Prägezange Eule Symbol für Athene


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Kulturgeschichte und Ex Libris: Die Eule

Eine kultur- und kunsthistorische Symbolstudie

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## Vorbemerkung zur Methode

Die Eule ist der **gespaltenste** Bedeutungsträger der gesamten Symbolgeschichte. Sie bedeutet Weisheit und sie bedeutet Tod, und beide Traditionen sind gleich alt, gleich gut belegt und voneinander unabhängig entstanden. Wer die Eule behandelt, behandelt nicht ein Symbol mit einer Nebenbedeutung, sondern zwei Symbole in einem Körper.

Daraus folgen drei methodische Vorentscheidungen.

**Erstens: Der Bruch verläuft nicht zwischen alt und modern, sondern zwischen Athen und Rom.** In Griechenland ist die Eule seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. Zeichen der Athena und der Stadt. Im selben Mittelmeerraum, wenige hundert Kilometer entfernt, ist sie Unglücksvogel, dessen Erscheinen in Rom Sühneriten auslöste. Beide Bedeutungen sind antik. Die verbreitete Vorstellung, die „ursprünglich weise" Eule sei später vom Aberglauben verdunkelt worden (oder umgekehrt), ist historisch nicht haltbar.

**Zweitens: „Eule" ist keine biologische Kategorie.** Für die Bildanalyse ist die Unterscheidung zwingend. **Athenas Vogel ist der Steinkauz** (*Athene noctua*) – klein, rundköpfig, **ohne Federohren**. Der Uhu (*Bubo bubo*) mit den auffälligen Federohren, den die meisten modernen „Weisheitseulen" abbilden, ist in der Antike gerade der Unglücksvogel (lat. *bubo*). Eine Eule mit Federohren als Athena-Attribut ist ein ikonografischer Fehler – und ein sehr häufiger.

**Drittens – und das ist der schönste Befund dieses Themas:** Es ist **dieselbe Art**, die beide Pole trägt. *Athene noctua*, der Steinkauz, ist der Vogel auf der athenischen Tetradrachme – und er ist zugleich das „Käuzchen" des deutschen Volksglaubens, dessen Ruf als Todesankündigung gedeutet wurde. Weisheitsgöttin und Totenvogel sind derselbe Vogel. Kein anderes Symbol führt seine Ambivalenz so buchstäblich in einem einzigen Tier zusammen.

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## 1. Ursprung

### Die vier Auslöser
Die Eule verdankt ihre Symbolkraft vier Merkmalen, die in keiner anderen Vogelgruppe zusammentreffen:

1. **Frontal stehende Augen.** Eulen sind die einzigen Vögel mit einem menschenähnlichen Gesicht. Sie **schauen zurück**. Das ist die eigentliche Ursache aller Erkenntnis- und Wachsamkeitsdeutungen: Ein Tier, das einem ins Gesicht sieht, wird zum Gegenüber.
2. **Nachtaktivität.** Sie sieht, wo der Mensch blind ist. Daraus zwei entgegengesetzte Ableitungen – Erkenntnis des Verborgenen, oder Zugehörigkeit zur Sphäre des Dunklen.
3. **Lautloser Flug.** Die kammartig gefiederten Flügelvorderkanten unterdrücken das Fluggeräusch. Eine Eule erscheint ohne Ankündigung. Das ist die physische Grundlage des Gespenstischen.
4. **Der Ruf.** Er trägt weit, kommt aus dem Dunkeln und ist nicht zu lokalisieren. In praktisch allen Volkskulturen wird er als Ansprache gedeutet.

### Die zwei Bedeutungsmaschinen
Aus diesen Merkmalen laufen zwei unabhängige Ableitungsketten:

- **Gesicht + Blick → Denken, Prüfen, Wachen, Wissen.** Diese Linie läuft über Athena in die gesamte europäische Gelehrtensymbolik.
- **Nacht + Lautlosigkeit + Ruf → Tod, Geist, Hexe, Unheil.** Diese Linie läuft über die römische *strix* in den europäischen Volksglauben – und, sprachlich nachweisbar, direkt in den Hexenbegriff (siehe 3.2).

Beide Ketten sind naturgestützt, beide sind alt, keine ist aus der anderen abgeleitet.

