Ex Libris Wappen Greif
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Ein Ex Libris Motiv aus dem Bereich Wappen und Heraldik. Sie können
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Die Stempelgröße beträgt 44 x 31 mm, die Etikettengröße 70 x 67,7 mm.
Individuelle Größen sind gegen Aufpreis möglich.
Kulturgeschichte und Ex Libris: Der Greif
# Der Greif
**Eine kultur- und kunsthistorische Symbolstudie**
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## Vorbemerkung
Der Greif ist kein Tier. Er ist eine Konstruktion, und das unterscheidet ihn von allem, was hier bisher behandelt wurde. Es gibt keinen Vogel, keine Pflanze, keinen Himmelskörper, an dem sich eine Deutung überprüfen ließe. Was der Greif bedeutet, ergibt sich ausschließlich daraus, wie er zusammengesetzt ist.
Also liegt die Bedeutung in der Fügung. Adler oben, Löwe unten; Luft und Erde; die beiden Tiere, die in praktisch allen eurasischen Kulturen als Könige ihres Bereichs gelten. Wer den Greif als "Adler plus Löwe" liest, hat ihn addiert, aber nicht verstanden. Gemeint ist etwas Drittes: Herrschaft, die in beiden Sphären gilt.
Zwei praktische Warnungen noch.
Die Bestimmungsprobleme sind erheblich. In der Symbolliteratur heißt vieles Greif, was keiner ist: der geflügelte Markuslöwe, die Sphinx, der assyrische Lamassu, der iranische Senmurv, der Hippogryph, der mesopotamische Anzu. Beim Anzu ist die Verwechslung besonders lehrreich, weil er die genaue Umkehrung darstellt. Löwenkopf auf Adlerkörper statt Adlerkopf auf Löwenkörper. Ohne saubere Typenunterscheidung lässt sich zu diesem Motiv nichts Belastbares sagen.
Und: Die bekannteste Ursprungserklärung ist inzwischen widerlegt. Die Herleitung des Greifs aus fossilen Protoceratops-Funden geistert durch Bücher, Dokumentationen und Museumsausstellungen, hat aber 2024 eine ausführliche Prüfung nicht überstanden. Näheres in Abschnitt 14.
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## 1. Ursprung
### Wie er aussieht
Kopf, Schnabel, Flügel und Vorderläufe stammen vom Adler, Rumpf, Hinterläufe und Schwanz vom Löwen. Dazu kommen aufgestellte Ohren, und die sind wichtiger, als man denkt: Sie sind das zuverlässigste Erkennungsmerkmal überhaupt. Ein Adler hat keine. Wer sie weglässt, zeichnet einen geflügelten Löwen mit Vogelkopf, aber keinen Greif.
### Was er bedeutet
Die Kombination ist alles andere als beliebig. Sie stapelt zwei Superlative übereinander und ergibt damit ein Tier, gegen das kein Tier besteht.
Daraus folgt die Funktion, und die ist über fünf Jahrtausende erstaunlich konstant geblieben: Der Greif bewacht. Throne, Tempelschwellen, Gräber, Schätze, Grenzen. Von den elamischen Rollsiegeln über den Thronsaal von Knossos, die skythischen Goldbleche und die romanischen Kirchenportale bis zu den Bankfassaden des Historismus tut er immer dasselbe. Die Herrschaftsdeutung kommt später dazu, die christologische noch viel später.
Für jede Anwendung ist das die brauchbarste Grundlage, auch für die im Exlibris.
### Woher das Wort kommt
Deutsch *Greif* über lateinisch *gryphus* aus griechisch γρύψ (*grýps*), wahrscheinlich zu *grypós*, "krumm, hakennasig". Das Wort beschreibt also den Schnabel.
Die im Deutschen naheliegende Verbindung zu *greifen* ist Volksetymologie. Sie ist sekundär und lautgeschichtlich nicht haltbar, hat aber gewirkt: Sie hat das Bild vom packenden, raubenden Greif erheblich verstärkt. Für die Namenkunde ist das relevant, weil Familiennamen auf Greif- teils vom Fabeltier, teils vom Verb kommen können.
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## 2. Früheste archäologische Belege
### Alter Orient und Elam
Löwengreifen erscheinen auf Rollsiegeln aus Susa und Mesopotamien bereits im 4. und frühen 3. Jahrtausend v. Chr. Sie sind dort apotropäisch und dämonisch. Schutz- und Schreckwesen, keine Wappentiere.
Die syrisch-levantinischen Elfenbeinschnitzereien des 9. und 8. Jahrhunderts v. Chr. aus Nimrud, Megiddo und Arslan Tash bringen den Typus dann in eine kanonische Form, die sich exportieren lässt. Über diese Kleinkunst, über Möbeleinlagen, Kästchen und Schalen, wandert der Greif in den gesamten Mittelmeerraum.
### Ägypten
Greifartige Mischwesen sind schon prädynastisch belegt, unter anderem auf der Zwei-Hunde-Palette aus Hierakonpolis (um 3200 v. Chr.). Im Alten und Mittleren Reich steht der Greif für königliche Gewalt, die Feinde niedertritt; auf den magischen Messern des Mittleren Reichs dient er als Schutzwesen gegen Dämonen. Später tritt er in die Nähe des Month.
Ägypten ist damit einer der Ursprungsräume, nicht bloß Empfänger.
### Die Ägäis
Der ikonografische Höhepunkt der Bronzezeit steht im Thronsaal von Knossos (etwa 1450 bis 1400 v. Chr.): Zwei Greifen flankieren den Steinthron. Verwandte Fresken gibt es in Akrotiri auf Thera und in mykenischen Palästen.
Damit ist die Grundformel in reinster Form vorhanden. Der Greif bewacht den Sitz der Macht. Sämtliche späteren Thronwächter, Portallöwen und Wappenhalter Europas stehen typologisch in dieser Linie.
Ergänzend: Das 2015 in Pylos entdeckte, außergewöhnlich reich ausgestattete mykenische Kriegergrab wurde nach einer beigegebenen Elfenbeinplatte mit Greifendarstellung als "Griffin Warrior" bekannt. Einer der wichtigsten ägäischen Funde der letzten Jahrzehnte.
### Steppe und Skythen
Von der Ukraine bis zum Altai gehört der Greif zu den Leitmotiven des skythisch-sakischen Tierstils. Goldbleche, Pferdegeschirr, Textilien, Tätowierungen der Pazyryk-Kurgane. Meist erscheint er im Kampf mit Hirsch, Pferd oder Steinbock.
Geografisch ist das nicht nebensächlich. Die Region führt Gold, und die antike Erzählung vom goldbewachenden Greif im fernen Nordosten bekommt dadurch eine reale wirtschaftsgeografische Grundlage, auch wenn das Tier keine hat.
### Griechenland
In der orientalisierenden Phase des 8. und 7. Jahrhunderts v. Chr. kommt der Greif nach Griechenland und erhält dort seine unverwechselbare Form: die bronzenen Greifenprotomen an Kesselrändern aus Olympia und Samos. Gestreckter Hals, weit geöffneter Schnabel, hervortretende Augen, steil aufgerichtete Ohren, ein Knauf auf der Stirn.
Diese Protome gehört zu den stärksten Kleinformen der antiken Kunst. Ich komme in Abschnitt 11 darauf zurück, weil sie für die Kleingrafik unmittelbar brauchbar ist.
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## 3. Antike
### Aristeas und Herodot
Die Quelle aller europäischen Greifenerzählungen ist ein verlorenes Epos, die *Arimaspeia* des Aristeas von Prokonnesos aus dem 7. oder 6. Jahrhundert v. Chr. Überliefert wird sie vor allem durch Herodot in den *Historien* III und IV.
Im äußersten Nordosten, jenseits der Skythen, bewachen Greifen das Gold; ihnen gegenüber stehen die einäugigen Arimaspen, die es ihnen abzujagen versuchen. Herodot referiert das ausdrücklich als Hörensagen und distanziert sich. Die antike Quelle ist also skeptischer als ihre spätere Nutzung.
Ktesias verlegt in den *Indika* dieselbe Konstellation nach Indien. Aelian und Plinius tradieren sie weiter, wobei Plinius den Greif ausdrücklich fabelhaft nennt.
Aischylos nennt im *Gefesselten Prometheus* die Greifen die scharfschnäbligen, nicht bellenden Hunde des Zeus. Eine der wenigen antiken Stellen, an denen ihre Rolle als Wachtier direkt benannt wird.
### Kult und Bild
Über die Hyperboreer-Verbindung wird der Greif zum apollinischen Tier, zieht dessen Wagen und erscheint auf apollinischen Münzen.
Wichtiger und in der Symbolliteratur unterbelichtet ist die Verbindung zur Nemesis. Der Greif ist ihr regelmäßiges Attribut, auf römischen Denkmälern und Gemmen häufig: die Vergeltung, der niemand entkommt.
Dazu Greifen im dionysischen Gefolge, oft neben dem Kessel. Und in Rom an Rüstungen, auf Grabaltären, in der Wandmalerei, an Möbelbeschlägen und Kandelabern. Am häufigsten ist die Grabwächterfunktion. Der Greif bewacht den Toten wie er das Gold bewacht.
### Persien
An den Palästen von Persepolis finden sich greifenartige Doppelprotomen als Säulenkapitelle. Hier ist terminologische Vorsicht angebracht: Neben echten Löwengreifen stehen dort Stier-, Löwen- und Homa-Vogelprotome, die in der Literatur pauschal als Greifen bezeichnet werden. Die achaimenidische Bildwelt kennt mehrere Mischwesen, und der Greif ist nur eines davon.
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## 4. Mittelalter
### Isidor und die Bestiarien
Die Schlüsselstelle steht bei Isidor von Sevilla in den *Etymologiae* XII: Der Greif sei vorne Adler, hinten Löwe, er sei Pferden feind und zerreiße Menschen. Über Isidor gelangt die Beschreibung in den Physiologus und von dort in sämtliche Bestiarien.
Bemerkenswert ist, dass Isidors Greif negativ besetzt ist. Er ist Raubwesen, nicht Wächter. Die mittelalterliche Buchtradition kennt ihn zunächst als Zeichen der Grausamkeit und Verfolgung, gelegentlich als Teufel.
### Die christologische Gegenlesart
Parallel und ebenso alt entwickelt sich die entgegengesetzte Deutung, und sie ist die theologisch interessantere. Weil der Greif zwei Naturen in einem Körper vereint, die himmlische des Adlers und die irdische des Löwen, wird er zum Bild Christi in seinen zwei Naturen, wahrer Gott und wahrer Mensch.
Kein anderes Fabelwesen ist für diese Aussage so passend gebaut. Der Greif ist im christlichen Kontext genau das, was er strukturell schon ist: eine Vereinigung ohne Vermischung, die Formel von Chalkedon in Tiergestalt.
### Dante
Im *Purgatorio* XXIX bis XXXII zieht ein Greif den Wagen der Kirche auf dem Gipfel des Läuterungsbergs. Seine adlerhaften Teile sind golden, die löwenhaften weiß und rot, und in Beatrices Augen sehen die Erlösten abwechselnd die eine und die andere Natur gespiegelt.
Das ist die dichteste und bewussteste Greifendeutung der Weltliteratur und der Grund, warum der Greif in der christlichen Ikonografie überhaupt Rang hat.
### Heraldik
Nach Löwe und Adler ist der Greif das wichtigste Wappentier Europas, und er beansprucht die Bedeutung beider.
Der steigende Greif (englisch *segreant*) ist die Standardstellung, dem Löwen rampant nachgebildet. Eine englische Besonderheit ist der männliche Greif (*male griffin*, auch *keythong*): ohne Flügel, dafür mit Stacheln oder Strahlen am Körper. Er wird regelmäßig verkannt.
Bei den Vorderläufen gibt es eine regionale Differenz, die sich zur Zuordnung nutzen lässt. Kanonisch sind Adlerfänge, aber Teile der deutschen Heraldik setzen Löwenpranken. Beides ist korrekt.
Ohren sind, wie gesagt, gefordert.
### Der pommersche Greif
Für den deutschen Ostseeraum das entscheidende Kapitel. Das Herzogshaus von Pommern, nach seinem Wappentier schlicht "die Greifen" genannt, führt den Greif seit dem 12. und 13. Jahrhundert. Daraus folgt eine dichte regionale Überlieferung: Greifswald, 1250 als Stadt privilegiert, mit redendem Wappen und einer 1456 gegründeten Universität, die den Greif bis heute führt. Dazu Rostock, Stralsund, Stettin und zahlreiche pommersche und mecklenburgische Kommunalwappen. Mecklenburg-Vorpommern führt ihn im Landeswappen.
Für Exlibris-Bestände des deutschen und polnischen Ostseeraums ist der Greif damit das regionale Leitmotiv schlechthin.
Daneben gibt es den Gryf als polnisches Wappengeschlecht (Herb Gryf), den Greif in schwedischen Provinzwappen wie Södermanland und Vorkommen im Baltikum und in Böhmen.
### Greifenklauen und Greifeneier
Einer der schönsten Befunde der mittelalterlichen Sachkultur. Kirchenschätze und fürstliche Kunstkammern bewahrten Greifenklauen (*ungues gryphi*) und Greifeneier auf, kostbar in Silber gefasst, teils als Trinkhörner, teils als Reliquiare.
Es handelt sich um Steinbock- oder Büffelhörner und um Straußeneier. Man hielt sie für Prüfmittel gegen Gift. Erhalten sind Stücke unter anderem in den Domschätzen von Braunschweig, Halberstadt und Prag sowie in etlichen Kunstkammerbeständen.
Der Greif ist damit das einzige Fabelwesen dieser Reihe, von dem materielle Belege in europäischen Sammlungen liegen. Ein Bild, das sich seine Realien geschaffen hat.
### Der Pisaner Greif
Eine über einen Meter hohe Bronzefigur, vermutlich 11. Jahrhundert, aus dem islamischen Westen, al-Andalus oder fatimidisches Ägypten. Sie stand jahrhundertelang auf dem Dach des Pisaner Doms und gilt als größte erhaltene islamische Metallskulptur. Herkunft und Weg nach Pisa sind bis heute umstritten; Beutestück, Handelsware und diplomatisches Geschenk werden gleichermaßen erwogen.
