Ex Libris Symbol Phönix


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Kulturgeschichte des Phönix: Der Phönix aus dem Buch Symbolforschung - Eine kultur- und kunsthistorische Symbolstudie

Vorbemerkung

Zwei Dinge sollte man wissen, bevor man mit diesem Motiv arbeitet.

Der Phönix ist ein Textwesen. Beim Greif gibt es fünftausend Jahre Bilder, bevor jemand etwas aufschreibt; beim Phönix ist es umgekehrt. Seine Geschichte ist eine Kette von Autoren, die voneinander abschreiben, sich widersprechen und dabei den Vogel Stück für Stück umbauen. Hesiod, Herodot, Ovid, Plinius, Tacitus, Clemens, Laktanz, Physiologus. Die Bilder kommen hinterher und folgen dem jeweils gültigen Text.

Und dann das Zweite, das für die deutsche Redewendung unangenehm ist: Die Asche ist der jüngste Bestandteil der ganzen Überlieferung. Bei Herodot verbrennt nichts. Bei Ovid verbrennt nichts. Bei Plinius wächst aus dem Kadaver ein Wurm. Der Scheiterhaufen, das Feuer und die Asche setzen sich erst in der lateinischen Spätantike durch, ungefähr um 300 nach Christus. Ausgerechnet das Element, das die Redensart im Namen führt, fehlt in den ältesten Quellen vollständig.

Wer den Phönix ernsthaft behandelt, behandelt also nicht ein Symbol, sondern dessen Umbaugeschichte. Das ist kein Mangel. Es ist bei diesem Motiv der eigentliche Gegenstand.

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## 1. Ursprung

### Kein Ursprungsort, sondern eine Kreuzung

Der Phönix hat mehrere Zuflüsse, die sich in hellenistischer Zeit treffen.

Aus Ägypten kommt der **Bennu**, der Reiher von Heliopolis. Er sitzt auf dem Urhügel, ist mit Atum und Re verbunden, mit dem Benben-Stein und mit der Nilschwemme. Entscheidend: Der Bennu ist ein Vogel, der sich **selbst hervorbringt**, nicht einer, der sich verbrennt. Er steht für Schöpfung und für den Wiederbeginn eines Zyklus. Feuer spielt keine Rolle.

Aus Griechenland kommt das Interesse an sehr langlebigen Tieren und an der Frage, wie sich große Zeitspannen messen lassen. Hesiod führt den Phönix in einer Kette von Lebensdauern auf, in der Krähe, Hirsch, Rabe und Nymphe gestaffelt sind.

Aus dem ägyptischen Kalenderwesen kommt der Zyklusgedanke. Tacitus notiert, dass man sich über das Intervall nicht einig war: fünfhundert Jahre sagen die einen, 1461 die anderen. Die zweite Zahl ist die Sothis-Periode, nach der sich der ägyptische Wandeljahr-Kalender wieder mit dem Sonnenjahr deckt.

Daraus folgt etwas, das oft übersehen wird. **Die ältere Schicht des Phönix ist nicht die Auferstehung, sondern die Zeitmessung.** Der Vogel ist eine Uhr. Sein Erscheinen markiert den Abschluss eines Großen Jahres. Die Wiedergeburt kommt erst später in den Vordergrund, und das Feuer noch später.

### Das Wort und seine Fallstricke

Griechisch φοῖνιξ bedeutet mindestens fünf Dinge: den Vogel, die Farbe Purpurrot und den daraus gewonnenen Farbstoff, die Dattelpalme, einen Phöniker und ein Saiteninstrument.

Diese Mehrdeutigkeit ist folgenreich. Sie erklärt, warum der Phönix in einer Palme nistet, warum die Palme selbst zum Auferstehungszeichen wird, und sie hat mindestens eine theologische Auslegungstradition erzeugt, die auf einem Wortspiel beruht (dazu Abschnitt 4). Welche Bedeutung die ursprüngliche ist, ist umstritten; für die Symbolarbeit muss man nur wissen, dass Palme und Vogel im Griechischen dasselbe Wort sind und in der Bildtradition entsprechend eng beieinanderliegen.

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## 2. Früheste archäologische Belege

### Ägypten

Der Bennu ist seit den Pyramidentexten fassbar und wird in den Sargtexten und im Totenbuch häufig genannt. Spruch 83 des Totenbuchs lässt den Toten sagen, er sei zum Bennu geworden; die Sprüche 13 und 17 gehören in denselben Zusammenhang.

Bildlich erscheint er als Reiher, meist mit zwei langen Kopffedern, oft auf dem Benben oder auf einem Schrein stehend. Zoologisch dürfte der Graureiher Pate gestanden haben; diskutiert wurde auch eine größere, heute ausgestorbene Art. Der Bennu erscheint auf Papyri, Sarkophagen und Grabwänden vom Neuen Reich an regelmäßig.

Er brennt nie.

### Griechenland

Hier ist die Beleglage dünn und literarisch. Der Hesiod-Vers ist nur als Fragment über Plutarch erhalten. Die erste ausführliche Beschreibung steht bei Herodot (II,73), und sie verdient genaue Lektüre, weil sie fast alles enthält, was später verändert wird.

Herodot berichtet, was die Priester von Heliopolis erzählen. Der Vogel komme alle fünfhundert Jahre, wenn sein Vater gestorben sei. Er forme aus Myrrhe ein Ei, höhle es aus, lege den Leichnam hinein, verschließe es und trage es zum Sonnentempel nach Heliopolis. Herodot fügt hinzu, er habe den Vogel nur auf Bildern gesehen, und die Geschichte scheine ihm nicht glaubhaft.

Kein Feuer. Kein Scheiterhaufen. Keine Asche. Ein Bestattungsvorgang, kein Verbrennungsvorgang.

### Rom, und zwar auf Münzen

Der wichtigste archäologische Bestand zum Phönix ist numismatisch. Auf römischen Reichsprägungen erscheint er als nimbierter Vogel, häufig auf einer Weltkugel stehend, mit Legenden wie AETERNITAS oder SAECVLVM NOVVM. Belegt unter anderem bei Hadrian, Antoninus Pius, Konstantin und Konstans.

Damit ist der Phönix ein offizielles Staatszeichen des Römischen Reiches für Ewigkeit und Erneuerung der Herrschaft. Für die Wirkungsgeschichte ist das wichtiger als jede literarische Stelle: Über die Münzen war der Vogel im gesamten Reich präsent, und über die Münzen ging er in die spätantike und mittelalterliche Bildsprache über.