### Sprachlich
Ahd. *ûwila*, mhd. *iuwel* – lautmalerisch nach dem Ruf; ebenso lat. *ulula* (zu *ululare*, „heulen"), engl. *owl*, niederl. *uil*. Daneben lat. *noctua* (die Nächtliche, = Steinkauz), *bubo* (Uhu) und *strix* (siehe 3.2). Griech. *glaúx*, verwandt mit *glaukós* („leuchtend, funkelnd") – daher Athenas homerisches Beiwort *glaukṓpis*, das entweder „mit funkelnden Augen" oder „eulenäugig" bedeutet. Welche Bedeutung die ursprüngliche ist, ist bis heute umstritten und für die Frage, ob Athena eine ehemalige Eulengöttin war, entscheidend.

Deutsch ist zwischen **Eule** (allgemein), **Kauz** (klein, ohne Federohren) und **Uhu** zu unterscheiden – die Begriffe tragen unterschiedliche symbolische Lasten und werden in der Literatur regelmäßig vermengt.

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## 2. Früheste archäologische Belege

### 2.1 Chauvet – eine der ältesten Vogeldarstellungen überhaupt
In der **Grotte Chauvet** (Ardèche, ca. 36.000–30.000 BP) befindet sich eine in den weichen Wandlehm geritzte **Eule**, mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Ohreule. Bemerkenswert ist die Auffassung: Der Körper ist von **hinten** gezeigt, der Kopf jedoch **frontal** – die Zeichnung erfasst also genau die Eigenschaft, die Eulen von allen anderen Vögeln unterscheidet, die weit gedrehte Kopfhaltung.

Vogeldarstellungen sind in der Höhlenkunst selten und meist schwer bestimmbar; die Chauvet-Eule gehört zu den wenigen unstrittigen. Sie belegt keine Symbolik, aber sie belegt Aufmerksamkeit.

### 2.2 Alter Orient – das Burney-Relief
Das **Burney-Relief** oder *Queen of the Night* (altbabylonisch, ca. 1800–1750 v. Chr., British Museum) zeigt eine geflügelte, vogelfüßige Göttin auf zwei Löwen, flankiert von zwei **Eulen**.

Zur Deutung: Die Identifikation der Figur ist offen. Diskutiert werden **Ištar**, **Ereškigal** (die Herrin der Unterwelt) und – populär, aber fachlich weitgehend aufgegeben – **Lilith**. Die Lilith-Zuschreibung stammt aus der Frühzeit der Forschung und beruht wesentlich auf einer Kette von Übersetzungsentscheidungen (siehe 14.3 und 14.4). Sie hält sich in der esoterischen Literatur unvermindert.

### 2.3 Ägypten – die Eule als Buchstabe
Die ägyptische Hieroglyphe **????** (Gardiner G17) stellt einen **Steinkauz** dar und steht für den Konsonanten **m** – eines der häufigsten Zeichen der ägyptischen Schrift überhaupt.

Zwei Besonderheiten: Sie ist das **einzige** Tierzeichen, das den Körper im Profil, den **Kopf aber frontal** zeigt – dieselbe Beobachtung wie in Chauvet, dreißigtausend Jahre später. Und in Grabtexten wurde das Zeichen gelegentlich verstümmelt oder ohne Beine geschrieben, wie andere potenziell gefährliche Tierzeichen auch – ein Hinweis darauf, dass die Eule auch hier nicht als harmlos galt.

### 2.4 Athen – die Eule als Geld
Die **athenische Tetradrachme** trägt ab etwa 510/500 v. Chr. auf dem Revers den Steinkauz mit Ölzweig und Mondsichel und der Legende ΑΘΕ. Diese Münzen hießen im Altertum schlicht **„Eulen"** (*glaúkes*) und waren im gesamten Mittelmeerraum Leitwährung.

Das ist der Gründungsmoment der europäischen Weisheitseule – und er ist ein **ökonomischer**. Die Eule wird zum bekanntesten Vogel der Antike, weil sie auf dem verbreitetsten Silberstück der Antike sitzt. Die Redensart „Eulen nach Athen tragen" (siehe 14.14) meint mit einiger Wahrscheinlichkeit diese Münzen, nicht lebende Vögel.