Als kommunales Gegenstück dazu der Bronzegreif von Perugia am Palazzo dei Priori, Wappentier der Stadt seit dem Mittelalter.
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## 5. Renaissance
### Der Greif wird Ornament
Die wichtigste Verschiebung der Epoche, und sie hat Folgen bis in die Auswertung von Exlibris-Beständen.
Nach der Entdeckung der Domus Aurea um 1480 werden die dort gefundenen antiken Wanddekorationen zum Vorbild der *grottesche*. Greifen gehören zum Kernbestand dieses Repertoires: bei Pinturicchio, in Raffaels Loggien (ausgeführt von Giovanni da Udine, 1517 bis 1519), in Möbel-, Silber- und Buchornamentik.
Die Funktion ändert sich damit grundlegend. Der Greif hört auf, etwas zu bedeuten, und wird Form. Wer Greifen in Renaissancerahmen, auf Titelblättern und in Buchornamentik deutet, deutet meistens zu viel.
### Wie aus einer Unmöglichkeit ein Reittier wurde
Vergil schreibt in der achten Ekloge: *iungentur iam grypes equis*, "nun werden sich Greifen mit Pferden paaren". Das ist ein Adynaton, eine Redefigur für das schlechthin Unmögliche, ungefähr wie "wenn Ostern und Pfingsten auf einen Tag fallen".
Anderthalb Jahrtausende später nimmt Ludovico Ariost im *Orlando furioso* (1516/1532) den Satz beim Wort und erfindet den Hippogryphen, halb Greif, halb Pferd, auf dem Astolfo und Ruggiero durch die Luft reiten, bis zum Mond.
Der Hippogryph ist also keine antike Gestalt, sondern eine literarische Erfindung des 16. Jahrhunderts, entstanden aus der bewussten Wörtlichnahme eines klassischen Unmöglichkeitstopos.
### Emblematik und Alchemie
In der Emblematik steht der Greif für Wachsamkeit, für die Verbindung von Stärke und Schnelligkeit, für den Schatzhüter und über Nemesis für die unentrinnbare Vergeltung.
In der Alchemie greift er eine bereits vorhandene Opposition auf. Der Adler bedeutet das Flüchtige, Sublimation und Merkur; der Löwe das Fixe. Der Greif vereinigt beide in einem Körper und ist damit das Bild der gelungenen *coniunctio*. Im hermetischen Bildvokabular ist er deshalb kein Ornament, sondern eine ziemlich präzise Operationsangabe.
### Buchdruck
Greifen erscheinen in Druckersigneten, auf Titeleinfassungen, als Wappenhalter auf Widmungsblättern. Der Übergang zur Exlibris-Grafik ist hier so unmittelbar wie bei allen heraldischen Motiven: dieselben Werkstätten, dieselben Stöcke.
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## 6. Moderne
### Heraldik und Institution
Anders als etwa die Rose bleibt der Greif weitgehend im heraldischen Register und wandert von dort in die Institutionssymbolik. Universitäten, Colleges, Bibliotheken, Banken, Versicherungen, Städte. Seine Botschaft ist dabei dieselbe wie vor viertausend Jahren: Hier wird etwas bewacht.
### Marken
Vauxhall führt einen Greif, der auf das Wappen des mittelalterlichen Grundherrn zurückgeht, von dessen Namen sich der Ortsname herleitet. Eines der wenigen Firmenlogos mit echter heraldischer Herkunft. Saab führte über die Verbindung zu Scania den Greif der schwedischen Provinz Skåne, und Scania-Lastwagen tragen ihn bis heute. Zahlreiche Banken und Versicherungen nutzen ihn aus demselben Grund wie die Antike.
### Populärkultur
Lewis Carrolls Gryphon in *Alice im Wunderland* (1865) ist ein gelangweilter, halbgebildeter Begleiter, der mit der Falschen Suppenschildkröte über eine absurde Schulzeit räsoniert. Die vollständige Entzauberung des Wächtertiers.
Bei Rowling trägt Gryffindor den Greif im Namen, und der Hippogryph Seidenschnabel macht Ariosts Erfindung weltbekannt, ohne dass die meisten Leser ihre Herkunft kennen. In Fantasy, Rollenspiel und Computerspiel ist der Greif inzwischen Standardwesen, meist in der Wächter- oder Reittierrolle, also durchaus traditionsgemäß.
### Ein Forschungsstreit
Der prominenteste moderne Beitrag zur Greifenforschung ist zugleich ihr größter Streitfall. <cite index="22-1">Die Protoceratops-Greif-Hypothese wurde 1993 von Adrienne Mayor und Michael Heaney in der Zeitschrift *Folklore* vorgeschlagen und in Mayors Buch *The First Fossil Hunters* (2000, zweite Auflage 2011) ausgebaut.</cite> <cite index="23-1">Sie besagt, dass Nomaden bei der Goldsuche in Zentralasien auf Fossilien des frühen Hornsauriers Protoceratops stießen und Erzählungen über dessen vogelartig geschnäbelte Knochen und Schädel weitertrugen.</cite>
<cite index="21-1">2024 haben Mark Witton und Richard Hing die These in *Interdisciplinary Science Reviews* geprüft und zurückgewiesen.</cite> Die Einzelheiten stehen in Abschnitt 14. Wissenschaftsgeschichtlich interessant ist vor allem der Verlauf: Eine attraktive Hypothese aus einem Randbereich wurde über drei Jahrzehnte zum Allgemeinwissen, ohne dass sie in dieser Zeit fachlich geprüft worden wäre.
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## 7. Bedeutungen in verschiedenen Kulturen
### Die zwei Register
Positiv besetzt ist der Greif als Wächter und Bewahrer, als Herrscher über Himmel und Erde, als Verbindung von Stärke und Schnelligkeit, über Nemesis als Vergeltung, über Apollon als Sonnentier und in der christlichen Auslegung als Christus in zwei Naturen.
Negativ steht er für Raubgier, Grausamkeit und Habsucht, für den Goldhüter, der nicht teilt, für die Feindschaft gegen den Menschen und in Teilen der Bestiarientradition für den Verfolger oder den Teufel.
Interessant ist die Verteilung: Die positive Linie dominiert in Heraldik und Bildkunst, die negative in der gelehrten Textüberlieferung des Mittelalters. Bei der Eule liegt es umgekehrt. Bild- und Texttraditionen sind also getrennt zu behandeln, und das gilt allgemein.
### Verbreitung
| Kulturraum | Präsenz | Bemerkung |
|---|---|---|
| Alter Orient, Elam, Levante | Ursprungsraum | apotropäisch, dämonisch |
| Ägypten | Ursprungsraum | königliche Gewalt; Schutzwesen auf Zaubermessern |
| Ägäis | hoch | Thronwächter |
| Griechenland und Rom | hoch | Goldhüter, Apollon, Nemesis, Grabwächter |
| Skythen und Steppe | sehr hoch | Leitmotiv des Tierstils |
| Lateinisches Mittelalter | hoch | Bestiarium, Heraldik, Christologie |
| Islamischer Raum | mittel | fürstlich-apotropäisch: Pisaner Greif, Textilien, Metallkunst |
| Slawischer Raum | mittel | Bauplastik in Wladimir-Susdal, polnischer Herb Gryf |
| Ostasien | nicht vorhanden | Qilin, Bixie und geflügelte Steinlöwen sind andere Wesen |
| Indien | abgeleitet | über achaimenidische Vermittlung; eigenständig ist Garuda |
Die aufschlussreichste Zeile ist die Leerstelle. In Ostasien gibt es keinen Greif. Die geflügelten Steinlöwen der Südlichen Dynastien und das Qilin sind eigene Typen mit eigener Geschichte. Der Greif ist ein westeurasisch-mediterranes Wesen mit klar begrenzter Verbreitung, und darin unterscheidet er sich von Sonne, Mond, Rose, Adler und Eule, die überall vorkommen.
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## 8. Religiöse Verwendung
### Alter Orient und die Kerubim
Die geflügelten Mischwesen des Alten Orients, die Throne und Heiligtümer bewachen, bilden die typologische Umgebung, aus der auch die biblischen Kerubim kommen. Sie bewachen den Zugang zum Garten (Gen 3,24) und flankieren die Bundeslade (Ex 25,18-22).
Gleichsetzen darf man das nicht. Kerub, Lamassu und Greif sind verwandte Typen mit gemeinsamer Funktion, aber verschiedene Wesen. Die Funktion, Wächter der Schwelle zu sein, ist identisch; die Gestalt ist es nicht.
### Christentum
Negativ bei Isidor und in den Bestiarien: Grausamkeit, Verfolgung, Teufel. Positiv als Bild der zwei Naturen Christi, bei Dante voll ausgearbeitet.
Baulich stehen Greifen an romanischen Portalen, auf Kapitellen, an Taufsteinen, Chorschranken und Lesepulten, und zwar durchgehend in der alten Wächterrolle, unabhängig von der Textexegese. Ein Greif am Portal bewacht die Schwelle. Er belehrt nicht.
Diese Spaltung zwischen Bau- und Buchtradition ist bei kaum einem anderen Motiv so deutlich.
### Islam
Kein religiöses Zeichen. Der Greif erscheint in fürstlicher Kunst, in Metallarbeiten, Seiden und Elfenbein, als Macht- und Schutzmotiv. Der Pisaner Greif ist das monumentalste erhaltene Beispiel.
### Iran
Der Greif steht im Umfeld des königlichen Glanzes (*xᵛarənah*). Streng davon zu trennen ist der Senmurv oder Simurgh, ein Hund-Vogel-Wesen der sasanidischen Kunst und der persischen Dichtung, das in der westlichen Literatur routinemäßig als Greif bezeichnet wird und keiner ist.
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## 9. Verwendung in Kunst
| Werk | Datierung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Rollsiegel aus Susa | 4./3. Jt. v. Chr. | früheste Löwengreifen |
| Zwei-Hunde-Palette, Hierakonpolis | um 3200 v. Chr. | greifartiges Wesen, prädynastisch |
| Ägyptische Zaubermesser | Mittleres Reich | Schutzwesen |
| Thronsaal von Knossos | um 1450-1400 v. Chr. | Greifen flankieren den Thron |
| "Griffin Warrior"-Grab, Pylos | um 1450 v. Chr. | Elfenbeinplatte, Fund von 2015 |
| Elfenbeine aus Nimrud und Megiddo | 9./8. Jh. v. Chr. | kanonische, exportfähige Form |
| Greifenprotomen, Olympia und Samos | 7. Jh. v. Chr. | stärkste griechische Kleinform |
| Pazyryk-Funde, Altai | 5.-3. Jh. v. Chr. | skythischer Tierstil |
| Kapitelle von Persepolis | 6./5. Jh. v. Chr. | Doppelprotome; Terminologie beachten |
| Römische Grabaltäre und Rüstungsreliefs | 1.-3. Jh. | Grabwächter |
| Greif von Pisa | 11. Jh. | größte erhaltene islamische Metallskulptur |
| Bronzegreif von Perugia | 12./13. Jh. | kommunales Wappentier |
| Dmitrijew-Kathedrale, Wladimir | um 1195 | Bauplastik der Rus |
| Greifenklauen und -eier in Domschätzen | 12.-16. Jh. | das Fabeltier bekommt Realien |
| Raffaels Loggien, Vatikan | 1517-19 | der Greif wird Ornament |
| Grotesken-Ornamentstiche | 16.-18. Jh. | Verbreitung als Formvokabular |
| Historismus-Architektur | 19. Jh. | Banken, Brücken, Bahnhöfe |
### Zur Technik
Im Kleinformat ist der Greif das schwierigste Motiv dieser Reihe, weil zwei Anatomien gleichzeitig lesbar bleiben müssen. Erprobt sind drei Lösungen: die heraldische Form des steigenden Greifs, die für Schild und Siegel entwickelt wurde und entsprechend robust ist; die griechische Protome, also nur Kopf und Hals; und die strenge Profilsilhouette, bei der Schnabel, Ohren und Löwenkruppe die tragenden Konturen bilden.
Kupferstich und Holzstich kommen dem Motiv entgegen, weil sich Gefieder und Fell gegeneinandersetzen lassen und dem Blatt Textur geben. Aquatinta und Schabkunst verschlucken genau diesen Kontrast.
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## 10. Verwendung in Literatur
### Antike
Aristeas von Prokonnesos, *Arimaspeia* (verloren). Herodot, *Historien* III und IV, mit den Goldwächtern und Arimaspen, ausdrücklich als Hörensagen referiert. Aischylos, *Prometheus*, mit den scharfschnäbligen Hunden des Zeus. Ktesias, *Indika*. Plinius, *Naturalis historia* X. Aelian, *De natura animalium*. Und Vergil, *Ecloge* VIII, mit dem Adynaton, aus dem später der Hippogryph wird.
### Mittelalter
Isidor von Sevilla, *Etymologiae* XII. Physiologus und Bestiarien. Dante, *Purgatorio* XXIX bis XXXII, mit dem Greif am Wagen der Kirche. Mandeville, dessen Greifen achtmal so groß sind wie Löwen und ein Pferd samt Reiter forttragen, das Muster der spätmittelalterlichen Reisefabel. Dazu Greifen als Wächter des Wunderbaren in der Artusepik.
### Frühe Neuzeit
Ariost, *Orlando furioso*, mit dem Hippogryphen. Spenser, *The Faerie Queene*. Milton, *Paradise Lost* II, wo Satans Flug mit dem Greif verglichen wird, der den goldraubenden Arimaspen verfolgt; Herodots Erzählung in der englischen Epik.
Und Andreas Gryphius (1616-1664), der schlesische Barockdichter, dessen Familienname Greif zu Gryphius latinisiert wurde. Der prominenteste Fall eines redenden Namens in der deutschen Literatur, und für das Exlibris von einiger Bedeutung.