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## 3. Antike

### Die Quellen und ihre Abweichungen

Es lohnt, die Hauptzeugen nebeneinanderzustellen, weil die Unterschiede die eigentliche Geschichte erzählen.

**Herodot** (5. Jh. v. Chr.): Myrrhe-Ei, Transport des Vaters nach Heliopolis, fünfhundert Jahre, ausdrückliche Skepsis des Autors.

**Ovid**, *Metamorphosen* XV: Der Vogel baut sich in einer Palme ein Nest aus Zimt, Narde und Myrrhe, stirbt darin an Altersschwäche, und aus dem Leib des Vaters entsteht der junge Phönix, der das Nest nach Heliopolis trägt. Immer noch kein Feuer.

**Plinius**, *Naturalis historia* X: Er beruft sich auf Manilius, nennt 540 Jahre und beschreibt eine dritte Variante. Aus Knochen und Mark des toten Vogels entsteht zunächst eine Made, daraus ein Küken, daraus der Phönix. Die sogenannte Wurmversion, die für die christliche Rezeption bedeutsam wird.

**Tacitus**, *Annalen* VI,28: Anlässlich einer angeblichen Sichtung im Jahr 34 referiert er die Überlieferung, hält die Zahlenangaben auseinander und bleibt distanziert.

**Laktanz** zugeschrieben, *De ave phoenice* (um 300): Hier ist alles beisammen. Der Vogel sammelt Gewürze, schichtet sie auf, die Sonnenhitze entzündet den Haufen, er verbrennt, und aus dem Rückstand bildet sich neues Leben. Das älteste ausführliche Feuer-Gedicht, und die Fassung, die unsere Redewendung trägt.

**Claudian** (um 400) schreibt ein eigenes Phönix-Gedicht in derselben Tradition.

Dazu kommen Aelian, Philostratos und ein bemerkenswert detailreicher Abschnitt bei Achilleus Tatios, in dem ägyptische Priester den angelieferten Vogel förmlich begutachten.

### Der Phönix von 47

Unter Claudius wurde im Jahr 47, zur achthundertsten Wiederkehr der Stadtgründung, im Comitium ein Phönix ausgestellt. Plinius erwähnt es und fügt hinzu, dass niemand daran zweifelte, dass es sich um eine Fälschung handelte.

Das ist symbolgeschichtlich aufschlussreicher als jede Sichtungsmeldung. Der Staat brauchte für ein Jubiläum das Zeichen der erneuerten Zeit, beschaffte es, stellte es aus, und alle Beteiligten wussten Bescheid. Das Symbol funktionierte trotzdem.

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## 4. Mittelalter

### Die früheste christliche Verwendung

Sie ist erstaunlich früh. Der **erste Clemensbrief** (um 96) führt den Phönix als Beweis für die Auferstehung der Toten an, und zwar in der Wurmversion des Plinius. Damit ist der Phönix rund ein Jahrhundert nach der Kreuzigung bereits christliches Argumentationsmaterial.

Tertullian greift das in *De resurrectione carnis* auf. Hier kommt die Wortmehrdeutigkeit ins Spiel: Ps 92,13 heißt in der lateinischen Fassung *iustus ut palma florebit*, "der Gerechte wird blühen wie die Palme". Das griechische Wort dahinter ist *phoinix* und bedeutet ebenso gut den Vogel. Aus dieser Ambiguität ist eine ganze Auslegungslinie entstanden, die die Stelle auf den Vogel bezieht.

Nicht alle Kirchenväter machten mit. Augustinus behandelt den Phönix zurückhaltend, andere lehnten das Beweisargument ab. Der Phönix als Auferstehungsbeleg war umstritten, und man sollte ihn nicht als einhellige Lehrmeinung darstellen.

### Physiologus und Bestiarien

Der Physiologus macht den Vogel endgültig zum Christussymbol und fügt das entscheidende christliche Detail hinzu: Der Phönix erhebt sich **am dritten Tag**. Die Angleichung an Ostern ist damit vollzogen. Als Schriftanker dient Joh 10,18, die Vollmacht, das Leben zu lassen und wieder zu nehmen.

Über die Bestiarien verbreitet sich diese Fassung durch das gesamte lateinische Mittelalter. Sie ist der Grund, warum der Phönix in Apsismosaiken, auf Sarkophagen und in Osterzusammenhängen erscheint.

### Das altenglische Phönix-Gedicht

Im Exeter Book steht eine rund siebenhundert Zeilen lange altenglische Dichtung über den Phönix, gestützt auf Laktanz und dann allegorisch weitergeführt. Sie gehört zum Besten, was das Mittelalter zu diesem Motiv hervorgebracht hat, und wird in Symbolstudien fast nie erwähnt.

### Heraldik

Der Phönix ist Wappentier, aber mit einer harten Formregel: Er wird **niemals vollständig** dargestellt. In der englischen Heraldik erscheint er stets als halber Vogel, der aus Flammen aufsteigt, und die deutsche Praxis folgt dem weitgehend.

Das ist keine Willkür. Ein Phönix ohne Flammen wäre ein Adler; erst die Flammen machen ihn kenntlich, und ein ganzer Vogel über den Flammen sähe aus, als säße er darüber statt daraus hervorzugehen. Die Halbfigur löst beides. Wer heute einen Phönix zeichnet, sollte diese Regel kennen, bevor er sie bricht.

### Alchemie

Hier hat der Phönix eine sehr präzise Stelle. Das Große Werk durchläuft Farbstufen, und diesen sind Vögel zugeordnet: der Rabe für die *nigredo*, der Schwan für die *albedo*, der Pfau für die schillernde Zwischenphase, der Pelikan für die Nährstufe, und der **Phönix für die *rubedo***, den roten Abschluss.

Der alchemistische Phönix bedeutet also nicht Wiedergeburt im allgemeinen Sinn, sondern die **Vollendung**. Das Bildvokabular ist in der Ripley-Rolle und bei Michael Maier ausgearbeitet. Für hermetische Sammlerblätter ist das eine exakte Angabe und kein dekorativer Vogel.