### 2.5 China – der Bronzezeit-Befund
Aus der **Shang-Zeit** (ca. 13.–11. Jh. v. Chr.) stammen hochrangige Ritualbronzen in **Eulengestalt**, darunter das berühmte Eulen-*zun* aus dem Grab der **Fu Hao** in Anyang. Die Eule war in der chinesischen Bronzezeit also ein Prestige- und Ritualtier. Die spätere, stark negative chinesische Bewertung (siehe 7.2) ist eine **Umwertung innerhalb einer Kultur** – einer der am besten dokumentierten Fälle dieser Art überhaupt.

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## 3. Antike

### 3.1 Griechenland – Athena und die Polis
Die Eule ist Attribut der **Athena** und zugleich Wappentier der Stadt. Ihre Bedeutungen dort: Klugheit, Handwerks- und Kriegsverstand, Wachsamkeit, und – über Athena als Stadtgöttin – politische Identität.

Wichtig für die Genauigkeit: Athenas Weisheit ist **nicht** kontemplative Philosophenweisheit, sondern *mētis* – praktische Klugheit, Kunstfertigkeit, List. Die Eule als Sinnbild abstrakten Denkens ist eine spätere, im Kern erst neuzeitliche Zuspitzung.

Die Eule gilt als **gutes Vorzeichen**: Vor der Schlacht bei Salamis soll eine Eule über die Flotte geflogen sein. Aristophanes spielt in den *Vögeln* mit der Redensart vom Eulentragen nach Athen.

Bei **Aesop** erscheint die Eule dagegen als **ungehörte Warnerin**: Sie rät den Vögeln, die junge Eiche (bzw. den Flachs) zu zerstören, aus der später Leim und Netze gemacht werden; man lacht sie aus und bereut es. Die Eule als Prophetin, der niemand glaubt – eine dritte Bedeutung neben Weisheit und Tod, und im Exlibris kaum je genutzt.

### 3.2 Rom – *bubo* und *strix*
In Rom kippt das Bild vollständig.

**Plinius** (*Naturalis historia* X) nennt den *bubo* einen Trauervogel, dessen Erscheinen in bewohntem Gebiet Unheil ankündigt; **Livius** verzeichnet Eulen unter den Prodigien, die staatliche Sühnehandlungen (*lustratio*) erforderten. Eine Eule im Stadtgebiet Roms war ein öffentlicher Notfall.

Noch folgenreicher ist die ***strix***. Sie bezeichnet einen nächtlichen Vogel, der nach dem Volksglauben Säuglingen das Blut aussaugt; **Ovid** schildert das in den *Fasti* VI ausführlich. Aus *strix* wird über die Jahrhunderte:

- italienisch **strega** – Hexe
- rumänisch **strigoi** – Wiedergänger
- albanisch **shtrigë** – Hexe
- friulanisch, korsisch, portugiesisch Verwandtes

**Eule und Hexe sind sprachlich dasselbe Wort.** Das ist keine Assoziation, sondern eine Etymologie – und es erklärt, warum die Eule in der europäischen Hexenikonografie so unverrückbar sitzt.

### 3.3 Ergebnis
Am Ende der Antike liegen beide Bedeutungen fertig vor: die athenische Erkenntniseule und die römische Todes- und Hexeneule. Alles Spätere sind Kombinationen, Verschiebungen und Umwertungen dieser beiden Bestände.

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## 4. Mittelalter

### 4.1 Physiologus und Bestiarien – die Eule als Anti-Symbol
Das lateinische Mittelalter übernimmt fast ausschließlich die **negative** Linie. Der *nycticorax* („Nachtrabe") und der *bubo* lieben die Finsternis mehr als das Licht; sie leben in Ruinen und Gräbern und beschmutzen das eigene Nest.

Die Auslegung ist teilweise **antijudaistisch**: Die Eule steht in einem festen Strang der Bestiarienexegese für diejenigen, die das Licht Christi zurückwiesen und die Finsternis vorzogen. Das ist zu benennen und nicht zu beschönigen – ein erheblicher Teil der mittelalterlichen Eulendarstellungen, insbesondere in Randillustrationen und Chorgestühl, ist in diesem Sinn gemeint.

**Es gibt eine Gegenlesart**, und sie ist alt: Nach **Ps 102,7** („ich bin wie ein Käuzchen in den Trümmern") wird die Eule vereinzelt auf **Christus** gedeutet – der, der die Finsternis und die Verlassenheit auf sich nimmt und unter den Toten weilt. Diese Auslegung ist eine Minderheitsposition, aber sie ist echt und für einen Entwurf ungewöhnlich tragfähig.