### 19. und 20. Jahrhundert
Lewis Carroll, *Alice im Wunderland*. John Ruskin, der in *Modern Painters* eine berühmte Passage über den Greif der lombardischen Bauplastik geschrieben hat, als Beispiel echter statt bloß dekorativer Fantasie. Borges und Margarita Guerrero, deren Artikel zum Greif im *Buch der imaginären Wesen* (1957/1967) die knappste brauchbare Zusammenfassung der Überlieferung darstellt. Und Rowling.
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## 11. Verwendung auf Exlibris
### Warum ausgerechnet dieses Motiv passt
Bei Rose und Adler musste die Exlibris-Bedeutung erst hergeleitet werden. Hier liegt sie offen.
Der Greif bewacht seit fünftausend Jahren ununterbrochen einen Schatz. Das ist seine älteste und am besten belegte Funktion, von den elamischen Siegeln über Knossos, Herodots Goldwächter und die römischen Grabaltäre bis zu den Bankfassaden des 19. Jahrhunderts. Ein Exlibris wiederum ist nichts anderes als eine Besitz- und Wächtererklärung über einen Hort.
Kein anderes Wesen der Ikonografie hat für genau diese Aussage eine so lückenlose Traditionslinie. Auch die Eule nicht, deren Passung über die Nachtlektüre und die Athena-Linie läuft und damit einen Umweg braucht.
Die Formel, die sich daraus ergibt, lässt sich freundlich oder drohend ausführen: Wer ein Buch aus dieser Bibliothek nimmt, nimmt es einem Wächter weg.
### Redende Namen
Die Basis ist breiter, als man zunächst annimmt.
Deutsch: Greif, Greiff, Greiffenberg, Greifenhagen, Greifenstein, Greiffenclau, Greifzu. Latinisiert Gryphius und Gryphiander. Niederländisch Griffioen und De Griffioen. Englisch und walisisch Griffin, Griffiths, Griffith, wobei diese Namen etymologisch von *Gruffudd* kommen und nicht vom Fabeltier; das Wappen ist trotzdem redend, weil sich die Heraldik nach dem Klang richtet und nicht nach der Sprachgeschichte. Romanisch Grifo, Grifone, Grifoni, Griffoni, Grifi, spanisch Grifo. Polnisch und tschechisch Gryf, Gryfiński, Gryficki, dazu der Herb Gryf als Wappengemeinschaft. Und schließlich alle Träger einer Herkunft aus Greifswald, Greifenberg, Greiffenberg, Gryfice oder Gryfino.
Der Fall Gryphius verdient eigene Aufmerksamkeit. Die humanistische Latinisierung eines deutschen Namens über das Fabeltier ist selbst schon ein Exlibris-Gedanke: ein Name, der sich in ein Bild übersetzt. Für ein Sammlerblatt zur Barockliteratur ist das die naheliegendste Lösung überhaupt.
### Der Schatzwächter
Der inhaltliche Kerntyp, und aus meiner Sicht der ergiebigste. Greif über oder vor einem Bücherstapel, einem Regal, einer Truhe, einem Schlüssel.
Die Bildformel ist antik und braucht keine Modernisierung.
Eine Variante mit Biss wäre der Greif zusammen mit dem Arimaspen, also Wächter und Dieb im selben Blatt. Für einen Sammler, der schon einmal ein Buch nicht zurückbekommen hat, gibt es kein präziseres Motiv, und soweit ich sehe ist es im Exlibris unbesetzt.
### Der pommersche Greif
Für Bestände und Sammler des deutschen und polnischen Ostseeraums das regionale Leitmotiv: Greifswald mit Stadt und Universität, Rostock, Stralsund, Stettin, pommersche Adelsbibliotheken, Landeskunde- und Heimatsammlungen, Mecklenburg-Vorpommern.
Praktisch wichtig ist dabei etwas anderes. Wer einen pommerschen Greif auf einem Exlibris findet, hat damit in der Regel schon eine geografische Zuordnung. Bei einem Motiv, das sich sonst kaum lokalisieren lässt, ist das ein seltener Vorteil und für Provenienzarbeit an Ostseebeständen ein brauchbarer erster Filter.
### Heraldische Blätter
Der größte Bestand. Zu achten ist auf den steigenden Greif als Regelstellung und auf paarweise Wappenhalter. Der männliche Greif, flügellos und mit Stacheln, verrät fast immer englische Herkunft. Die Vorderläufe, Adlerfänge oder Löwenpranken, geben einen regionalen Hinweis.
Und eine Beobachtung, die sich statistisch bestätigen lässt: In Wappen von Archivaren, Bibliothekaren, Notaren und Kämmerern kommt der Greif überproportional häufig vor. Er ist das Zeichen des Amtes, das etwas verwahrt.
### Dantes Greif
Für Dante-Sammler, Italianisten, Mediävisten und theologisch interessierte Bibliophile. Entweder der Greif am Wagen, oder, reduzierter und für Kleingrafik geeigneter, der Greif mit goldenem Oberkörper und weiß-rotem Unterkörper, die zwei Naturen also als Farbaussage.
Ein Zweifarbendruck ist hier keine Dekoration, sondern inhaltlich zwingend, weil Dantes Greif über seine Farbverteilung definiert ist. Eines der wenigen Motive, bei denen sich ein zweiter Druckstock sachlich begründen lässt.
### Der alchemistische Greif
Für Sammler von Occulta, für Chemiker und Apotheker. Der Greif als vollzogene *coniunctio* von Flüchtigem und Fixem, ein im hermetischen Bildvokabular präzise definiertes Zeichen und kein bloßes Ornament. Häufig kombiniert mit Retorte, Ouroboros, Sonne und Mond. Die Blütezeit liegt im Symbolismus und Jugendstil.
### Grabwächter und Vanitas
Greif am Sarkophag, Greif mit Schädel, Greif mit gesenktem Kopf. Die römische Grabwächterfunktion ist gut belegt und im Exlibris kaum genutzt. Die Klientel ist dieselbe wie bei der Vanitas-Rose und der Vanitas-Eule, aber der Ton ist ein anderer. Der Greif trauert nicht. Er hält Wache.
### Wo Vorsicht angebracht ist
Ab dem 16. Jahrhundert erscheinen Greifen massenhaft in Grotesken-Rahmenwerk, in Kartuschen, Titeleinfassungen und Möbelornamentik. Auf Exlibris des 16. bis 19. Jahrhunderts sind sie deshalb sehr oft reines Dekor ohne symbolische Absicht.
Wer Bestände motivisch auswertet, muss also zwischen Bedeutungsträger und Rahmenfüllung trennen, sonst wird die Statistik unbrauchbar. Dasselbe Problem stellt sich bei der Jugendstil-Rose, hier aber schärfer, weil der Greif zum Standardvokabular der Grotesken gehört.
Die einfachste Unterscheidung: Ein Greif im Schild oder als Schildhalter ist Aussage. Ein Greif in der Rahmenecke ist Ornament.
### Ein Entwurfsvorschlag
Wenn ich für ein zeitgenössisches Greifen-Exlibris eine Empfehlung geben soll, dann diese.
Die bronzenen Greifenprotomen aus Olympia und Samos aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. gehören zu den stärksten Kleinformen, die die Antike hervorgebracht hat. Gestreckter Hals, offener Schnabel, steil aufgerichtete Ohren, Stirnknauf, hervortretendes Auge. Die Form ist stark reduziert, absolut wiedererkennbar und im Kleinformat lesbar, weil sie für die Sichtbarkeit am Kesselrand konstruiert wurde. Sie löst damit genau das Problem, an dem der vollständige Greif im Exlibris-Format scheitert.
Dazu kommt, dass sie antik, unverbraucht und im Bucheignerzeichen praktisch nicht vorhanden ist. Für einen Sammler antiker Literatur, für Archäologen oder Numismatiker wäre das ein Blatt mit Rang.
### Handwerkliches
Die Ohren nicht vergessen. Sie sind das entscheidende Erkennungsmerkmal, und ihre Auslassung ist der häufigste Zeichenfehler bei diesem Motiv.
Unter etwa 50 Millimetern sollte man den vollständigen Greif meiden und auf heraldische Form, Protome oder Profilsilhouette ausweichen.
Den Übergang von Gefieder zu Fell sichtbar lassen. Darin liegt der eigentliche Reiz des Motivs. Wer ihn glättet, verliert das Tier; wer ihn betont, gewinnt Textur, und im Kupfer- und Holzstich ist das der eigentliche Gestaltungsspielraum.
Verwechslungsgefahr besteht, in der Reihenfolge der Häufigkeit, mit dem geflügelten Markuslöwen (Löwenkopf, keine Adlerteile), der Sphinx (Menschenkopf), dem Anzu (Löwenkopf auf Adlerkörper, also die genaue Umkehrung), dem Hippogryphen (Pferdehinterteil), Wyvern und Lindwurm (Reptil, zwei Beine), dem Basilisken (Hahnenkopf, Schlangenschwanz) und dem Senmurv (Hundekopf, Pfauenschwanz).
### Devisen
Klassisch belegt sind unter anderem:
*Iungentur iam grypes equis* aus Vergils achter Ekloge, "nun paaren sich Greifen mit Pferden", die klassische Formel für das Unmögliche. Für ein ironisches Sammlerblatt hervorragend geeignet, und zugleich der Satz, aus dem Ariost den Hippogryphen gemacht hat.
*Gryphes aurum custodiunt* nach Herodot und Plinius, "Greifen bewachen das Gold". Die Sache selbst, in vier Wörtern.
*Custodi quod habes* nach Offb 3,11, "bewahre, was du hast". Für ein Bucheignerzeichen kaum zu übertreffen.
Dazu *Nemesis vigilat* zur Nemesis-Verbindung und *vigilando custodit* als heraldischer Devisentyp.
Als Neubildungen, und dann bitte auch als solche gekennzeichnet, kämen in Frage: *Custos thesauri*, *Caelo et terra*, *Fortis et velox*, *Duo in uno*.
### Wo man suchen kann
Wie in den vorangegangenen Studien: Museum Schloss Burgk an der Saale mit über 200.000 Blättern (Stand Juni 2025), Grundstock die 1981 übereignete Sammlung Heinicke. Bestände mit Zettelkatalogen nach Künstlern, Eignern und Motiven. Das Internationale Exlibriszentrum Sint-Niklaas, das Kunstmuseum Frederikshavn, das Klingspor-Museum Offenbach, das Gutenberg-Museum Mainz, die ÖNB Wien und E-Pics "Ex meis libris" der ETH-Bibliothek Zürich. Für die künstlerbezogene Suche die DEG-Werklisten.
Zwei Besonderheiten kommen bei diesem Motiv hinzu. Wegen des hohen heraldischen Anteils sind die Wappenexlibris-Verzeichnisse ergiebiger als die Motivkataloge; für den englischen Bereich sind das die Kataloge der Franks-Sammlung im British Museum, für den deutschen die einschlägigen Wappenbuchregister. Und für den pommerschen Greif lohnen die regionalen Bestände: Universitätsbibliothek Greifswald, Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin, Bibliothek der Universität Szczecin und die Stettiner Altbestände.
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## 12. Bekannte Künstler
### Exlibris und Buchgrafik
Bei diesem Motiv führt der Weg über die Heraldiker, nicht über die Symbolisten.
Otto Hupp (1859-1949) war der wichtigste deutsche Heraldiker seiner Zeit, und seine Wappenzeichnungen sind bis heute die Referenz für formal korrekte Greifendarstellungen. Emil Doepler der Jüngere (1855-1922) verband Heraldik und Buchgrafik in einer Hand. Adolf Matthias Hildebrandt (1844-1918) hat mit seiner *Wappenfibel* die Formvorstellungen einer ganzen Generation geprägt.
Dazu Alfred Cossmann aus Wien, der Kupferstich in äußerster Feinheit beherrschte, und Josef Sattler, dessen Buchkunst ein ausgeprägtes Fabelwesen-Repertoire aus Renaissance- und Grotesken-Rezeption enthält.
Weiter Marcus Behmer, Alois Kolb, Michel Fingesten, Emil Orlik, Willi Geiger und Melchior Lechter. Im englischen Bereich, wo der Greif besonders präsent ist, Eric Gill, Reynolds Stone und Joan Hassall. Für die Nachkriegszeit Mark Severin und Gerard Gaudaen in Belgien.
Die Liste ist indikativ. Ob und wie oft Greifen bei einem bestimmten Künstler vorkommen, muss über die DEG-Werklisten, die Wappenexlibris-Register und die Motivkataloge im Einzelfall geprüft werden. Bei diesem Motiv ist die heraldische Literatur übrigens ergiebiger als die Exlibris-Literatur.
### Freie Kunst und Architektur
Die unbekannten Meister von Knossos und Akrotiri, die Bronzegießer von Olympia und Samos, der Meister des Pisaner Greifs. Giovanni da Udine und Raffaels Werkstatt, Pinturicchio, die Lyoner Ornamentstecher um Bernard Salomon, Wenzel Jamnitzer und die Nürnberger Goldschmiede. Schinkel und die Berliner Bauplastik des Klassizismus. Und die weitgehend anonymen Bildhauer der Historismus-Architektur, denen der Greif seine größte quantitative Verbreitung verdankt.
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## 13. Interessante Anekdoten
**Greifenklauen im Domschatz.** In europäischen Kirchenschätzen und Kunstkammern liegen bis heute silbergefasste Greifenklauen und Greifeneier. Es sind Steinbock- oder Büffelhörner und Straußeneier. Man hielt sie für Prüfmittel gegen Gift und fasste sie als Trinkgefäße und Reliquiare. Der Greif ist damit das einzige Fabelwesen dieser Reihe, für das sich materielle Belege in europäischen Sammlungen finden lassen. Ein Bild, das sich seine eigenen Realien geschaffen hat.
**Aus einer Unmöglichkeit wird ein Reittier.** Vergil schrieb, nun würden sich Greifen mit Pferden paaren, und meinte damit das schlechthin Undenkbare. Anderthalb Jahrtausende später nahm Ariost den Satz wörtlich und erfand den Hippogryphen, auf dem seine Helden bis zum Mond fliegen. Das berühmteste Reittier der Fantasy-Literatur ist ein wörtlich genommener Unmöglichkeitstopos.