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## 5. Renaissance

### Der Phönix bedeutet nicht Wiedergeburt, sondern Einzigartigkeit

Das ist die wichtigste Korrektur zu diesem Zeitraum. In der Emblematik und in der Impresenkunst des 16. Jahrhunderts steht der Phönix ganz überwiegend für *unica*, für das Einzige seiner Art. Es gibt immer nur einen Phönix, nie zwei gleichzeitig.

Die geläufige Devise dazu lautet *unica semper avis*. Sie erscheint in Emblembüchern, auf Medaillen und in Widmungen und meint: unvergleichlich, ohnegleichen, nicht wiederholbar.

Erst danach, und deutlich seltener, kommt die Auferstehungsbedeutung.

### Elisabeth I.

Die berühmteste Anwendung. Elisabeth führte den Phönix als persönliches Zeichen; erhalten sind das sogenannte Phoenix Jewel im British Museum und das Phoenix-Porträt in der National Portrait Gallery, benannt nach dem Phönix-Anhänger, den die Königin darauf trägt.

Die Aussage ist doppelt. Zum einen die Einzigartigkeit der unverheirateten Herrscherin, zum anderen die dynastische Erneuerung: Das Zeichen war bereits von ihrer Mutter beziehungsweise im Tudor-Umfeld geführt worden und behauptet Kontinuität über den Tod hinaus. Ein Symbol, das gleichzeitig Ausnahme und Fortsetzung bedeutet.

### Emblembücher und Druckermarken

Alciato, Paradin in den *Devises héroïques*, Camerarius und ihre Nachfolger bearbeiten den Phönix ausgiebig. Petrarca hatte ihn bereits auf Laura angewandt, und die Liebeslyrik nutzt ihn für die Konstanz, die sich am eigenen Feuer verzehrt und erneuert.

Mehrere Drucker des 16. Jahrhunderts führten ihn als Signet. Die Passung ist offensichtlich: Ein Verlag behauptet damit, dass die Texte, die er druckt, ihre Autoren überleben. Das ist zugleich die naheliegendste Brücke zum Exlibris.

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## 6. Moderne

### Wiederaufbau

Im 19. und 20. Jahrhundert wird der Phönix zum Standardzeichen wiederaufgebauter Städte. Am klarsten dokumentiert ist Atlanta, dessen Siegel nach der Zerstörung im Bürgerkrieg einen Phönix mit dem Motto *Resurgens* führt. San Francisco führt ihn nach den Bränden des 19. Jahrhunderts im Wappen, und nach 1906 gewinnt er dort zusätzliches Gewicht. Die Stadt Phoenix in Arizona verdankt ihren Namen einer verwandten, aber eigenen Überlegung: Sie wurde auf den Kanalanlagen einer untergegangenen Hohokam-Siedlung errichtet.

Für den deutschsprachigen Raum gehört das Bild nach 1945 in den Bestand der Wiederaufbaurhetorik. Hier ist eine Vorsicht angebracht, die man aussprechen sollte: Die Formel "wie Phönix aus der Asche" lässt offen, wodurch die Asche entstanden ist. Als Symbolbeschreibung ist sie brauchbar, als Geschichtsdeutung verdeckt sie mehr, als sie erklärt.

### Griechenland

Zwei Verwendungen, die nicht zusammengehören und doch dasselbe Zeichen benutzen.

Der Phönix war Symbol des griechischen Unabhängigkeitskampfes und gab der ersten Währung des neuen Staates ihren Namen; die 1828 unter Kapodistrias eingeführte Münze hieß Phönix.

Und die Militärjunta von 1967 bis 1974 führte einen aus Flammen aufsteigenden Phönix, vor dem ein Soldat steht, als Staatsemblem. Das gehört zur Geschichte des Motivs dazu und sollte bei griechischen Beständen der Zeit mitgedacht werden.

### Versicherung

Eine Anwendung, die man kaum erfinden könnte: Die 1782 in London gegründete **Phoenix Assurance Company** war eine Feuerversicherung. Sie führte den brennenden Vogel als Firmenzeichen und brachte ihn als gusseiserne Hausmarke an den versicherten Gebäuden an. Ein Symbol der Wiederherstellung nach Brand, als Geschäftsmodell.

### Literatur und Kunst des 20. Jahrhunderts

D. H. Lawrence wählte den Phönix als persönliches Emblem; er steht auf seinem Grabmal und auf zahlreichen Ausgaben seiner Werke.

Ray Bradbury dreht das Motiv in *Fahrenheit 451* um. Am Ende des Romans dient der Phönix nicht als Verheißung, sondern als Diagnose: ein Wesen, das sich immer wieder selbst verbrennt und nie begreift, warum. Der Mensch, so die Pointe, könnte sich erinnern und es lassen. Das ist die schärfste moderne Umkehrung des Motivs.

Rowling macht Fawkes zum bekanntesten Phönix der Gegenwart und übernimmt dabei die spätantike Feuerversion samt Verjüngung.

In der bildenden Kunst ragt Xu Bings *Phoenix* (2008 bis 2010) heraus, zwei riesige Vogelskulpturen aus Bauschutt und Werkzeugen Pekinger Großbaustellen. Erneuerung aus dem Abfall der Erneuerung.

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## 7. Bedeutungen in verschiedenen Kulturen

### Was der Phönix bedeutet

Zeitzyklus und Großes Jahr in der ältesten Schicht. Dann Erneuerung, Auferstehung, Unsterblichkeit, Christus, Ostern. In der Renaissance vor allem Einzigartigkeit. In der Alchemie die Vollendung des Werks. In der Neuzeit Wiederaufbau nach Zerstörung, Ruhm über den Tod hinaus, und bei Bradbury der Zwang zur Selbstzerstörung.

Negative Lesarten sind selten, was diesen Vogel von Eule, Adler und Greif unterscheidet. Wo sie vorkommen, betreffen sie den Hochmut des Einzigartigen oder eben die Wiederholung des Immergleichen.