### 4.2 Der gehasste Vogel – das Mobbing-Motiv
Eines der häufigsten Bildmotive des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit: **die Eule, von kleinen Singvögeln umschwärmt und angegriffen**. Es findet sich auf Misericordien, in Handschriftenrändern, in flämischen Druckgrafiken und in der niederländischen Malerei.

Zwei Deutungen laufen parallel:
- **Der Verfolgte:** der Einzelne, der von der Menge angefeindet wird, weil er anders ist. Die Eule als Bild des Gerechten oder des Weisen unter Dummköpfen.
- **Der Entlarvte:** der Sünder oder Narr, den das Tageslicht bloßstellt.

Beides ist zeitgenössisch belegt; welche Lesart gilt, entscheidet der Kontext. Für ein polemisches oder ein selbstironisches Exlibris ist dieses Motiv außergewöhnlich stark und praktisch unbesetzt.

**Der reale Hintergrund** ist die Jagdpraxis: Man band eine lebende Eule als **Lockvogel** an einen Baum, die Singvögel griffen an, und der Vogelsteller fing sie mit Leimruten. Daraus entsteht eine dritte Bedeutung – **die Eule als Köder, als Instrument der Täuschung**. In der niederländischen Emblematik ist das geläufig und im deutschen Symbolschrifttum fast unbekannt.

### 4.3 Nacht, Tod und Aberglaube
Die Eule ist Attribut der **Nacht** (Nox) in Personifikationsreihen und begleitet Melancholie, Schlaf und Tod.

Im mitteleuropäischen Volksglauben ist das Käuzchen **Totenvogel**: Sein Ruf, lautmalend als „kiwitt" wiedergegeben, wurde als „komm mit" gedeutet. Ruft es dreimal am Haus eines Kranken, stirbt er. Verbreitet war bis ins 19. Jahrhundert die Praxis, eine **erschlagene Eule an das Scheunentor zu nageln**, um Blitz, Feuer, Hexerei und Unheil abzuwehren. Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens dokumentiert das Material ausführlich; es ist grimmig und für ein realistisches Bild dieses Symbols unverzichtbar.

### 4.4 Till Eulenspiegel
Der niederdeutsche Schwankheld, erstmals gedruckt um 1510/1515 bei Grüninger in Straßburg, führt als Zeichen **Eule und Spiegel**. Das Emblem ist ein Rebus auf den Namen; die Bedeutung wird traditionell als „Eule und Spiegel" – Weisheit und Selbsterkenntnis, dem Publikum vorgehalten – gelesen.

**Vorbehalt:** Die Namensdeutung ist umstritten. Neben der Eulen-Spiegel-Etymologie steht eine derbere niederdeutsche Herleitung zur Diskussion. Für Entwurf und Kommentar sollte man die Deutung als *eine* Lesart kennzeichnen, nicht als gesicherte Etymologie.

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## 5. Renaissance

### 5.1 Rückkehr der Minerva-Eule
Der Humanismus holt die athenische Linie zurück. Die Eule erscheint auf Akademie- und Gesellschaftsemblemen, in Druckersigneten, auf Titelblättern und in Gelehrtenporträts – und zwar nun ausdrücklich als Zeichen **buchgestützter** Gelehrsamkeit, nicht mehr der handwerklichen *mētis*.

**Erasmus** nimmt in die *Adagia* das Sprichwort ***noctuam Athenas*** auf („eine Eule nach Athen") – und macht es damit zum europäischen Bildungsgut. Es bedeutet: etwas dorthin bringen, wo es im Überfluss vorhanden ist. Für einen Bibliophilen, der ein weiteres Buch kauft, ist das eine erstklassige selbstironische Devise.

### 5.2 Die niederländische Gegenrechnung
Genau gleichzeitig, im niederländischen Sprichwort- und Emblemwesen, bedeutet die Eule das **Gegenteil**.

Ein geläufiges Sprichwort lautet sinngemäß: Was nützen Kerze und Brille, wenn die Eule nicht sehen **will**? Es erscheint in Drucken aus dem Umkreis **Pieter Bruegels d. Ä.** und meint **absichtliche Blindheit** – die Weigerung zu erkennen.