**Ein Greif auf dem Dom.** Der Pisaner Greif, vermutlich im 11. Jahrhundert in al-Andalus oder im fatimidischen Ägypten gegossen, stand jahrhundertelang auf dem Dach des Pisaner Doms. Eine islamische Bronze als Bekrönung einer katholischen Kathedrale. Wie er dorthin kam, ist bis heute ungeklärt.
**Eine Stadt heißt nach ihrem Wappentier.** Greifswald wurde 1250 als Stadt privilegiert, das Wappen ist redend, und die 1456 gegründete Universität führt den Greif bis heute. Wenige Städte tragen ein Fabelwesen so vollständig im Namen, im Wappen und in der Institutionsgeschichte.
**Ein Dichter latinisiert sich zum Fabeltier.** Andreas Gryphius, neben Opitz der bedeutendste deutsche Barockdichter, hieß mit Familiennamen Greif. Die humanistische Latinisierung machte daraus Gryphius, einen Namen, der zugleich ein Bild ist. Das ist genau die Operation, die ein redendes Exlibris vollzieht, nur zweihundert Jahre früher und im Namen statt im Blatt.
**Eine Hypothese, die dreißig Jahre lang niemand geprüft hat.** <cite index="22-1">Die These, der Greif gehe auf Protoceratops-Fossilien zurück, wurde 1993 vorgeschlagen und 2000 in Buchform ausgebaut.</cite> <cite index="24-1">Sie wurde eines der bekanntesten Beispiele für Fossilienfolklore überhaupt, erhielt aber kaum wissenschaftliche Prüfung</cite>, bis 2024 die erste ausführliche Untersuchung erschien und sie zurückwies. In der Zwischenzeit war sie fester Bestandteil von Büchern, Dokumentationen und Museumsausstellungen geworden.
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## 14. Irrtümer
**Der Greif geht auf Protoceratops-Fossilien zurück.**
Der prominenteste und aktuellste Irrtum zu diesem Motiv, und er verdient ausführliche Behandlung, weil er inzwischen überall steht.
<cite index="22-1">Die Hypothese wurde 1993 von Adrienne Mayor und Michael Heaney vorgeschlagen und in *The First Fossil Hunters* (2000, 2011) ausgebaut.</cite> <cite index="23-1">Sie nimmt an, dass Nomaden bei der Goldsuche in Zentralasien auf Fossilien des Hornsauriers Protoceratops stießen und Berichte über dessen schnabelartigen Schädel weitertrugen.</cite>
<cite index="21-1">2024 haben Mark Witton und Richard Hing die These in *Interdisciplinary Science Reviews* geprüft und keinen überzeugenden Zusammenhang gefunden.</cite> Die Einwände im Einzelnen:
<cite index="25-1">Die anatomischen Ähnlichkeiten überzeugen nicht, und die herangezogenen antiken Textstellen verbinden Fossil und Fabelwesen nicht plausibel.</cite> <cite index="21-1">Die Annahme, Dinosaurierskelette lägen halb freigelegt herum wie kürzlich verendete Tiere, trifft nicht zu; im Regelfall ist nur ein Bruchteil eines erodierenden Skeletts sichtbar, und auch das nur für geübte Augen.</cite> <cite index="19-1">Protoceratops hatte einen Schnabel und einen Nackenschild, aber keine Flügel; der Greif hat Flügel und keinen Nackenschild.</cite>
Chronologisch ist der Einwand am schwersten: <cite index="20-1">Der Greif lässt sich in der Kunst bis ins alte Ägypten und den Vorderen Orient zurückverfolgen und wird in Griechenland ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. populär</cite>, also lange vor jedem plausiblen zentralasiatischen Fossilkontakt.
<cite index="18-1">Widerspruch kam auch aus der Paläontologie: Paul Sereno hat die Argumentation scharf kritisiert, und Mark Norell bezweifelt den Zusammenhang ebenfalls.</cite>
Als wissenschaftsgeschichtliches Beispiel bleibt der Fall interessant. Als Ursprungserklärung ist er nicht mehr zitierfähig.
**Der geflügelte Löwe von Venedig ist ein Greif.**
Der Markuslöwe hat einen Löwenkopf und keinerlei Adlerteile. Er ist ein geflügelter Löwe und das Evangelistensymbol des Markus. Die häufigste Fehlbenennung überhaupt.
**Kerubim und Lamassu sind Greifen.**
Verwandte Typen mit gleicher Funktion, aber verschiedene Wesen. Der Lamassu hat Menschenkopf und Stier- oder Löwenkörper, die biblischen Kerubim sind gestaltlich gar nicht eindeutig festgelegt.
**Der Anzu-Vogel ist der Vorläufer des Greifs.**
Er ist die exakte Umkehrung: Löwenkopf auf Adlerkörper gegen Adlerkopf auf Löwenkörper. Beide Wesen sind alt und mesopotamisch beeinflusst, aber sie sind nicht dasselbe und nicht auseinander abgeleitet.
**Simurgh und Senmurv sind persische Greifen.**
Der Senmurv der sasanidischen Kunst ist ein Hund-Vogel-Wesen mit Pfauenschwanz, der Simurgh der persischen Dichtung ein Riesenvogel. Beide werden in westlicher Literatur routinemäßig als Greif bezeichnet und sind es nicht.
**Greifenklauen in Kirchenschätzen sind Fälschungen.**
Nicht im Sinne einer Täuschungsabsicht. Es sind Objekte einer intakten Weltdeutung, Hörner und Straußeneier, die als das identifiziert wurden, was das gelehrte Weltbild an dieser Stelle erwarten ließ. Das Urteil "Fälschung" projiziert einen modernen Wahrheitsbegriff zurück.
**Die Erzählung von den goldbewachenden Greifen ist reine Fantasie.**
Das Tier ist es, die Geografie nicht. Die Regionen, in die Herodot und Ktesias die Greifen verlegen, führen tatsächlich Gold, und der skythisch-sakische Raum, aus dem die Erzählung kommt, ist zugleich der Raum der reichsten Greifenkunst. Die Erzählung transportiert reales Wissen über Goldwege in fabelhafter Verpackung.
**Der Hippogryph ist ein antikes Fabelwesen.**
Eine Erfindung Ariosts von 1516/1532, abgeleitet aus einer vergilischen Redefigur. Vor Ariost gibt es ihn nicht. Dass er heute älter wirkt als der Greif selbst, ist eine Leistung des *Orlando furioso* und, in jüngerer Zeit, der Kinderliteratur.
**Der Greif ist ein universales Symbol.**
Hier unterscheidet er sich von allen anderen Motiven dieser Reihe. Er ist westeurasisch-mediterran. In Ostasien gibt es ihn nicht; Qilin, Bixie und die geflügelten Steinlöwen der Südlichen Dynastien sind eigene Wesen mit eigener Geschichte. Wer sie chinesische Greifen nennt, exportiert eine europäische Kategorie.
**Greif kommt von greifen.**
Volksetymologie. Das Wort kommt über lateinisch *gryphus* aus griechisch *grýps*, wahrscheinlich zu *grypós*, krumm oder hakennasig. Es beschreibt den Schnabel. Die deutsche Umdeutung ist sekundär, hat aber gewirkt.
**Der Greif hat keine Ohren.**
Er hat welche, und sie sind das entscheidende Erkennungsmerkmal.
**Der Greif ist im Mittelalter ein positives Christussymbol.**
Nur zum Teil. In der Bestiarientradition nach Isidor ist er zunächst negativ besetzt. Die christologische Deutung läuft parallel und wird erst bei Dante vollständig ausgearbeitet. Beide Traditionen bestehen gleichzeitig nebeneinander.
**Der Pisaner Greif ist ein pisanisches Werk.**
Er stammt aus dem islamischen Westen, wobei al-Andalus und Fatimidenägypten diskutiert werden. Herkunft, Datierung und Weg nach Pisa sind umstritten.
**Griffin und Griffith heißen Greif.**
Der walisische Name geht auf *Gruffudd* zurück, nicht auf das Fabeltier. Das Wappen ist trotzdem oft redend, weil die Heraldik sich nach dem Klang richtet. Ein guter Beleg dafür, dass redende Wappen keine sprachwissenschaftlichen Aussagen sind.
**Ein Greif auf einem Exlibris bedeutet immer etwas.**
Ab dem 16. Jahrhundert ist er sehr häufig reines Grotesken-Ornament ohne symbolische Absicht. Im Schild oder als Schildhalter ist er Aussage, in der Rahmenecke Dekor.
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## 15. Quellen
### Übersichten und Monografien
Ingrid Krauskopf u. a., Artikel "Gryps", in: *Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae* (LIMC), Bd. VIII, Zürich und Düsseldorf 1997. Die wichtigste ikonografische Materialsammlung zur antiken Greifendarstellung.
Ann Farkas u. a. (Hrsg.): *Monsters and Demons in the Ancient and Medieval Worlds*, Mainz 1987, mit einschlägigen Greifenbeiträgen.
Rudolf Wittkower: "Eagle and Serpent" und "Marvels of the East", beide im *Journal of the Warburg and Courtauld Institutes* (1939 bzw. 1942). Klassisch zur Wanderung orientalischer Mischwesenmotive nach Europa.
Jorge Luis Borges und Margarita Guerrero: *El libro de los seres imaginarios*, Buenos Aires 1967, deutsch als *Einhorn, Sphinx und Salamander*. Knapp und zuverlässig.
### Nachschlagewerke
*Lexikon der christlichen Ikonographie* (LCI), Art. "Greif". *Reallexikon für Antike und Christentum* (RAC), Art. "Greif". *Reallexikon der Assyriologie* (RlA), Art. "Mischwesen" und "Anzu". Chevalier und Gheerbrant, *Dictionnaire des symboles*. Lurker, *Wörterbuch der Symbolik* (Kröner).
### Archäologie und Antike
Ulf Jantzen: *Griechische Greifenkessel*, Berlin 1955. Standardwerk zu den Protomen von Olympia und Samos.
Herodot, *Historien* III und IV. Aischylos, *Prometheus*. Plinius, *Naturalis historia* X. Aelian, *De natura animalium*.
Zum Griffin Warrior die Publikationen des Pylos-Projekts der University of Cincinnati (Jack L. Davis und Sharon R. Stocker, ab 2016). Zur skythischen Kunst die Ausstellungs- und Bestandskataloge zu den Pazyryk-Funden in der Eremitage.
### Mittelalter
Isidor von Sevilla, *Etymologiae* XII. *Physiologus*, übersetzt und herausgegeben von Otto Seel. Das *Aberdeen Bestiary* (MS 24, University of Aberdeen), vollständig digitalisiert. Michel Pastoureau: *Bestiaires du Moyen Âge*, Paris 2011.
Dante, *Commedia*, *Purgatorio* XXIX bis XXXII, mit den Kommentaren von Singleton und Chiavacci Leonardi.
Zum Pisaner Greif die Forschungsbeiträge von Anna Contadini und anderen im Rahmen des *Pisa Griffin and the Mari-Cha Lion Project* an der SOAS London.
### Heraldik
Ottfried Neubecker: *Heraldik. Wappen, ihr Ursprung, Sinn und Wert*, Frankfurt am Main 1977. Adolf Matthias Hildebrandt: *Wappenfibel*, zuerst Frankfurt am Main 1887, fortgeführt vom Herold-Verein. Gert Oswald: *Lexikon der Heraldik*, Leipzig 1984. Arthur Charles Fox-Davies: *A Complete Guide to Heraldry*, London 1909, zum *male griffin*.
Für den pommerschen Greif die landeskundliche Literatur zu den Herzögen von Pommern und zur Wappengeschichte Mecklenburg-Vorpommerns.
### Zur Protoceratops-Debatte
Adrienne Mayor und Michael Heaney: "Griffins and Arimaspeans", *Folklore* 104 (1993).
Adrienne Mayor: *The First Fossil Hunters*, Princeton 2000, 2. Aufl. 2011.
Mark P. Witton und Richard A. Hing: "Did the horned dinosaur *Protoceratops* inspire the griffin?", *Interdisciplinary Science Reviews*, online 20. Juni 2024, doi: 10.1177/03080188241255543.
### Exlibris
Walter von zur Westen: *Exlibris (Bucheignerzeichen)*, Bielefeld und Leipzig 1901, 2. Aufl. 1909. Norbert H. Ott: *Exlibris. Zur Geschichte ihrer Motive, ihrer Gestaltungsformen und ihrer Techniken*. Otto Hupp: *Münchener Kalender*, Wappenjahrgänge.
*Jahrbuch der Deutschen Exlibris-Gesellschaft*, fortlaufend, dazu das DEG-Magazin und das PDF-Archiv der DEG-Mitteilungen. Die DEG-Werklisten unter https://exlibris-deg.de/exlibris-werklisten/ und das Verzeichnis öffentlicher Bestände unter https://exlibris-deg.de/weitere-exlibris-archive/. FISAE-Kongressbände und Länderberichte. E-Pics "Ex meis libris" der ETH-Bibliothek Zürich. Für Wappenexlibris die Kataloge der Franks-Sammlung im British Museum.
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*Zur Belastbarkeit: Auflagen, Erscheinungsjahre und Seitenzahlen sollten vor einer Publikation am Original oder im Bibliothekskatalog geprüft werden. Die Abschnitte zu Ägypten, Persepolis, zum Pisaner Greif und die Irrtümerliste enthalten Positionen, die ich bewusst als strittig oder offen gekennzeichnet habe. Der Abschnitt zur Protoceratops-These gibt den Stand von Juni 2024 wieder; vor einer Veröffentlichung wäre zu prüfen, ob inzwischen eine Erwiderung erschienen ist.*
**Eine kultur- und kunsthistorische Symbolstudie**
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## Vorbemerkung
Der Greif ist kein Tier. Er ist eine Konstruktion, und das unterscheidet ihn von allem, was hier bisher behandelt wurde. Es gibt keinen Vogel, keine Pflanze, keinen Himmelskörper, an dem sich eine Deutung überprüfen ließe. Was der Greif bedeutet, ergibt sich ausschließlich daraus, wie er zusammengesetzt ist.