### Verwandte, die keine sind

Die Verwechslungsanfälligkeit ist bei kaum einem Motiv so hoch. Die folgenden Wesen werden regelmäßig als Phönix bezeichnet und sind es nicht:

| Wesen | Herkunft | Warum es kein Phönix ist |
|---|---|---|
| Fenghuang | China | stirbt nicht, brennt nicht, ersteht nicht auf; Glücks- und Tugendvogel, der Kaiserin zugeordnet |
| Hō-ō | Japan | Übernahme des Fenghuang, gleiche Sachlage |
| Zhuque, Roter Vogel | China | eines der vier Himmelsbilder, für den Süden |
| Simurgh | Iran | riesiger, weiser Vogel; heilt und rät, verbrennt nicht |
| Huma | Iran | landet nie; wen sein Schatten trifft, wird König |
| Anqāʾ | arabisch | eigene Legendengestalt |
| Feuervogel, Žar-ptica | slawisch | leuchtendes Gefieder, Questobjekt, keine Wiedergeburt |
| Ḥōl | jüdische Tradition | langlebiger Vogel; dazu unten |

Die Gleichsetzung des Fenghuang mit dem Phönix ist eine Übersetzungskonvention des 19. Jahrhunderts, die sich verselbständigt hat. Sie richtet in Symbolstudien mehr Schaden an als jede andere Verwechslung in dieser Reihe.

Der Phönix selbst ist damit ein **mediterran-vorderorientalisches** Wesen mit begrenzter Verbreitung, ähnlich wie der Greif.

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## 8. Religiöse Verwendung

### Christentum

Auferstehungsbeweis seit dem ersten Clemensbrief, Christussymbol seit dem Physiologus, Osterbezug über die Dreitagesfrist.

Bildlich am eindrucksvollsten in den römischen Apsismosaiken: In SS. Cosma e Damiano sitzt ein nimbierter Phönix auf einer Palme, rechts oben im Bild. Palme und Vogel, die im Griechischen dasselbe Wort teilen, stehen dort buchstäblich übereinander.

Dazu Katakombenmalerei, Sarkophagreliefs, Bestiarienillustration, und die Verwendung an Taufsteinen und Osterleuchtern.

Ein Vorbehalt bleibt: Der Phönix war als Beweisargument umstritten, und die Zurückhaltung des Augustinus ist Teil des Befunds.

### Judentum

Weniger bekannt und lohnend. In Hi 29,18 steht das Wort *ḥōl*, das die meisten Übersetzungen mit "Sand" wiedergeben. Eine rabbinische Tradition liest es dagegen als Vogelnamen und verbindet damit eine Erzählung: Der Vogel, der als einziger nicht von der verbotenen Frucht aß, beziehungsweise der in der Arche Noah keine Nahrung forderte und dafür mit Langlebigkeit gesegnet wurde. Belegt unter anderem in Bereschit Rabba und im babylonischen Talmud.

Das ist keine Übernahme des griechischen Phönix, sondern eine parallele Bildung mit eigenem Textgrund. Für ein Exlibris mit jüdischem Bezug ist es die genauere Referenz.

### Islam und Iran

Der ʿAnqāʾ und der Simurgh sind eigene Gestalten. In der Sufik hat der Simurgh eine große Rolle: Bei ʿAṭṭār machen sich dreißig Vögel auf die Suche nach ihm und erkennen am Ziel, dass sie selbst, die *sī murgh*, der Gesuchte sind. Ein Wortspiel, das eine ganze Mystik trägt, und mit dem Phönix nicht verwandt.

### Freimaurerei und Esoterik

Der Phönix erscheint in einzelnen Hochgraden und in der rosenkreuzerisch-theosophischen Bildsprache, dort meist im alchemistischen Sinn der Vollendung.

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## 9. Verwendung in Kunst

| Werk | Datierung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Bennu-Darstellungen auf Papyri und Grabwänden | ab Neuem Reich | Reiher auf dem Urhügel, kein Feuer |
| Römische Reichsprägungen mit AETERNITAS | 2.-4. Jh. | Staatszeichen der erneuerten Zeit |
| Katakombenmalerei, Rom | 3./4. Jh. | frühchristliche Auferstehungszeichen |
| Apsismosaik SS. Cosma e Damiano, Rom | 6. Jh. | nimbierter Phönix auf der Palme |
| Bestiarien-Illuminationen | 12.-14. Jh. | Feuer- und Dreitagesversion |
| Exeter Book, altenglisches Phönix-Gedicht | 10. Jh. | Text, aber der wichtigste |
| Phoenix Jewel, British Museum | um 1570-80 | Elisabeth I. |
| Phoenix-Porträt, National Portrait Gallery | um 1575 | Einzigartigkeit als Staatsaussage |
| Emblembücher, Alciato bis Camerarius | 16./17. Jh. | *unica semper avis* |
| Ripley-Rolle, Maier, *Atalanta fugiens* | 15.-17. Jh. | Phönix als *rubedo* |
| Druckersignete | 16. Jh. | der Text überlebt den Autor |
| Stadtwappen Atlanta, San Francisco | 19. Jh. | Wiederaufbau |
| Xu Bing, *Phoenix* | 2008-2010 | Vögel aus Bauschutt |

### Zur Technik

Der Phönix hat ein Darstellungsproblem, das kein anderes Motiv dieser Reihe teilt: **Seine kennzeichnende Eigenschaft ist ein Vorgang, kein Merkmal.** Ein Adler hat Fänge, eine Eule hat ein Gesicht, ein Greif hat Ohren. Ein Phönix hat gar nichts, was ihn von einem beliebigen Vogel unterschiede, solange er nicht brennt.

Deshalb sind die Flammen nicht Zutat, sondern Bestandteil, und deshalb ist die heraldische Halbfigur in Flammen die richtige Lösung und nicht die faule.

Für den Hochdruck gilt dabei dasselbe wie für die Sonne: Flammen müssen als Weißlinie aus dem Stock geschnitten werden, nicht als schwarze Kontur gezeichnet. Wer die Bewick-Technik beherrscht, hat hier den Vorteil. In Radierung und Kaltnadel funktioniert der Vogel gut, weil sich das Gefieder gegen die Flammenrichtung setzen lässt.

Die Artfrage ist eine Traditionsentscheidung. Drei Körper sind vertretbar: der **adlerartige** Vogel nach Herodot und den römischen Münzen, der **Reiher** nach dem ägyptischen Bennu, und die **pfauenartige** Form der mittelalterlichen und Renaissance-Tradition mit Schopf und langem Schwanz. Wer sich entscheidet, zitiert damit eine bestimmte Überlieferung, und das sollte bewusst geschehen.

Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit dem **Pelikan**, und zwar ernsthaft. Beide sitzen im Nest, beide bedeuten Selbsthingabe und Christus, beide sind auf Exlibris häufig. Unterscheiden lässt es sich sauber: Der Pelikan hat Junge und öffnet sich die Brust, der Phönix ist allein und hat Flammen. Wer nur ein Nest zeichnet, hat ein mehrdeutiges Blatt.