Daraus folgt eine Pointe, die jeder Entwerfer kennen sollte: **Die Eule mit Brille ist ursprünglich eine Beleidigung.** Sie bezeichnet den, der trotz aller Hilfsmittel nichts sieht. Erst im 19. Jahrhundert wird daraus die freundliche Schuleule der Kinderbücher. Wer sie heute zeichnet, zitiert – meist ohne es zu wissen – einen Spott.

Bruegel setzt Eulen in die *Niederländischen Sprichwörter* (1559) und in *Dulle Griet*; bei **Hieronymus Bosch** sind sie allgegenwärtig – im *Garten der Lüste*, im *Heuwagen*, in den Zeichnungen. Ihre Bedeutung bei Bosch ist bis heute **umstritten**: Böses, Torheit, Wollust, wachsame Weisheit oder das beobachtende Auge des Malers – die Forschung ist sich nicht einig, und das sollte man so wiedergeben.

### 5.3 Dürers Käuzchen
**Albrecht Dürer**, *Käuzchen* (1508, Aquarell und Deckfarben, Albertina Wien): ein frontal sitzender Steinkauz, ohne Handlung, ohne Allegorie, ohne Attribut. Eines der ersten Tierbilder der europäischen Kunst, das den Vogel **nur als Vogel** zeigt. Für die Symbolgeschichte ist das der Moment, in dem sich Naturbeobachtung und Bedeutung trennen – und Dürers Blatt ist bis heute das meistreproduzierte Eulenbild überhaupt.

### 5.4 Emblematik
**Alciato**, **Valeriano** (*Hieroglyphica*, 1556) und **Ripa** (*Iconologia*, 1593) kodifizieren das Repertoire: Eule als Attribut der *Sapientia*, der *Nox*, der *Vigilantia* und – der Vollständigkeit halber – der *Ignorantia*. Dass dasselbe Tier bei Ripa für Weisheit und für Unwissenheit steht, ist kein Versehen, sondern der Sachstand.

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## 6. Moderne

### 6.1 Hegels Eule – der wichtigste moderne Eulentext
In der Vorrede zu den *Grundlinien der Philosophie des Rechts* (1820/21) steht der Satz:

> **„Die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug."**

Er wird fast immer falsch verstanden. Hegel meint **nicht**, dass Weisheit zur rechten Zeit erwache, und schon gar nichts Erbauliches. Der Satz steht am Ende eines Gedankengangs darüber, dass die Philosophie **zu spät kommt**: Sie kann nicht belehren, wie die Welt sein soll, sondern begreift eine Gestalt des Lebens erst, wenn diese bereits alt geworden ist. Die Eule fliegt los, wenn der Tag vorbei ist – Erkenntnis ist nachträglich.

Es ist der melancholischste Satz, der je über die Eule geschrieben wurde, und er wird routinemäßig als Optimismus zitiert. Siehe 14.11.

### 6.2 Goyas Eulen
**Francisco de Goya**, *Los Caprichos* Nr. 43, ***El sueño de la razón produce monstruos*** (1799): Über dem am Tisch eingeschlafenen Zeichner schwärmen **Eulen und Fledermäuse**.

Zwei Punkte: Die Eulen sind hier **nicht** Weisheit, sondern das, was hervorbricht, wenn die Vernunft aussetzt. Und der Titel ist doppeldeutig – spanisch *sueño* heißt **Schlaf** und **Traum**. Ob die Vernunft schläft oder träumt, ändert die Bedeutung des Blattes; Goya hat die Zweideutigkeit vermutlich gewollt.

### 6.3 Romantik, Symbolismus, Jugendstil
Die Eule wird zum Standardvokabular der Nacht: bei **Odilon Redon** als schwebendes Auge und Nachtwesen, in der Grabmalskulptur als Wächter, in der Buchgrafik des Fin de Siècle als Begleiterin des Lesenden. Es ist **genau diese Phase (1890–1930)**, in der das künstlerische Exlibris seine Blüte erlebt – weshalb der Bestand an Eulen-Exlibris überproportional symbolistisch geprägt ist.