Also liegt die Bedeutung in der Fügung. Adler oben, Löwe unten; Luft und Erde; die beiden Tiere, die in praktisch allen eurasischen Kulturen als Könige ihres Bereichs gelten. Wer den Greif als "Adler plus Löwe" liest, hat ihn addiert, aber nicht verstanden. Gemeint ist etwas Drittes: Herrschaft, die in beiden Sphären gilt.
Zwei praktische Warnungen noch.
Die Bestimmungsprobleme sind erheblich. In der Symbolliteratur heißt vieles Greif, was keiner ist: der geflügelte Markuslöwe, die Sphinx, der assyrische Lamassu, der iranische Senmurv, der Hippogryph, der mesopotamische Anzu. Beim Anzu ist die Verwechslung besonders lehrreich, weil er die genaue Umkehrung darstellt. Löwenkopf auf Adlerkörper statt Adlerkopf auf Löwenkörper. Ohne saubere Typenunterscheidung lässt sich zu diesem Motiv nichts Belastbares sagen.
Und: Die bekannteste Ursprungserklärung ist inzwischen widerlegt. Die Herleitung des Greifs aus fossilen Protoceratops-Funden geistert durch Bücher, Dokumentationen und Museumsausstellungen, hat aber 2024 eine ausführliche Prüfung nicht überstanden. Näheres in Abschnitt 14.
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## 1. Ursprung
### Wie er aussieht
Kopf, Schnabel, Flügel und Vorderläufe stammen vom Adler, Rumpf, Hinterläufe und Schwanz vom Löwen. Dazu kommen aufgestellte Ohren, und die sind wichtiger, als man denkt: Sie sind das zuverlässigste Erkennungsmerkmal überhaupt. Ein Adler hat keine. Wer sie weglässt, zeichnet einen geflügelten Löwen mit Vogelkopf, aber keinen Greif.
### Was er bedeutet
Die Kombination ist alles andere als beliebig. Sie stapelt zwei Superlative übereinander und ergibt damit ein Tier, gegen das kein Tier besteht.
Daraus folgt die Funktion, und die ist über fünf Jahrtausende erstaunlich konstant geblieben: Der Greif bewacht. Throne, Tempelschwellen, Gräber, Schätze, Grenzen. Von den elamischen Rollsiegeln über den Thronsaal von Knossos, die skythischen Goldbleche und die romanischen Kirchenportale bis zu den Bankfassaden des Historismus tut er immer dasselbe. Die Herrschaftsdeutung kommt später dazu, die christologische noch viel später.
Für jede Anwendung ist das die brauchbarste Grundlage, auch für die im Exlibris.
### Woher das Wort kommt
Deutsch *Greif* über lateinisch *gryphus* aus griechisch γρύψ (*grýps*), wahrscheinlich zu *grypós*, "krumm, hakennasig". Das Wort beschreibt also den Schnabel.
Die im Deutschen naheliegende Verbindung zu *greifen* ist Volksetymologie. Sie ist sekundär und lautgeschichtlich nicht haltbar, hat aber gewirkt: Sie hat das Bild vom packenden, raubenden Greif erheblich verstärkt. Für die Namenkunde ist das relevant, weil Familiennamen auf Greif- teils vom Fabeltier, teils vom Verb kommen können.
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## 2. Früheste archäologische Belege
### Alter Orient und Elam
Löwengreifen erscheinen auf Rollsiegeln aus Susa und Mesopotamien bereits im 4. und frühen 3. Jahrtausend v. Chr. Sie sind dort apotropäisch und dämonisch. Schutz- und Schreckwesen, keine Wappentiere.
Die syrisch-levantinischen Elfenbeinschnitzereien des 9. und 8. Jahrhunderts v. Chr. aus Nimrud, Megiddo und Arslan Tash bringen den Typus dann in eine kanonische Form, die sich exportieren lässt. Über diese Kleinkunst, über Möbeleinlagen, Kästchen und Schalen, wandert der Greif in den gesamten Mittelmeerraum.
### Ägypten
Greifartige Mischwesen sind schon prädynastisch belegt, unter anderem auf der Zwei-Hunde-Palette aus Hierakonpolis (um 3200 v. Chr.). Im Alten und Mittleren Reich steht der Greif für königliche Gewalt, die Feinde niedertritt; auf den magischen Messern des Mittleren Reichs dient er als Schutzwesen gegen Dämonen. Später tritt er in die Nähe des Month.
Ägypten ist damit einer der Ursprungsräume, nicht bloß Empfänger.
### Die Ägäis
Der ikonografische Höhepunkt der Bronzezeit steht im Thronsaal von Knossos (etwa 1450 bis 1400 v. Chr.): Zwei Greifen flankieren den Steinthron. Verwandte Fresken gibt es in Akrotiri auf Thera und in mykenischen Palästen.
Damit ist die Grundformel in reinster Form vorhanden. Der Greif bewacht den Sitz der Macht. Sämtliche späteren Thronwächter, Portallöwen und Wappenhalter Europas stehen typologisch in dieser Linie.
Ergänzend: Das 2015 in Pylos entdeckte, außergewöhnlich reich ausgestattete mykenische Kriegergrab wurde nach einer beigegebenen Elfenbeinplatte mit Greifendarstellung als "Griffin Warrior" bekannt. Einer der wichtigsten ägäischen Funde der letzten Jahrzehnte.
### Steppe und Skythen
Von der Ukraine bis zum Altai gehört der Greif zu den Leitmotiven des skythisch-sakischen Tierstils. Goldbleche, Pferdegeschirr, Textilien, Tätowierungen der Pazyryk-Kurgane. Meist erscheint er im Kampf mit Hirsch, Pferd oder Steinbock.
Geografisch ist das nicht nebensächlich. Die Region führt Gold, und die antike Erzählung vom goldbewachenden Greif im fernen Nordosten bekommt dadurch eine reale wirtschaftsgeografische Grundlage, auch wenn das Tier keine hat.
### Griechenland
In der orientalisierenden Phase des 8. und 7. Jahrhunderts v. Chr. kommt der Greif nach Griechenland und erhält dort seine unverwechselbare Form: die bronzenen Greifenprotomen an Kesselrändern aus Olympia und Samos. Gestreckter Hals, weit geöffneter Schnabel, hervortretende Augen, steil aufgerichtete Ohren, ein Knauf auf der Stirn.
Diese Protome gehört zu den stärksten Kleinformen der antiken Kunst. Ich komme in Abschnitt 11 darauf zurück, weil sie für die Kleingrafik unmittelbar brauchbar ist.
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## 3. Antike
### Aristeas und Herodot
Die Quelle aller europäischen Greifenerzählungen ist ein verlorenes Epos, die *Arimaspeia* des Aristeas von Prokonnesos aus dem 7. oder 6. Jahrhundert v. Chr. Überliefert wird sie vor allem durch Herodot in den *Historien* III und IV.
Im äußersten Nordosten, jenseits der Skythen, bewachen Greifen das Gold; ihnen gegenüber stehen die einäugigen Arimaspen, die es ihnen abzujagen versuchen. Herodot referiert das ausdrücklich als Hörensagen und distanziert sich. Die antike Quelle ist also skeptischer als ihre spätere Nutzung.
Ktesias verlegt in den *Indika* dieselbe Konstellation nach Indien. Aelian und Plinius tradieren sie weiter, wobei Plinius den Greif ausdrücklich fabelhaft nennt.
Aischylos nennt im *Gefesselten Prometheus* die Greifen die scharfschnäbligen, nicht bellenden Hunde des Zeus. Eine der wenigen antiken Stellen, an denen ihre Rolle als Wachtier direkt benannt wird.
### Kult und Bild
Über die Hyperboreer-Verbindung wird der Greif zum apollinischen Tier, zieht dessen Wagen und erscheint auf apollinischen Münzen.
Wichtiger und in der Symbolliteratur unterbelichtet ist die Verbindung zur Nemesis. Der Greif ist ihr regelmäßiges Attribut, auf römischen Denkmälern und Gemmen häufig: die Vergeltung, der niemand entkommt.
Dazu Greifen im dionysischen Gefolge, oft neben dem Kessel. Und in Rom an Rüstungen, auf Grabaltären, in der Wandmalerei, an Möbelbeschlägen und Kandelabern. Am häufigsten ist die Grabwächterfunktion. Der Greif bewacht den Toten wie er das Gold bewacht.
### Persien
An den Palästen von Persepolis finden sich greifenartige Doppelprotomen als Säulenkapitelle. Hier ist terminologische Vorsicht angebracht: Neben echten Löwengreifen stehen dort Stier-, Löwen- und Homa-Vogelprotome, die in der Literatur pauschal als Greifen bezeichnet werden. Die achaimenidische Bildwelt kennt mehrere Mischwesen, und der Greif ist nur eines davon.
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## 4. Mittelalter
### Isidor und die Bestiarien
Die Schlüsselstelle steht bei Isidor von Sevilla in den *Etymologiae* XII: Der Greif sei vorne Adler, hinten Löwe, er sei Pferden feind und zerreiße Menschen. Über Isidor gelangt die Beschreibung in den Physiologus und von dort in sämtliche Bestiarien.
Bemerkenswert ist, dass Isidors Greif negativ besetzt ist. Er ist Raubwesen, nicht Wächter. Die mittelalterliche Buchtradition kennt ihn zunächst als Zeichen der Grausamkeit und Verfolgung, gelegentlich als Teufel.
### Die christologische Gegenlesart
Parallel und ebenso alt entwickelt sich die entgegengesetzte Deutung, und sie ist die theologisch interessantere. Weil der Greif zwei Naturen in einem Körper vereint, die himmlische des Adlers und die irdische des Löwen, wird er zum Bild Christi in seinen zwei Naturen, wahrer Gott und wahrer Mensch.
Kein anderes Fabelwesen ist für diese Aussage so passend gebaut. Der Greif ist im christlichen Kontext genau das, was er strukturell schon ist: eine Vereinigung ohne Vermischung, die Formel von Chalkedon in Tiergestalt.
### Dante
Im *Purgatorio* XXIX bis XXXII zieht ein Greif den Wagen der Kirche auf dem Gipfel des Läuterungsbergs. Seine adlerhaften Teile sind golden, die löwenhaften weiß und rot, und in Beatrices Augen sehen die Erlösten abwechselnd die eine und die andere Natur gespiegelt.
Das ist die dichteste und bewussteste Greifendeutung der Weltliteratur und der Grund, warum der Greif in der christlichen Ikonografie überhaupt Rang hat.
### Heraldik
Nach Löwe und Adler ist der Greif das wichtigste Wappentier Europas, und er beansprucht die Bedeutung beider.
Der steigende Greif (englisch *segreant*) ist die Standardstellung, dem Löwen rampant nachgebildet. Eine englische Besonderheit ist der männliche Greif (*male griffin*, auch *keythong*): ohne Flügel, dafür mit Stacheln oder Strahlen am Körper. Er wird regelmäßig verkannt.
Bei den Vorderläufen gibt es eine regionale Differenz, die sich zur Zuordnung nutzen lässt. Kanonisch sind Adlerfänge, aber Teile der deutschen Heraldik setzen Löwenpranken. Beides ist korrekt.
Ohren sind, wie gesagt, gefordert.
### Der pommersche Greif
Für den deutschen Ostseeraum das entscheidende Kapitel. Das Herzogshaus von Pommern, nach seinem Wappentier schlicht "die Greifen" genannt, führt den Greif seit dem 12. und 13. Jahrhundert. Daraus folgt eine dichte regionale Überlieferung: Greifswald, 1250 als Stadt privilegiert, mit redendem Wappen und einer 1456 gegründeten Universität, die den Greif bis heute führt. Dazu Rostock, Stralsund, Stettin und zahlreiche pommersche und mecklenburgische Kommunalwappen. Mecklenburg-Vorpommern führt ihn im Landeswappen.
Für Exlibris-Bestände des deutschen und polnischen Ostseeraums ist der Greif damit das regionale Leitmotiv schlechthin.
Daneben gibt es den Gryf als polnisches Wappengeschlecht (Herb Gryf), den Greif in schwedischen Provinzwappen wie Södermanland und Vorkommen im Baltikum und in Böhmen.
### Greifenklauen und Greifeneier
Einer der schönsten Befunde der mittelalterlichen Sachkultur. Kirchenschätze und fürstliche Kunstkammern bewahrten Greifenklauen (*ungues gryphi*) und Greifeneier auf, kostbar in Silber gefasst, teils als Trinkhörner, teils als Reliquiare.
Es handelt sich um Steinbock- oder Büffelhörner und um Straußeneier. Man hielt sie für Prüfmittel gegen Gift. Erhalten sind Stücke unter anderem in den Domschätzen von Braunschweig, Halberstadt und Prag sowie in etlichen Kunstkammerbeständen.
Der Greif ist damit das einzige Fabelwesen dieser Reihe, von dem materielle Belege in europäischen Sammlungen liegen. Ein Bild, das sich seine Realien geschaffen hat.
### Der Pisaner Greif
Eine über einen Meter hohe Bronzefigur, vermutlich 11. Jahrhundert, aus dem islamischen Westen, al-Andalus oder fatimidisches Ägypten. Sie stand jahrhundertelang auf dem Dach des Pisaner Doms und gilt als größte erhaltene islamische Metallskulptur. Herkunft und Weg nach Pisa sind bis heute umstritten; Beutestück, Handelsware und diplomatisches Geschenk werden gleichermaßen erwogen.
Als kommunales Gegenstück dazu der Bronzegreif von Perugia am Palazzo dei Priori, Wappentier der Stadt seit dem Mittelalter.
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## 5. Renaissance
### Der Greif wird Ornament
Die wichtigste Verschiebung der Epoche, und sie hat Folgen bis in die Auswertung von Exlibris-Beständen.
Nach der Entdeckung der Domus Aurea um 1480 werden die dort gefundenen antiken Wanddekorationen zum Vorbild der *grottesche*. Greifen gehören zum Kernbestand dieses Repertoires: bei Pinturicchio, in Raffaels Loggien (ausgeführt von Giovanni da Udine, 1517 bis 1519), in Möbel-, Silber- und Buchornamentik.
