle
Ex Libris Frau mit Schriftrolle ♥ Ein Ex Libris Motiv aus dem Bereich Jugendstil und Symbolik..
99,96€ * Netto 84,00€
Ex Libris Katze vor Bücherregal
Ex Libris Katze vor Bücherregal ♥ Ein Ex Libris Motiv aus dem Bereich Tiere und Symbolik. Sie..
120,00€ * Netto 100,84€
Ex Libris Bücher auf Stapel
Ex Libris Bücher im Stapel mit Brille und Teetasse ♥ Ein Ex Libris Motiv aus dem Bereich Buch..
120,00€ * Netto 100,84€
Ex Libris Katze auf Bücherstapel
Ex Libris Buch und Katze ♥ Ein Ex Libris Motiv aus dem Bereich Buch und Katzen. Übrigens gibt..
120,00€ * Netto 100,84€
Skulptur rauchende Katze
Replik einer Katze mit Zigarette aus der Kollektion von Senatori ♥ Kunstobjekt Großstadtk..
135,00€ * Netto 113,45€
Skulptur Figur Buddha
Replik Buddha Figur Feng Shui Gartenskulptur Zen Garten Statue ♥ BUDDHA IM MEDITATIONSSIT..
80,00€ * Netto 67,23€
Schnellsuche ex libris, stempel, tiere, katzen, katze, bücher, buch, buchregal



