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## 10. Verwendung in Literatur

### Antike

Hesiod als Fragment über Plutarch. Herodot II,73. Ovid, *Metamorphosen* XV. Plinius, *Naturalis historia* X. Tacitus, *Annalen* VI,28. Aelian und Philostratos. Achilleus Tatios mit der Begutachtungsszene. Laktanz zugeschrieben, *De ave phoenice*, um 300, die erste ausführliche Feuerfassung. Claudian, *Phoenix*, um 400.

### Mittelalter

Der erste Clemensbrief, Kapitel 25. Tertullian, *De resurrectione carnis*. Ambrosius, Rufinus, Epiphanius. Der Physiologus und die Bestiarien. Das altenglische *Phoenix*-Gedicht im Exeter Book.

### Frühe Neuzeit

Petrarca. Die Emblembücher von Alciato über Paradin bis Camerarius. Shakespeares *The Phoenix and the Turtle* (1601), ein schwer zugängliches Gedicht über die Vereinigung von Phönix und Turteltaube, die in ihrer Einheit beide aufhebt. John Donne greift das Bild in den *Songs and Sonnets* auf. Milton beschließt *Samson Agonistes* mit einem Phönix-Gleichnis.

### 19. und 20. Jahrhundert

D. H. Lawrence, dem der Phönix zum Lebenszeichen wurde. Ray Bradbury, *Fahrenheit 451* (1953), mit der Umkehrung ins Warnende. Dazu die breite Fantasy-Rezeption seit den 1990er Jahren, in der die spätantike Feuerfassung endgültig als die einzige gilt.

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## 11. Verwendung auf Exlibris

### Das Buch, das den Brand überlebt

Bei jedem der bisher behandelten Motive musste die Exlibris-Bedeutung hergeleitet werden. Hier fällt sie sofort ins Auge, sobald man an die spezifische Katastrophe denkt, die Sammlungen bedroht.

Bibliotheken brennen. Alexandria als Chiffre, Löwen 1914 und noch einmal 1940, Sarajevo 1992, die Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar 2004. Kein anderes Motiv der Reihe spricht diesen Fall an. Die Rose vergeht, die Eule wacht, der Greif bewacht, aber nur der Phönix behauptet, dass etwas nach dem Feuer weitergeht.

Für ein Bucheignerzeichen ergibt das eine ungewöhnlich genaue Aussage: nicht Besitz, nicht Bewachung, sondern **Fortbestand**. Und sie funktioniert in zwei Richtungen, je nach Anlass. Auf einem Blatt für eine wiederaufgebaute oder rekonstituierte Sammlung ist sie Bericht. Auf einem Blatt für eine bestehende Sammlung ist sie Zuversicht oder Trotz.

Für Spenderblätter in wiederhergestellten Beständen, für Bibliotheken nach Verlust, für Sammlungen, die aus Restbeständen neu aufgebaut wurden, ist der Phönix das sachlich richtige Motiv, und er ist in dieser Funktion erstaunlich selten genutzt.

### Der Phönix als Zeichen des Unikats

Die zweite starke Anwendung, und sie greift die Renaissance-Bedeutung auf statt der modernen.

Der Phönix ist immer nur einer. *Unica semper avis.* Eine Handschrift ist ein Unikat. Ein Inkunabel-Exemplar mit eigener Provenienz ist ein Unikat. Ein Unikatdruck, ein Widmungsexemplar, ein Blatt in einem Zustand, den es sonst nirgends gibt, sind Unikate.

Für einen Sammler von Handschriften, Unica, Probedrucken oder Zustandsdrucken ist das der genauere Phönix, und er hat den Vorteil, dass ihn außer diesem Sammler kaum jemand sofort versteht. Devise: *unica semper avis*.

### Der alchemistische Phönix

Für Sammler von Occulta, für Chemiker und Apotheker. Wichtig ist die Genauigkeit: Der Phönix bedeutet hier nicht Wiedergeburt allgemein, sondern die *rubedo*, den roten Abschluss des Werks.

Daraus lässt sich etwas machen, das ich für einen der reizvollsten Vorschläge dieser ganzen Reihe halte: eine **Serie**. Rabe, Schwan, Pfau, Pelikan, Phönix, fünf Blätter für dieselbe Bibliothek, in Farbfolge und Stufenfolge. Wer einen hermetischen Bestand aufbaut und ohnehin über mehrere Blätter nachdenkt, hat hier eine fertige Struktur, die inhaltlich trägt und nicht bloß dekorativ variiert.

### Der Auferstehungsphönix

Für Theologen, Geistliche, Kirchen- und Klosterbibliotheken. Der Vogel auf der Palme nach dem Vorbild der römischen Apsismosaiken, gern mit Nimbus. Die Palme ist dabei kein Beiwerk, sondern die zweite Bedeutung desselben griechischen Wortes, und ein informiertes Blatt kann das ausspielen.

Als Devise bietet sich Ps 92,13 an, *iustus ut palma florebit*, gerade weil die Stelle die Doppeldeutigkeit enthält, aus der die ganze Tradition kommt.

### Der Gegen-Vanitas

Ein Sondertyp, der sich aus dem Vergleich mit den vorigen Studien ergibt.

Die klassische Vanitas-Kombination aus Schädel, Sanduhr, erloschener Kerze und Buch sagt: Du vergehst. Setzt man statt der Eule oder der Rose einen Phönix hinein, kippt die Aussage. Aus dem Memento mori wird ein Widerspruch: Das Buch bleibt, und zwar nicht trotz, sondern durch das Feuer.

Für Bibliophile mit barockem Geschmack ist das eine Variation über ein bekanntes Motiv, die den Ton umdreht, ohne das Vokabular zu wechseln.

### Redendes Motiv

Die Namensbasis ist schmaler als bei Rose oder Adler, dafür eindeutiger.

Direkt: Phönix, Phoenix, Fenix, Fénix, Feniks, Fenyx, italienisch Fenice, griechisch Phoinix. Dazu die humanistischen Latinisierungen, bei denen Phoenix als Beiname geführt wurde.