Die Funktion ändert sich damit grundlegend. Der Greif hört auf, etwas zu bedeuten, und wird Form. Wer Greifen in Renaissancerahmen, auf Titelblättern und in Buchornamentik deutet, deutet meistens zu viel.
### Wie aus einer Unmöglichkeit ein Reittier wurde
Vergil schreibt in der achten Ekloge: *iungentur iam grypes equis*, "nun werden sich Greifen mit Pferden paaren". Das ist ein Adynaton, eine Redefigur für das schlechthin Unmögliche, ungefähr wie "wenn Ostern und Pfingsten auf einen Tag fallen".
Anderthalb Jahrtausende später nimmt Ludovico Ariost im *Orlando furioso* (1516/1532) den Satz beim Wort und erfindet den Hippogryphen, halb Greif, halb Pferd, auf dem Astolfo und Ruggiero durch die Luft reiten, bis zum Mond.
Der Hippogryph ist also keine antike Gestalt, sondern eine literarische Erfindung des 16. Jahrhunderts, entstanden aus der bewussten Wörtlichnahme eines klassischen Unmöglichkeitstopos.
### Emblematik und Alchemie
In der Emblematik steht der Greif für Wachsamkeit, für die Verbindung von Stärke und Schnelligkeit, für den Schatzhüter und über Nemesis für die unentrinnbare Vergeltung.
In der Alchemie greift er eine bereits vorhandene Opposition auf. Der Adler bedeutet das Flüchtige, Sublimation und Merkur; der Löwe das Fixe. Der Greif vereinigt beide in einem Körper und ist damit das Bild der gelungenen *coniunctio*. Im hermetischen Bildvokabular ist er deshalb kein Ornament, sondern eine ziemlich präzise Operationsangabe.
### Buchdruck
Greifen erscheinen in Druckersigneten, auf Titeleinfassungen, als Wappenhalter auf Widmungsblättern. Der Übergang zur Exlibris-Grafik ist hier so unmittelbar wie bei allen heraldischen Motiven: dieselben Werkstätten, dieselben Stöcke.
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## 6. Moderne
### Heraldik und Institution
Anders als etwa die Rose bleibt der Greif weitgehend im heraldischen Register und wandert von dort in die Institutionssymbolik. Universitäten, Colleges, Bibliotheken, Banken, Versicherungen, Städte. Seine Botschaft ist dabei dieselbe wie vor viertausend Jahren: Hier wird etwas bewacht.
### Marken
Vauxhall führt einen Greif, der auf das Wappen des mittelalterlichen Grundherrn zurückgeht, von dessen Namen sich der Ortsname herleitet. Eines der wenigen Firmenlogos mit echter heraldischer Herkunft. Saab führte über die Verbindung zu Scania den Greif der schwedischen Provinz Skåne, und Scania-Lastwagen tragen ihn bis heute. Zahlreiche Banken und Versicherungen nutzen ihn aus demselben Grund wie die Antike.
### Populärkultur
Lewis Carrolls Gryphon in *Alice im Wunderland* (1865) ist ein gelangweilter, halbgebildeter Begleiter, der mit der Falschen Suppenschildkröte über eine absurde Schulzeit räsoniert. Die vollständige Entzauberung des Wächtertiers.
Bei Rowling trägt Gryffindor den Greif im Namen, und der Hippogryph Seidenschnabel macht Ariosts Erfindung weltbekannt, ohne dass die meisten Leser ihre Herkunft kennen. In Fantasy, Rollenspiel und Computerspiel ist der Greif inzwischen Standardwesen, meist in der Wächter- oder Reittierrolle, also durchaus traditionsgemäß.
### Ein Forschungsstreit
Der prominenteste moderne Beitrag zur Greifenforschung ist zugleich ihr größter Streitfall. <cite index="22-1">Die Protoceratops-Greif-Hypothese wurde 1993 von Adrienne Mayor und Michael Heaney in der Zeitschrift *Folklore* vorgeschlagen und in Mayors Buch *The First Fossil Hunters* (2000, zweite Auflage 2011) ausgebaut.</cite> <cite index="23-1">Sie besagt, dass Nomaden bei der Goldsuche in Zentralasien auf Fossilien des frühen Hornsauriers Protoceratops stießen und Erzählungen über dessen vogelartig geschnäbelte Knochen und Schädel weitertrugen.</cite>
<cite index="21-1">2024 haben Mark Witton und Richard Hing die These in *Interdisciplinary Science Reviews* geprüft und zurückgewiesen.</cite> Die Einzelheiten stehen in Abschnitt 14. Wissenschaftsgeschichtlich interessant ist vor allem der Verlauf: Eine attraktive Hypothese aus einem Randbereich wurde über drei Jahrzehnte zum Allgemeinwissen, ohne dass sie in dieser Zeit fachlich geprüft worden wäre.
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## 7. Bedeutungen in verschiedenen Kulturen
### Die zwei Register
Positiv besetzt ist der Greif als Wächter und Bewahrer, als Herrscher über Himmel und Erde, als Verbindung von Stärke und Schnelligkeit, über Nemesis als Vergeltung, über Apollon als Sonnentier und in der christlichen Auslegung als Christus in zwei Naturen.
Negativ steht er für Raubgier, Grausamkeit und Habsucht, für den Goldhüter, der nicht teilt, für die Feindschaft gegen den Menschen und in Teilen der Bestiarientradition für den Verfolger oder den Teufel.
Interessant ist die Verteilung: Die positive Linie dominiert in Heraldik und Bildkunst, die negative in der gelehrten Textüberlieferung des Mittelalters. Bei der Eule liegt es umgekehrt. Bild- und Texttraditionen sind also getrennt zu behandeln, und das gilt allgemein.
### Verbreitung
| Kulturraum | Präsenz | Bemerkung |
|---|---|---|
| Alter Orient, Elam, Levante | Ursprungsraum | apotropäisch, dämonisch |
| Ägypten | Ursprungsraum | königliche Gewalt; Schutzwesen auf Zaubermessern |
| Ägäis | hoch | Thronwächter |
| Griechenland und Rom | hoch | Goldhüter, Apollon, Nemesis, Grabwächter |
| Skythen und Steppe | sehr hoch | Leitmotiv des Tierstils |
| Lateinisches Mittelalter | hoch | Bestiarium, Heraldik, Christologie |
| Islamischer Raum | mittel | fürstlich-apotropäisch: Pisaner Greif, Textilien, Metallkunst |
| Slawischer Raum | mittel | Bauplastik in Wladimir-Susdal, polnischer Herb Gryf |
| Ostasien | nicht vorhanden | Qilin, Bixie und geflügelte Steinlöwen sind andere Wesen |
| Indien | abgeleitet | über achaimenidische Vermittlung; eigenständig ist Garuda |
Die aufschlussreichste Zeile ist die Leerstelle. In Ostasien gibt es keinen Greif. Die geflügelten Steinlöwen der Südlichen Dynastien und das Qilin sind eigene Typen mit eigener Geschichte. Der Greif ist ein westeurasisch-mediterranes Wesen mit klar begrenzter Verbreitung, und darin unterscheidet er sich von Sonne, Mond, Rose, Adler und Eule, die überall vorkommen.
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## 8. Religiöse Verwendung
### Alter Orient und die Kerubim
Die geflügelten Mischwesen des Alten Orients, die Throne und Heiligtümer bewachen, bilden die typologische Umgebung, aus der auch die biblischen Kerubim kommen. Sie bewachen den Zugang zum Garten (Gen 3,24) und flankieren die Bundeslade (Ex 25,18-22).
Gleichsetzen darf man das nicht. Kerub, Lamassu und Greif sind verwandte Typen mit gemeinsamer Funktion, aber verschiedene Wesen. Die Funktion, Wächter der Schwelle zu sein, ist identisch; die Gestalt ist es nicht.
### Christentum
Negativ bei Isidor und in den Bestiarien: Grausamkeit, Verfolgung, Teufel. Positiv als Bild der zwei Naturen Christi, bei Dante voll ausgearbeitet.
Baulich stehen Greifen an romanischen Portalen, auf Kapitellen, an Taufsteinen, Chorschranken und Lesepulten, und zwar durchgehend in der alten Wächterrolle, unabhängig von der Textexegese. Ein Greif am Portal bewacht die Schwelle. Er belehrt nicht.
Diese Spaltung zwischen Bau- und Buchtradition ist bei kaum einem anderen Motiv so deutlich.
### Islam
Kein religiöses Zeichen. Der Greif erscheint in fürstlicher Kunst, in Metallarbeiten, Seiden und Elfenbein, als Macht- und Schutzmotiv. Der Pisaner Greif ist das monumentalste erhaltene Beispiel.
### Iran
Der Greif steht im Umfeld des königlichen Glanzes (*xᵛarənah*). Streng davon zu trennen ist der Senmurv oder Simurgh, ein Hund-Vogel-Wesen der sasanidischen Kunst und der persischen Dichtung, das in der westlichen Literatur routinemäßig als Greif bezeichnet wird und keiner ist.
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## 9. Verwendung in Kunst
| Werk | Datierung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Rollsiegel aus Susa | 4./3. Jt. v. Chr. | früheste Löwengreifen |
| Zwei-Hunde-Palette, Hierakonpolis | um 3200 v. Chr. | greifartiges Wesen, prädynastisch |
| Ägyptische Zaubermesser | Mittleres Reich | Schutzwesen |
| Thronsaal von Knossos | um 1450-1400 v. Chr. | Greifen flankieren den Thron |
| "Griffin Warrior"-Grab, Pylos | um 1450 v. Chr. | Elfenbeinplatte, Fund von 2015 |
| Elfenbeine aus Nimrud und Megiddo | 9./8. Jh. v. Chr. | kanonische, exportfähige Form |
| Greifenprotomen, Olympia und Samos | 7. Jh. v. Chr. | stärkste griechische Kleinform |
| Pazyryk-Funde, Altai | 5.-3. Jh. v. Chr. | skythischer Tierstil |
| Kapitelle von Persepolis | 6./5. Jh. v. Chr. | Doppelprotome; Terminologie beachten |
| Römische Grabaltäre und Rüstungsreliefs | 1.-3. Jh. | Grabwächter |
| Greif von Pisa | 11. Jh. | größte erhaltene islamische Metallskulptur |
| Bronzegreif von Perugia | 12./13. Jh. | kommunales Wappentier |
| Dmitrijew-Kathedrale, Wladimir | um 1195 | Bauplastik der Rus |
| Greifenklauen und -eier in Domschätzen | 12.-16. Jh. | das Fabeltier bekommt Realien |
| Raffaels Loggien, Vatikan | 1517-19 | der Greif wird Ornament |
| Grotesken-Ornamentstiche | 16.-18. Jh. | Verbreitung als Formvokabular |
| Historismus-Architektur | 19. Jh. | Banken, Brücken, Bahnhöfe |
### Zur Technik
Im Kleinformat ist der Greif das schwierigste Motiv dieser Reihe, weil zwei Anatomien gleichzeitig lesbar bleiben müssen. Erprobt sind drei Lösungen: die heraldische Form des steigenden Greifs, die für Schild und Siegel entwickelt wurde und entsprechend robust ist; die griechische Protome, also nur Kopf und Hals; und die strenge Profilsilhouette, bei der Schnabel, Ohren und Löwenkruppe die tragenden Konturen bilden.
Kupferstich und Holzstich kommen dem Motiv entgegen, weil sich Gefieder und Fell gegeneinandersetzen lassen und dem Blatt Textur geben. Aquatinta und Schabkunst verschlucken genau diesen Kontrast.
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## 10. Verwendung in Literatur
### Antike
Aristeas von Prokonnesos, *Arimaspeia* (verloren). Herodot, *Historien* III und IV, mit den Goldwächtern und Arimaspen, ausdrücklich als Hörensagen referiert. Aischylos, *Prometheus*, mit den scharfschnäbligen Hunden des Zeus. Ktesias, *Indika*. Plinius, *Naturalis historia* X. Aelian, *De natura animalium*. Und Vergil, *Ecloge* VIII, mit dem Adynaton, aus dem später der Hippogryph wird.
### Mittelalter
Isidor von Sevilla, *Etymologiae* XII. Physiologus und Bestiarien. Dante, *Purgatorio* XXIX bis XXXII, mit dem Greif am Wagen der Kirche. Mandeville, dessen Greifen achtmal so groß sind wie Löwen und ein Pferd samt Reiter forttragen, das Muster der spätmittelalterlichen Reisefabel. Dazu Greifen als Wächter des Wunderbaren in der Artusepik.
### Frühe Neuzeit
Ariost, *Orlando furioso*, mit dem Hippogryphen. Spenser, *The Faerie Queene*. Milton, *Paradise Lost* II, wo Satans Flug mit dem Greif verglichen wird, der den goldraubenden Arimaspen verfolgt; Herodots Erzählung in der englischen Epik.
Und Andreas Gryphius (1616-1664), der schlesische Barockdichter, dessen Familienname Greif zu Gryphius latinisiert wurde. Der prominenteste Fall eines redenden Namens in der deutschen Literatur, und für das Exlibris von einiger Bedeutung.
### 19. und 20. Jahrhundert
Lewis Carroll, *Alice im Wunderland*. John Ruskin, der in *Modern Painters* eine berühmte Passage über den Greif der lombardischen Bauplastik geschrieben hat, als Beispiel echter statt bloß dekorativer Fantasie. Borges und Margarita Guerrero, deren Artikel zum Greif im *Buch der imaginären Wesen* (1957/1967) die knappste brauchbare Zusammenfassung der Überlieferung darstellt. Und Rowling.
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## 11. Verwendung auf Exlibris
### Warum ausgerechnet dieses Motiv passt
Bei Rose und Adler musste die Exlibris-Bedeutung erst hergeleitet werden. Hier liegt sie offen.
Der Greif bewacht seit fünftausend Jahren ununterbrochen einen Schatz. Das ist seine älteste und am besten belegte Funktion, von den elamischen Siegeln über Knossos, Herodots Goldwächter und die römischen Grabaltäre bis zu den Bankfassaden des 19. Jahrhunderts. Ein Exlibris wiederum ist nichts anderes als eine Besitz- und Wächtererklärung über einen Hort.