Und ein zweiter Zugang, der über die Wortbedeutung läuft und den kaum jemand nutzt: Weil *phoinix* auch die **Palme** heißt, sind Palm, Palme, Palmer, Palmié, Palmieri, Palmen und Verwandte über die Sprachgeschichte an dieses Motiv angebunden. Ein Palmenblatt mit Phönix ist für diese Namen redend und allegorisch zugleich.

Am Rande, aber für Musik- und Theatersammlungen brauchbar: La Fenice in Venedig, das Opernhaus, das nach Bränden zweimal wiederaufgebaut wurde und seinen Namen damit doppelt verdient hat.

### Heraldische Blätter

Zu beachten ist die Formregel: halber Vogel, aus Flammen aufsteigend, niemals vollständig. Ein Blatt, das den Phönix ganz zeigt, ist entweder nicht heraldisch gemeint oder handwerklich unsauber.

Für englische Bestände ist die Tudor- und Elisabeth-Verbindung einschlägig; ein Phönix auf einem englischen Wappenexlibris verweist häufig in dieses Umfeld.

### Handwerkliches

Die Flammen sind Pflicht. Ohne sie ist der Vogel unbestimmt.

Im Holzschnitt und Holzstich die Flammen als Weißlinie anlegen, nicht als schwarze Kontur. Dieselbe Logik wie bei den Sonnenstrahlen.

Im Kleinformat trägt die heraldische Halbfigur am besten. Unter etwa 40 Millimetern sollte man den ganzen Vogel samt Nest und Scheiterhaufen nicht versuchen.

Bei der Artwahl vorher entscheiden, welche Tradition zitiert wird: adlerartig für die antik-römische, Reiher für die ägyptische, pfauenartig mit Schopf für die mittelalterlich-neuzeitliche.

Und die Abgrenzung zum Pelikan sauber halten. Junge im Nest heißt Pelikan, Flammen heißen Phönix. Beides zusammen ergibt ein Blatt, über das man diskutieren muss.

### Devisen

Belegt oder gut eingeführt:

*Unica semper avis*, der einzige Vogel seiner Art. Die häufigste Phönix-Devise der Emblematik.

*Post fata resurgo*, nach dem Tod erstehe ich wieder. In Druckersigneten und Emblemen geläufig.

*Resurgens*, der Wiederauferstehende. Kurz, brauchbar, und als Stadtdevise von Atlanta bekannt.

*Iustus ut palma florebit* nach Ps 92,13, mit der ganzen Palme-Vogel-Ambiguität im Gepäck.

*Vivit post funera virtus*, die Tugend lebt über das Grab hinaus.

*Aeternitas* und *saeculum novum* nach den römischen Münzlegenden.

Als Neubildungen, und dann bitte gekennzeichnet: *E cineribus*, *Uror ut vivam*, *Per ignem*.

### Wo man suchen kann

Die üblichen Adressen: Museum Schloss Burgk an der Saale mit über 200.000 Blättern (Stand Juni 2025), Grundstock die 1981 übereignete Sammlung Heinicke; Bestände mit Zettelkatalogen nach Künstlern, Eignern und Motiven; das Internationale Exlibriszentrum Sint-Niklaas, das Kunstmuseum Frederikshavn, das Klingspor-Museum Offenbach, das Gutenberg-Museum Mainz, die ÖNB Wien, E-Pics "Ex meis libris" der ETH-Bibliothek Zürich, und für die künstlerbezogene Suche die DEG-Werklisten.

Ein Hinweis, der bei diesem Motiv besonders hilft: Der Phönix ist auf Exlibris deutlich seltener als Eule, Adler oder Rose. Eine Motivsuche liefert hier also überschaubare und tatsächlich auswertbare Treffermengen. Sinnvoll ist es, zusätzlich unter *Pelikan* und unter *Feuer* zu suchen, weil die Katalogisierung zwischen diesen Kategorien schwankt.

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## 12. Bekannte Künstler

### Exlibris und Buchgrafik

Michel Fingesten (1884-1943) ist bei diesem Motiv die erste Adresse. Sein Repertoire kreist um Tod, Verwandlung, Feuer und Vanitas, und er hat mehr Blätter geschaffen als jeder andere Exlibris-Künstler überhaupt.

Alfred Cossmann in Wien für die allegorische Feinarbeit im Kupferstich. Melchior Lechter für die sakral-ornamentale Linie des George-Kreises, in der Auferstehungsmotive gut aufgehoben sind. Josef Sattler mit seinem ausgeprägten Fabelwesen-Repertoire.

Dazu Marcus Behmer, Alois Kolb, Emil Orlik, Willi Geiger, Otto Ubbelohde.

Rudolf Koch und die Offenbacher Werkstatt für die reduzierte, zeichenhafte Form, die dieses Motiv im Kleinformat braucht; sein *Zeichenbuch* von 1926 ist dafür die richtige Denkschule.

Frans Masereel und Rockwell Kent für die monumental vereinfachte Holzschnittform.

Für die Nachkriegszeit Mark Severin und Gerard Gaudaen in Belgien, und in der osteuropäischen Kleingrafik ab den 1960er Jahren eine ganze Reihe von Kaltnadel- und Radierungsspezialisten, bei denen Verwandlungs- und Feuermotive häufig sind.

Wie immer gilt: Die Liste ist indikativ. Ob Phönixe bei einem bestimmten Künstler tatsächlich vorkommen, muss über die DEG-Werklisten und Motivkataloge im Einzelfall geprüft werden.

### Freie Kunst

Die anonymen Meister der römischen Apsismosaiken. Die Illuminatoren der Bestiarien. Nicholas Hilliard und der Umkreis der elisabethanischen Miniaturmalerei. Die Emblemstecher von Alciato bis Camerarius. Michael Maier und die Illustratoren der alchemistischen Traktate. Und in der Gegenwart Xu Bing.

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## 13. Interessante Anekdoten

**Ein Staatsphönix, an den niemand glaubte.** Zur achthundertsten Wiederkehr der Stadtgründung stellte man im Jahr 47 unter Claudius im Comitium einen Phönix aus. Plinius berichtet davon und ergänzt, dass niemand daran zweifelte, dass der Vogel gefälscht war. Das Symbol funktionierte trotzdem, weil es nicht der Vogel war, der gebraucht wurde, sondern die Aussage über die Zeit.