Kein anderes Wesen der Ikonografie hat für genau diese Aussage eine so lückenlose Traditionslinie. Auch die Eule nicht, deren Passung über die Nachtlektüre und die Athena-Linie läuft und damit einen Umweg braucht.
Die Formel, die sich daraus ergibt, lässt sich freundlich oder drohend ausführen: Wer ein Buch aus dieser Bibliothek nimmt, nimmt es einem Wächter weg.
### Redende Namen
Die Basis ist breiter, als man zunächst annimmt.
Deutsch: Greif, Greiff, Greiffenberg, Greifenhagen, Greifenstein, Greiffenclau, Greifzu. Latinisiert Gryphius und Gryphiander. Niederländisch Griffioen und De Griffioen. Englisch und walisisch Griffin, Griffiths, Griffith, wobei diese Namen etymologisch von *Gruffudd* kommen und nicht vom Fabeltier; das Wappen ist trotzdem redend, weil sich die Heraldik nach dem Klang richtet und nicht nach der Sprachgeschichte. Romanisch Grifo, Grifone, Grifoni, Griffoni, Grifi, spanisch Grifo. Polnisch und tschechisch Gryf, Gryfiński, Gryficki, dazu der Herb Gryf als Wappengemeinschaft. Und schließlich alle Träger einer Herkunft aus Greifswald, Greifenberg, Greiffenberg, Gryfice oder Gryfino.
Der Fall Gryphius verdient eigene Aufmerksamkeit. Die humanistische Latinisierung eines deutschen Namens über das Fabeltier ist selbst schon ein Exlibris-Gedanke: ein Name, der sich in ein Bild übersetzt. Für ein Sammlerblatt zur Barockliteratur ist das die naheliegendste Lösung überhaupt.
### Der Schatzwächter
Der inhaltliche Kerntyp, und aus meiner Sicht der ergiebigste. Greif über oder vor einem Bücherstapel, einem Regal, einer Truhe, einem Schlüssel.
Die Bildformel ist antik und braucht keine Modernisierung.
Eine Variante mit Biss wäre der Greif zusammen mit dem Arimaspen, also Wächter und Dieb im selben Blatt. Für einen Sammler, der schon einmal ein Buch nicht zurückbekommen hat, gibt es kein präziseres Motiv, und soweit ich sehe ist es im Exlibris unbesetzt.
### Der pommersche Greif
Für Bestände und Sammler des deutschen und polnischen Ostseeraums das regionale Leitmotiv: Greifswald mit Stadt und Universität, Rostock, Stralsund, Stettin, pommersche Adelsbibliotheken, Landeskunde- und Heimatsammlungen, Mecklenburg-Vorpommern.
Praktisch wichtig ist dabei etwas anderes. Wer einen pommerschen Greif auf einem Exlibris findet, hat damit in der Regel schon eine geografische Zuordnung. Bei einem Motiv, das sich sonst kaum lokalisieren lässt, ist das ein seltener Vorteil und für Provenienzarbeit an Ostseebeständen ein brauchbarer erster Filter.
### Heraldische Blätter
Der größte Bestand. Zu achten ist auf den steigenden Greif als Regelstellung und auf paarweise Wappenhalter. Der männliche Greif, flügellos und mit Stacheln, verrät fast immer englische Herkunft. Die Vorderläufe, Adlerfänge oder Löwenpranken, geben einen regionalen Hinweis.
Und eine Beobachtung, die sich statistisch bestätigen lässt: In Wappen von Archivaren, Bibliothekaren, Notaren und Kämmerern kommt der Greif überproportional häufig vor. Er ist das Zeichen des Amtes, das etwas verwahrt.
### Dantes Greif
Für Dante-Sammler, Italianisten, Mediävisten und theologisch interessierte Bibliophile. Entweder der Greif am Wagen, oder, reduzierter und für Kleingrafik geeigneter, der Greif mit goldenem Oberkörper und weiß-rotem Unterkörper, die zwei Naturen also als Farbaussage.
Ein Zweifarbendruck ist hier keine Dekoration, sondern inhaltlich zwingend, weil Dantes Greif über seine Farbverteilung definiert ist. Eines der wenigen Motive, bei denen sich ein zweiter Druckstock sachlich begründen lässt.
### Der alchemistische Greif
Für Sammler von Occulta, für Chemiker und Apotheker. Der Greif als vollzogene *coniunctio* von Flüchtigem und Fixem, ein im hermetischen Bildvokabular präzise definiertes Zeichen und kein bloßes Ornament. Häufig kombiniert mit Retorte, Ouroboros, Sonne und Mond. Die Blütezeit liegt im Symbolismus und Jugendstil.
### Grabwächter und Vanitas
Greif am Sarkophag, Greif mit Schädel, Greif mit gesenktem Kopf. Die römische Grabwächterfunktion ist gut belegt und im Exlibris kaum genutzt. Die Klientel ist dieselbe wie bei der Vanitas-Rose und der Vanitas-Eule, aber der Ton ist ein anderer. Der Greif trauert nicht. Er hält Wache.
### Wo Vorsicht angebracht ist
Ab dem 16. Jahrhundert erscheinen Greifen massenhaft in Grotesken-Rahmenwerk, in Kartuschen, Titeleinfassungen und Möbelornamentik. Auf Exlibris des 16. bis 19. Jahrhunderts sind sie deshalb sehr oft reines Dekor ohne symbolische Absicht.
Wer Bestände motivisch auswertet, muss also zwischen Bedeutungsträger und Rahmenfüllung trennen, sonst wird die Statistik unbrauchbar. Dasselbe Problem stellt sich bei der Jugendstil-Rose, hier aber schärfer, weil der Greif zum Standardvokabular der Grotesken gehört.
Die einfachste Unterscheidung: Ein Greif im Schild oder als Schildhalter ist Aussage. Ein Greif in der Rahmenecke ist Ornament.
### Ein Entwurfsvorschlag
Wenn ich für ein zeitgenössisches Greifen-Exlibris eine Empfehlung geben soll, dann diese.
Die bronzenen Greifenprotomen aus Olympia und Samos aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. gehören zu den stärksten Kleinformen, die die Antike hervorgebracht hat. Gestreckter Hals, offener Schnabel, steil aufgerichtete Ohren, Stirnknauf, hervortretendes Auge. Die Form ist stark reduziert, absolut wiedererkennbar und im Kleinformat lesbar, weil sie für die Sichtbarkeit am Kesselrand konstruiert wurde. Sie löst damit genau das Problem, an dem der vollständige Greif im Exlibris-Format scheitert.
Dazu kommt, dass sie antik, unverbraucht und im Bucheignerzeichen praktisch nicht vorhanden ist. Für einen Sammler antiker Literatur, für Archäologen oder Numismatiker wäre das ein Blatt mit Rang.
### Handwerkliches
Die Ohren nicht vergessen. Sie sind das entscheidende Erkennungsmerkmal, und ihre Auslassung ist der häufigste Zeichenfehler bei diesem Motiv.
Unter etwa 50 Millimetern sollte man den vollständigen Greif meiden und auf heraldische Form, Protome oder Profilsilhouette ausweichen.
Den Übergang von Gefieder zu Fell sichtbar lassen. Darin liegt der eigentliche Reiz des Motivs. Wer ihn glättet, verliert das Tier; wer ihn betont, gewinnt Textur, und im Kupfer- und Holzstich ist das der eigentliche Gestaltungsspielraum.
Verwechslungsgefahr besteht, in der Reihenfolge der Häufigkeit, mit dem geflügelten Markuslöwen (Löwenkopf, keine Adlerteile), der Sphinx (Menschenkopf), dem Anzu (Löwenkopf auf Adlerkörper, also die genaue Umkehrung), dem Hippogryphen (Pferdehinterteil), Wyvern und Lindwurm (Reptil, zwei Beine), dem Basilisken (Hahnenkopf, Schlangenschwanz) und dem Senmurv (Hundekopf, Pfauenschwanz).
### Devisen
Klassisch belegt sind unter anderem:
*Iungentur iam grypes equis* aus Vergils achter Ekloge, "nun paaren sich Greifen mit Pferden", die klassische Formel für das Unmögliche. Für ein ironisches Sammlerblatt hervorragend geeignet, und zugleich der Satz, aus dem Ariost den Hippogryphen gemacht hat.
*Gryphes aurum custodiunt* nach Herodot und Plinius, "Greifen bewachen das Gold". Die Sache selbst, in vier Wörtern.
*Custodi quod habes* nach Offb 3,11, "bewahre, was du hast". Für ein Bucheignerzeichen kaum zu übertreffen.
Dazu *Nemesis vigilat* zur Nemesis-Verbindung und *vigilando custodit* als heraldischer Devisentyp.
Als Neubildungen, und dann bitte auch als solche gekennzeichnet, kämen in Frage: *Custos thesauri*, *Caelo et terra*, *Fortis et velox*, *Duo in uno*.
### Wo man suchen kann
Wie in den vorangegangenen Studien: Museum Schloss Burgk an der Saale mit über 200.000 Blättern (Stand Juni 2025), Grundstock die 1981 übereignete Sammlung Heinicke. Bestände mit Zettelkatalogen nach Künstlern, Eignern und Motiven. Das Internationale Exlibriszentrum Sint-Niklaas, das Kunstmuseum Frederikshavn, das Klingspor-Museum Offenbach, das Gutenberg-Museum Mainz, die ÖNB Wien und E-Pics "Ex meis libris" der ETH-Bibliothek Zürich. Für die künstlerbezogene Suche die DEG-Werklisten.
Zwei Besonderheiten kommen bei diesem Motiv hinzu. Wegen des hohen heraldischen Anteils sind die Wappenexlibris-Verzeichnisse ergiebiger als die Motivkataloge; für den englischen Bereich sind das die Kataloge der Franks-Sammlung im British Museum, für den deutschen die einschlägigen Wappenbuchregister. Und für den pommerschen Greif lohnen die regionalen Bestände: Universitätsbibliothek Greifswald, Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin, Bibliothek der Universität Szczecin und die Stettiner Altbestände.
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## 12. Bekannte Künstler
### Exlibris und Buchgrafik
Bei diesem Motiv führt der Weg über die Heraldiker, nicht über die Symbolisten.
Otto Hupp (1859-1949) war der wichtigste deutsche Heraldiker seiner Zeit, und seine Wappenzeichnungen sind bis heute die Referenz für formal korrekte Greifendarstellungen. Emil Doepler der Jüngere (1855-1922) verband Heraldik und Buchgrafik in einer Hand. Adolf Matthias Hildebrandt (1844-1918) hat mit seiner *Wappenfibel* die Formvorstellungen einer ganzen Generation geprägt.
Dazu Alfred Cossmann aus Wien, der Kupferstich in äußerster Feinheit beherrschte, und Josef Sattler, dessen Buchkunst ein ausgeprägtes Fabelwesen-Repertoire aus Renaissance- und Grotesken-Rezeption enthält.
Weiter Marcus Behmer, Alois Kolb, Michel Fingesten, Emil Orlik, Willi Geiger und Melchior Lechter. Im englischen Bereich, wo der Greif besonders präsent ist, Eric Gill, Reynolds Stone und Joan Hassall. Für die Nachkriegszeit Mark Severin und Gerard Gaudaen in Belgien.
Die Liste ist indikativ. Ob und wie oft Greifen bei einem bestimmten Künstler vorkommen, muss über die DEG-Werklisten, die Wappenexlibris-Register und die Motivkataloge im Einzelfall geprüft werden. Bei diesem Motiv ist die heraldische Literatur übrigens ergiebiger als die Exlibris-Literatur.
### Freie Kunst und Architektur
Die unbekannten Meister von Knossos und Akrotiri, die Bronzegießer von Olympia und Samos, der Meister des Pisaner Greifs. Giovanni da Udine und Raffaels Werkstatt, Pinturicchio, die Lyoner Ornamentstecher um Bernard Salomon, Wenzel Jamnitzer und die Nürnberger Goldschmiede. Schinkel und die Berliner Bauplastik des Klassizismus. Und die weitgehend anonymen Bildhauer der Historismus-Architektur, denen der Greif seine größte quantitative Verbreitung verdankt.
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## 13. Interessante Anekdoten
**Greifenklauen im Domschatz.** In europäischen Kirchenschätzen und Kunstkammern liegen bis heute silbergefasste Greifenklauen und Greifeneier. Es sind Steinbock- oder Büffelhörner und Straußeneier. Man hielt sie für Prüfmittel gegen Gift und fasste sie als Trinkgefäße und Reliquiare. Der Greif ist damit das einzige Fabelwesen dieser Reihe, für das sich materielle Belege in europäischen Sammlungen finden lassen. Ein Bild, das sich seine eigenen Realien geschaffen hat.
**Aus einer Unmöglichkeit wird ein Reittier.** Vergil schrieb, nun würden sich Greifen mit Pferden paaren, und meinte damit das schlechthin Undenkbare. Anderthalb Jahrtausende später nahm Ariost den Satz wörtlich und erfand den Hippogryphen, auf dem seine Helden bis zum Mond fliegen. Das berühmteste Reittier der Fantasy-Literatur ist ein wörtlich genommener Unmöglichkeitstopos.
**Ein Greif auf dem Dom.** Der Pisaner Greif, vermutlich im 11. Jahrhundert in al-Andalus oder im fatimidischen Ägypten gegossen, stand jahrhundertelang auf dem Dach des Pisaner Doms. Eine islamische Bronze als Bekrönung einer katholischen Kathedrale. Wie er dorthin kam, ist bis heute ungeklärt.
**Eine Stadt heißt nach ihrem Wappentier.** Greifswald wurde 1250 als Stadt privilegiert, das Wappen ist redend, und die 1456 gegründete Universität führt den Greif bis heute. Wenige Städte tragen ein Fabelwesen so vollständig im Namen, im Wappen und in der Institutionsgeschichte.
**Ein Dichter latinisiert sich zum Fabeltier.** Andreas Gryphius, neben Opitz der bedeutendste deutsche Barockdichter, hieß mit Familiennamen Greif. Die humanistische Latinisierung machte daraus Gryphius, einen Namen, der zugleich ein Bild ist. Das ist genau die Operation, die ein redendes Exlibris vollzieht, nur zweihundert Jahre früher und im Namen statt im Blatt.