**Der Vogel, der bei Herodot nicht brennt.** Wer die berühmteste Quelle zum Phönix aufschlägt, findet dort einen Vogel, der seinen toten Vater in ein Myrrhe-Ei einschließt und nach Heliopolis trägt. Kein Feuer, keine Asche, keine Wiedergeburt aus dem Rückstand. Und Herodot fügt hinzu, er glaube die Geschichte nicht und habe den Vogel ohnehin nur auf Bildern gesehen.

**Eine Feuerversicherung mit dem richtigen Wappentier.** Die 1782 gegründete Phoenix Assurance Company in London versicherte gegen Brandschaden und führte den brennenden Vogel im Zeichen. Gusseiserne Phönix-Marken an den versicherten Häusern zeigten der Feuerwehr, wessen Gebäude zu löschen war. Ein Symbol, das seine Bedeutung buchstäblich einlösen musste.

**Palme und Vogel im selben Wort.** Weil griechisch *phoinix* beides bedeutet, konnte aus dem Psalmvers über den Gerechten, der blüht wie die Palme, eine Auslegung über den Vogel werden, der aus dem Tod aufsteigt. In den römischen Apsismosaiken sitzt der Phönix dann auf der Palme, und die beiden Bedeutungen stehen übereinander im Bild.

**Eine Königin, die einzigartig sein wollte.** Elisabeth I. führte den Phönix nicht wegen der Auferstehung, sondern wegen der Einzigartigkeit. *Unica semper avis*, es gibt immer nur einen. Für eine unverheiratete Herrscherin ohne Erben war das die Aussage, auf die es ankam, und sie hat sie in Schmuck, Porträt und Emblematik konsequent durchgehalten.

**Der Phönix als Warnung.** Am Ende von *Fahrenheit 451* dreht Bradbury das Motiv um. Der Vogel, der sich immer wieder verbrennt und nie versteht, warum, ist bei ihm kein Trost, sondern eine Beschreibung der Menschheit. Der Unterschied, so die Figur Granger, sei nur, dass der Mensch sich erinnern könne.

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## 14. Irrtümer

**Die Wiedergeburt aus der Asche ist der Kern der antiken Überlieferung.**

Der wichtigste Irrtum zu diesem Motiv, und er steckt in der deutschen Redewendung selbst.

Herodot kennt kein Feuer, sondern einen Bestattungsvorgang mit einem Myrrhe-Ei. Ovid lässt den Vogel im Gewürznest an Altersschwäche sterben, ohne Flamme. Plinius berichtet, dass aus Knochen und Mark eine Made entsteht, aus der der neue Vogel hervorgeht. Tacitus referiert die Tradition, ohne Feuer zu erwähnen.

Der Scheiterhaufen setzt sich in der lateinischen Dichtung der Kaiserzeit durch und liegt in *De ave phoenice*, um 300 und Laktanz zugeschrieben, erstmals ausgeführt vor. Die Asche ist also der jüngste, nicht der älteste Bestandteil.

Für die Praxis heißt das nicht, dass man die Feuerfassung meiden müsste. Sie ist seit siebzehnhundert Jahren die dominante. Aber sie als "den" antiken Mythos auszugeben, ist falsch.

**Herodot berichtet den Mythos als Tatsache.**
Er berichtet, was Priester erzählen, sagt ausdrücklich, dass er den Vogel nur abgebildet gesehen habe, und erklärt die Geschichte für nicht glaubhaft. Die antike Hauptquelle ist skeptischer als die meisten modernen Nacherzählungen.

**Der Fenghuang ist der chinesische Phönix.**
Er stirbt nicht, brennt nicht und ersteht nicht auf. Er ist ein Glücks- und Tugendvogel, der Kaiserin zugeordnet, und erscheint, wenn ein weiser Herrscher regiert. Die Gleichsetzung ist eine Übersetzungskonvention des 19. Jahrhunderts, die sich verselbständigt hat. Dasselbe gilt für den japanischen Hō-ō.

**Der ägyptische Bennu verbrennt sich.**
Nein. Er bringt sich selbst hervor, er verbrennt sich nicht. Er gehört zu Schöpfung, Urhügel und Nilzyklus. Das Feuer ist eine griechisch-römische Zutat zu einem ägyptischen Vogel, bei dem es um Entstehung ging, nicht um Vernichtung.

**Der Phönix lebt fünfhundert Jahre.**
Die Quellen nennen 500, 540, 1000 und 1461 Jahre. Die letzte Zahl ist die Sothis-Periode des ägyptischen Kalenders, und Tacitus verzeichnet die Uneinigkeit ausdrücklich. Eine feste Zahl gibt es nicht.

**Simurgh, Huma, Anqāʾ und Feuervogel sind Phönixe.**
Vier verschiedene Wesen aus drei Traditionen, von denen keines sich verbrennt und wiedererhebt. Der Simurgh heilt und rät, der Huma landet nie, der Feuervogel leuchtet und wird gejagt. Die Zusammenfassung stammt aus Kompilationswerken des 19. Jahrhunderts.

**In Psalm 92,13 steht der Phönix.**
Das hebräische Wort meint die Palme, und die lateinische Fassung übersetzt entsprechend. Weil das griechische *phoinix* beides bedeutet, ist die Bezugnahme auf den Vogel möglich geworden und wurde patristisch auch vollzogen. Als Auslegungsgeschichte ist das bedeutend, als Textaussage ist es nicht gedeckt.

**Die Kirchenväter waren sich über den Phönix einig.**
Waren sie nicht. Clemens und Tertullian argumentieren mit ihm, Augustinus ist zurückhaltend, andere lehnten das Beweisargument ab. Der Phönix als Auferstehungsbeleg war umstritten.

**Der Phönix wird in der Heraldik als ganzer Vogel dargestellt.**
Er wird als halber Vogel dargestellt, der aus Flammen aufsteigt, und zwar konsequent. Ein vollständiger Phönix über einem Feuer ist heraldisch nicht korrekt.

**Der alchemistische Phönix bedeutet Wiedergeburt.**
Er bedeutet die *rubedo*, die rote Schlussstufe des Werks. Innerhalb der Vogelfolge Rabe, Schwan, Pfau, Pelikan, Phönix hat er eine feste Position. Die allgemeine Wiedergeburtsdeutung verwischt eine sehr genaue Angabe.

**Phoenix in Arizona ist nach der Wiedergeburt aus der Asche benannt.**
Nur mittelbar. Die Stadt wurde auf den Kanalanlagen einer untergegangenen Hohokam-Siedlung errichtet, und der Name bezieht sich auf das Neue, das auf den Resten des Alten entsteht. Der Bezug ist archäologisch, nicht feurig.