**Eine Hypothese, die dreißig Jahre lang niemand geprüft hat.** <cite index="22-1">Die These, der Greif gehe auf Protoceratops-Fossilien zurück, wurde 1993 vorgeschlagen und 2000 in Buchform ausgebaut.</cite> <cite index="24-1">Sie wurde eines der bekanntesten Beispiele für Fossilienfolklore überhaupt, erhielt aber kaum wissenschaftliche Prüfung</cite>, bis 2024 die erste ausführliche Untersuchung erschien und sie zurückwies. In der Zwischenzeit war sie fester Bestandteil von Büchern, Dokumentationen und Museumsausstellungen geworden.
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## 14. Irrtümer
**Der Greif geht auf Protoceratops-Fossilien zurück.**
Der prominenteste und aktuellste Irrtum zu diesem Motiv, und er verdient ausführliche Behandlung, weil er inzwischen überall steht.
<cite index="22-1">Die Hypothese wurde 1993 von Adrienne Mayor und Michael Heaney vorgeschlagen und in *The First Fossil Hunters* (2000, 2011) ausgebaut.</cite> <cite index="23-1">Sie nimmt an, dass Nomaden bei der Goldsuche in Zentralasien auf Fossilien des Hornsauriers Protoceratops stießen und Berichte über dessen schnabelartigen Schädel weitertrugen.</cite>
<cite index="21-1">2024 haben Mark Witton und Richard Hing die These in *Interdisciplinary Science Reviews* geprüft und keinen überzeugenden Zusammenhang gefunden.</cite> Die Einwände im Einzelnen:
<cite index="25-1">Die anatomischen Ähnlichkeiten überzeugen nicht, und die herangezogenen antiken Textstellen verbinden Fossil und Fabelwesen nicht plausibel.</cite> <cite index="21-1">Die Annahme, Dinosaurierskelette lägen halb freigelegt herum wie kürzlich verendete Tiere, trifft nicht zu; im Regelfall ist nur ein Bruchteil eines erodierenden Skeletts sichtbar, und auch das nur für geübte Augen.</cite> <cite index="19-1">Protoceratops hatte einen Schnabel und einen Nackenschild, aber keine Flügel; der Greif hat Flügel und keinen Nackenschild.</cite>
Chronologisch ist der Einwand am schwersten: <cite index="20-1">Der Greif lässt sich in der Kunst bis ins alte Ägypten und den Vorderen Orient zurückverfolgen und wird in Griechenland ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. populär</cite>, also lange vor jedem plausiblen zentralasiatischen Fossilkontakt.
<cite index="18-1">Widerspruch kam auch aus der Paläontologie: Paul Sereno hat die Argumentation scharf kritisiert, und Mark Norell bezweifelt den Zusammenhang ebenfalls.</cite>
Als wissenschaftsgeschichtliches Beispiel bleibt der Fall interessant. Als Ursprungserklärung ist er nicht mehr zitierfähig.
**Der geflügelte Löwe von Venedig ist ein Greif.**
Der Markuslöwe hat einen Löwenkopf und keinerlei Adlerteile. Er ist ein geflügelter Löwe und das Evangelistensymbol des Markus. Die häufigste Fehlbenennung überhaupt.
**Kerubim und Lamassu sind Greifen.**
Verwandte Typen mit gleicher Funktion, aber verschiedene Wesen. Der Lamassu hat Menschenkopf und Stier- oder Löwenkörper, die biblischen Kerubim sind gestaltlich gar nicht eindeutig festgelegt.
**Der Anzu-Vogel ist der Vorläufer des Greifs.**
Er ist die exakte Umkehrung: Löwenkopf auf Adlerkörper gegen Adlerkopf auf Löwenkörper. Beide Wesen sind alt und mesopotamisch beeinflusst, aber sie sind nicht dasselbe und nicht auseinander abgeleitet.
**Simurgh und Senmurv sind persische Greifen.**
Der Senmurv der sasanidischen Kunst ist ein Hund-Vogel-Wesen mit Pfauenschwanz, der Simurgh der persischen Dichtung ein Riesenvogel. Beide werden in westlicher Literatur routinemäßig als Greif bezeichnet und sind es nicht.
**Greifenklauen in Kirchenschätzen sind Fälschungen.**
Nicht im Sinne einer Täuschungsabsicht. Es sind Objekte einer intakten Weltdeutung, Hörner und Straußeneier, die als das identifiziert wurden, was das gelehrte Weltbild an dieser Stelle erwarten ließ. Das Urteil "Fälschung" projiziert einen modernen Wahrheitsbegriff zurück.
**Die Erzählung von den goldbewachenden Greifen ist reine Fantasie.**
Das Tier ist es, die Geografie nicht. Die Regionen, in die Herodot und Ktesias die Greifen verlegen, führen tatsächlich Gold, und der skythisch-sakische Raum, aus dem die Erzählung kommt, ist zugleich der Raum der reichsten Greifenkunst. Die Erzählung transportiert reales Wissen über Goldwege in fabelhafter Verpackung.
**Der Hippogryph ist ein antikes Fabelwesen.**
Eine Erfindung Ariosts von 1516/1532, abgeleitet aus einer vergilischen Redefigur. Vor Ariost gibt es ihn nicht. Dass er heute älter wirkt als der Greif selbst, ist eine Leistung des *Orlando furioso* und, in jüngerer Zeit, der Kinderliteratur.
**Der Greif ist ein universales Symbol.**
Hier unterscheidet er sich von allen anderen Motiven dieser Reihe. Er ist westeurasisch-mediterran. In Ostasien gibt es ihn nicht; Qilin, Bixie und die geflügelten Steinlöwen der Südlichen Dynastien sind eigene Wesen mit eigener Geschichte. Wer sie chinesische Greifen nennt, exportiert eine europäische Kategorie.
**Greif kommt von greifen.**
Volksetymologie. Das Wort kommt über lateinisch *gryphus* aus griechisch *grýps*, wahrscheinlich zu *grypós*, krumm oder hakennasig. Es beschreibt den Schnabel. Die deutsche Umdeutung ist sekundär, hat aber gewirkt.
**Der Greif hat keine Ohren.**
Er hat welche, und sie sind das entscheidende Erkennungsmerkmal.
**Der Greif ist im Mittelalter ein positives Christussymbol.**
Nur zum Teil. In der Bestiarientradition nach Isidor ist er zunächst negativ besetzt. Die christologische Deutung läuft parallel und wird erst bei Dante vollständig ausgearbeitet. Beide Traditionen bestehen gleichzeitig nebeneinander.
**Der Pisaner Greif ist ein pisanisches Werk.**
Er stammt aus dem islamischen Westen, wobei al-Andalus und Fatimidenägypten diskutiert werden. Herkunft, Datierung und Weg nach Pisa sind umstritten.
**Griffin und Griffith heißen Greif.**
Der walisische Name geht auf *Gruffudd* zurück, nicht auf das Fabeltier. Das Wappen ist trotzdem oft redend, weil die Heraldik sich nach dem Klang richtet. Ein guter Beleg dafür, dass redende Wappen keine sprachwissenschaftlichen Aussagen sind.
**Ein Greif auf einem Exlibris bedeutet immer etwas.**
Ab dem 16. Jahrhundert ist er sehr häufig reines Grotesken-Ornament ohne symbolische Absicht. Im Schild oder als Schildhalter ist er Aussage, in der Rahmenecke Dekor.
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## 15. Quellen
### Übersichten und Monografien
Ingrid Krauskopf u. a., Artikel "Gryps", in: *Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae* (LIMC), Bd. VIII, Zürich und Düsseldorf 1997. Die wichtigste ikonografische Materialsammlung zur antiken Greifendarstellung.
Ann Farkas u. a. (Hrsg.): *Monsters and Demons in the Ancient and Medieval Worlds*, Mainz 1987, mit einschlägigen Greifenbeiträgen.
Rudolf Wittkower: "Eagle and Serpent" und "Marvels of the East", beide im *Journal of the Warburg and Courtauld Institutes* (1939 bzw. 1942). Klassisch zur Wanderung orientalischer Mischwesenmotive nach Europa.
Jorge Luis Borges und Margarita Guerrero: *El libro de los seres imaginarios*, Buenos Aires 1967, deutsch als *Einhorn, Sphinx und Salamander*. Knapp und zuverlässig.
### Nachschlagewerke
*Lexikon der christlichen Ikonographie* (LCI), Art. "Greif". *Reallexikon für Antike und Christentum* (RAC), Art. "Greif". *Reallexikon der Assyriologie* (RlA), Art. "Mischwesen" und "Anzu". Chevalier und Gheerbrant, *Dictionnaire des symboles*. Lurker, *Wörterbuch der Symbolik* (Kröner).
### Archäologie und Antike
Ulf Jantzen: *Griechische Greifenkessel*, Berlin 1955. Standardwerk zu den Protomen von Olympia und Samos.
Herodot, *Historien* III und IV. Aischylos, *Prometheus*. Plinius, *Naturalis historia* X. Aelian, *De natura animalium*.
Zum Griffin Warrior die Publikationen des Pylos-Projekts der University of Cincinnati (Jack L. Davis und Sharon R. Stocker, ab 2016). Zur skythischen Kunst die Ausstellungs- und Bestandskataloge zu den Pazyryk-Funden in der Eremitage.
### Mittelalter
Isidor von Sevilla, *Etymologiae* XII. *Physiologus*, übersetzt und herausgegeben von Otto Seel. Das *Aberdeen Bestiary* (MS 24, University of Aberdeen), vollständig digitalisiert. Michel Pastoureau: *Bestiaires du Moyen Âge*, Paris 2011.
Dante, *Commedia*, *Purgatorio* XXIX bis XXXII, mit den Kommentaren von Singleton und Chiavacci Leonardi.
Zum Pisaner Greif die Forschungsbeiträge von Anna Contadini und anderen im Rahmen des *Pisa Griffin and the Mari-Cha Lion Project* an der SOAS London.
### Heraldik
Ottfried Neubecker: *Heraldik. Wappen, ihr Ursprung, Sinn und Wert*, Frankfurt am Main 1977. Adolf Matthias Hildebrandt: *Wappenfibel*, zuerst Frankfurt am Main 1887, fortgeführt vom Herold-Verein. Gert Oswald: *Lexikon der Heraldik*, Leipzig 1984. Arthur Charles Fox-Davies: *A Complete Guide to Heraldry*, London 1909, zum *male griffin*.
Für den pommerschen Greif die landeskundliche Literatur zu den Herzögen von Pommern und zur Wappengeschichte Mecklenburg-Vorpommerns.
### Zur Protoceratops-Debatte
Adrienne Mayor und Michael Heaney: "Griffins and Arimaspeans", *Folklore* 104 (1993).
Adrienne Mayor: *The First Fossil Hunters*, Princeton 2000, 2. Aufl. 2011.
Mark P. Witton und Richard A. Hing: "Did the horned dinosaur *Protoceratops* inspire the griffin?", *Interdisciplinary Science Reviews*, online 20. Juni 2024, doi: 10.1177/03080188241255543.
### Exlibris
Walter von zur Westen: *Exlibris (Bucheignerzeichen)*, Bielefeld und Leipzig 1901, 2. Aufl. 1909. Norbert H. Ott: *Exlibris. Zur Geschichte ihrer Motive, ihrer Gestaltungsformen und ihrer Techniken*. Otto Hupp: *Münchener Kalender*, Wappenjahrgänge.
*Jahrbuch der Deutschen Exlibris-Gesellschaft*, fortlaufend, dazu das DEG-Magazin und das PDF-Archiv der DEG-Mitteilungen. Die DEG-Werklisten unter https://exlibris-deg.de/exlibris-werklisten/ und das Verzeichnis öffentlicher Bestände unter https://exlibris-deg.de/weitere-exlibris-archive/. FISAE-Kongressbände und Länderberichte. E-Pics "Ex meis libris" der ETH-Bibliothek Zürich. Für Wappenexlibris die Kataloge der Franks-Sammlung im British Museum.
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*Zur Belastbarkeit: Auflagen, Erscheinungsjahre und Seitenzahlen sollten vor einer Publikation am Original oder im Bibliothekskatalog geprüft werden. Die Abschnitte zu Ägypten, Persepolis, zum Pisaner Greif und die Irrtümerliste enthalten Positionen, die ich bewusst als strittig oder offen gekennzeichnet habe. Der Abschnitt zur Protoceratops-These gibt den Stand von Juni 2024 wieder; vor einer Veröffentlichung wäre zu prüfen, ob inzwischen eine Erwiderung erschienen ist.*
Bei
unseren Ex Libris Produkten können Sie wählen zwischen -- 1. einem
Stempel auf Buchenholz mit einem typischen Stempelgriff oder -- 2. einem
Stempel dito auf Kehlleiste oder -- 3. einem digitalen Etikettendruck
im Format 105 x 74 mm, 200 Stück, Papierfarbe: weiß, jeweils 12 Motive
auf einem Din A4 Bogen oder -- 4. einem Buchdruck auf Büttenpapier oder
Feinstpapier, Papierfarbe crème, écru oder chamois, einzeln geschnitten.
Unsere Produkte werden in bestmöglicher Qualität gefertigt.
Alle unsere Ex Libris Motive sind auf Anfrage in verschiedensten Druckverfahren und Papiersorten erhältlich.
Unsere säurefreien Stempelkissen und lösungsmittelfreien Papierkleber finden Sie hier.
Exlibris Insel produziert nach historischen und neuen Grafiken Ex Libris für Buchliebhaber. Obiges Ex Libris ist als Stempel oder im Druck erhältlich, hat vom Stil eine klassische Heraldik und Wappen Form und hat als Tier einen Greif als Symbol gewählt.
Kontakten Sie uns, wenn Sie irgendwelche Fragen, Ideen oder Anregungen haben.
Ex Libris Wappen Greif
- Hersteller EXLIBRIS INSEL
- Artikelnr. el_wap-greif-01
- Verfügbarkeit Lagernd
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84,00€ *
- Netto 70,59€
- Steuer 13,41€
