**Der Phönix ist ein universales Symbol.**
Wie der Greif ist er mediterran-vorderorientalisch begrenzt. Die ostasiatischen und iranischen "Entsprechungen" sind eigene Wesen. Wer sie einrechnet, konstruiert eine Universalität, die es nicht gibt.

**Der Phönix ist immer positiv besetzt.**
Weit überwiegend ja, aber nicht ausnahmslos. Bradbury macht ihn zum Bild der zwanghaften Selbstzerstörung, und die Verwendung als Emblem der griechischen Militärdiktatur zwischen 1967 und 1974 gehört ebenfalls zur Geschichte des Zeichens.

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## 15. Quellen

### Standardwerk

R. van den Broek: *The Myth of the Phoenix According to Classical and Early Christian Traditions*, Leiden 1972. Die maßgebende Untersuchung, an der sich alles Spätere abarbeitet. Wer nur ein Buch zum Phönix liest, liest dieses.

### Weitere Übersichten

Joseph Nigg: *The Phoenix. An Unnatural Biography of a Mythical Beast*, Chicago 2016. Gut lesbar, quellennah, für die Wirkungsgeschichte bis in die Gegenwart brauchbar.

Françoise Lecocq, zahlreiche Aufsätze zur antiken und spätantiken Phönix-Überlieferung, vor allem zur ägyptischen Komponente und zur römischen Münzikonografie.

Artikel "Phönix" im *Reallexikon für Antike und Christentum* (RAC) und im *Lexikon der christlichen Ikonographie* (LCI). Artikel "Phoinix" im *Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae* (LIMC).

### Quellen der Antike

Herodot, *Historien* II,73. Ovid, *Metamorphosen* XV, 391-407. Plinius d. Ä., *Naturalis historia* X,2. Tacitus, *Annalen* VI,28. Achilleus Tatios, *Leukippe und Kleitophon* III. Aelian, *De natura animalium*.

Laktanz zugeschrieben: *De ave phoenice*, mit deutschen und englischen Ausgaben greifbar. Claudian: *Phoenix* (*Carmina minora* 27).

### Ägypten

Rolf Krauss und andere Arbeiten zum Bennu und zu Heliopolis. Das Totenbuch, Sprüche 13, 17 und 83, in den Ausgaben von Hornung oder Faulkner.

### Christliche Überlieferung

*Erster Clemensbrief*, Kapitel 25, in den Ausgaben der Apostolischen Väter. Tertullian, *De resurrectione carnis* 13. *Physiologus*, übersetzt und herausgegeben von Otto Seel. Das *Aberdeen Bestiary* (MS 24, University of Aberdeen), digitalisiert.

*The Phoenix*, altenglisches Gedicht aus dem Exeter Book, in der Ausgabe von N. F. Blake.

### Numismatik

Die einschlägigen Bände des *Roman Imperial Coinage* (RIC) zu Hadrian, Antoninus Pius und der konstantinischen Zeit; dazu die Spezialliteratur zu den AETERNITAS- und SAECVLVM-NOVVM-Prägungen.

### Renaissance

Roy Strong: *Gloriana. The Portraits of Queen Elizabeth I*, London 1987, zum Phoenix-Porträt und zum Phoenix Jewel.

Andrea Alciato, *Emblematum liber*, 1531. Claude Paradin, *Devises héroïques*, 1551. Joachim Camerarius, *Symbolorum et emblematum centuriae*, ab 1590.

### Alchemie

Lyndy Abraham: *A Dictionary of Alchemical Imagery*, Cambridge 1998, zur Vogelfolge und zur *rubedo*.

Michael Maier: *Atalanta fugiens*, Oppenheim 1617. Die Ripley-Rolle in den erhaltenen Fassungen.

### Zur Abgrenzung gegen den Fenghuang

Terese Tse Bartholomew: *Hidden Meanings in Chinese Art*, San Francisco 2006. Dazu die Standardliteratur zur chinesischen Tiersymbolik; hilfreich ist jede Darstellung, die den Fenghuang konsequent nicht als Phönix übersetzt.

### Exlibris

Walter von zur Westen: *Exlibris (Bucheignerzeichen)*, Bielefeld und Leipzig 1901, 2. Aufl. 1909. Norbert H. Ott: *Exlibris. Zur Geschichte ihrer Motive, ihrer Gestaltungsformen und ihrer Techniken*. Gernot Blum: *Michel Fingesten. Das Gesamtwerk der Exlibris*, 1987. Hans Ankwicz-Kleehoven: *Alfred Cossmann und sein Werk*, Wien 1924. Rudolf Koch: *Das Zeichenbuch*, Offenbach 1926.

*Jahrbuch der Deutschen Exlibris-Gesellschaft*, fortlaufend, dazu das DEG-Magazin und das PDF-Archiv der Mitteilungen. DEG-Werklisten unter https://exlibris-deg.de/exlibris-werklisten/ und das Verzeichnis öffentlicher Bestände unter https://exlibris-deg.de/weitere-exlibris-archive/. FISAE-Kongressbände. E-Pics "Ex meis libris" der ETH-Bibliothek Zürich.

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*Zur Belastbarkeit: Auflagen, Erscheinungsjahre und Seitenzahlen sollten vor einer Publikation am Original oder im Bibliothekskatalog geprüft werden. Als strittig oder offen gekennzeichnet sind vor allem die Fragen nach der Wortpriorität von phoinix, nach der zoologischen Bestimmung des Bennu, nach der Verfasserschaft von De ave phoenice und nach der Auslegung von Ps 92,13 und Hi 29,18.*


Bei unseren Ex Libris Produkten können Sie wählen zwischen -- 1. einem Stempel auf Buchenholz mit einem typischen Stempelgriff oder -- 2. einem Stempel dito auf Kehlleiste oder -- 3. einem digitalen Etikettendruck im Format 70 x 67,7 mm, 200 Stück, Papierfarbe: weiß, jeweils 12 Motive auf einem Din A4 Bogen oder -- 4. einem Buchdruck auf Büttenpapier oder Feinstpapier, Papierfarbe crème, écru oder chamois, einzeln geschnitten. Unsere Produkte werden in bestmöglicher Qualität gefertigt.

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