### 6.4 20. Jahrhundert
- **Pablo Picasso** hielt in Antibes einen verletzten Steinkauz, den er gesund pflegte; die Eule wird danach zu einem seiner beständigsten Motive in Keramik, Linolschnitt und Zeichnung – als Vogel mit menschlichem Blick, oft mit Selbstporträtzügen.
- **Käthe Kollwitz**, **Frans Masereel** und die Holzschnittmoderne nutzen die Eule als Nacht- und Wächterzeichen.
- **Twin Peaks** (David Lynch, 1990): Der Satz, dass die Eulen nicht das seien, wonach sie aussehen, hat das Motiv für die Populärkultur neu aufgeladen – als Zeichen für etwas, das mehr weiß, als es zugibt.
- **Harry Potter** (ab 1997) macht die Eule zum Boten und wohl zum meistgezeichneten Tier der Kinderbuchillustration der letzten Jahrzehnte.
- **A. A. Milne**, *Winnie-the-Pooh* (1926): Die Figur Owl **behauptet** Weisheit und kann kaum schreiben. Die pointierteste Umkehrung des Motivs in der Kinderliteratur.

### 6.5 Politik und Ökologie
- Der **Fleckenkauz** (*Strix occidentalis caurina*) stand ab den späten 1980er Jahren im Zentrum eines der härtesten Umweltkonflikte der USA: Der Schutz seiner Altwaldhabitate im pazifischen Nordwesten stand gegen die Holzwirtschaft. Die Eule wurde zum Emblem beider Lager – als Zeichen ökologischer Verantwortung und, auf Aufklebern der Gegenseite, als Zeichen einer Politik, die Vögel über Arbeitsplätze stelle. Ein seltener Fall, in dem ein Symbol seine reale Art betrifft.
- **Schleiereule und Steinkauz** sind in Mitteleuropa durch Verlust von Scheunen, Streuobstwiesen und Kopfbäumen stark zurückgegangen; Nisthilfen in Kirchtürmen sind heute ein verbreitetes Schutzinstrument. Die Kirchturmeule ist damit vom Unglückszeichen zum Schutzobjekt geworden.

### 6.6 Marke und Design
Die Eule ist im 20. und 21. Jahrhundert das Signet der **Bildung** schlechthin – Schulbuchverlage, Bibliotheken, Volkshochschulen, Lernplattformen. Diese Verwendung ist historisch flach: Sie greift ausschließlich die Athena-Linie ab und ignoriert alles andere. Für eine Symbolstudie ist sie dennoch relevant, weil sie die heutige Erwartungshaltung erzeugt, gegen die ein anspruchsvoller Entwurf arbeiten muss.

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## 7. Bedeutungen in verschiedenen Kulturen

### 7.1 Grundbedeutungen im Überblick

**Positiv:** Weisheit, Wachsamkeit, Erkenntnis des Verborgenen, Klugheit, Studium, Nachtarbeit, Schutz, Prophetie.
**Negativ:** Tod, Krankheit, Hexerei, Unglück, Einsamkeit, Verlassenheit, absichtliche Blindheit, Torheit, Täuschung.

Beide Spalten sind vollständig antik belegt. Es gibt kein Symbol dieser Studienreihe, bei dem die Trennung so scharf und die Gleichzeitigkeit so vollständig ist.

### 7.2 Kulturelle Verteilung

| Kulturraum | Wertung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Griechenland | **positiv** | Athena, Polis, Münze |
| Rom | **negativ** | *bubo*, *strix* → Hexe |
| Mitteleuropa (Volksglaube) | **negativ** | Käuzchen als Totenvogel |
| Mitteleuropa (Gelehrtenkultur) | **positiv** | Minerva-Linie, ab Humanismus |
| **Japan** | **positiv** | *fukurō* (梟) wird als 不苦労 „ohne Mühsal" bzw. 福郎 „Glücksbringer" verschriftlicht – die Eule ist Glückssymbol |
| **China** | **negativ (spät)** | gilt als unpietätvoll (angeblicher Muttermord); **aber**: Shang-zeitliche Eulenbronzen zeigen frühere Hochschätzung |
| Indien | **ambivalent** | *ulūka* als Reittier der Lakshmi (Wohlstand) – zugleich *ulūka* als Wort für „Narr" |
| Mesoamerika | **negativ** | Bote des Totengottes; das mexikanische Sprichwort verbindet den Ruf des *tecolote* mit dem Tod |
| Nordamerika (indigen) | **überwiegend negativ, aber uneinheitlich** | bei vielen Nationen mit Tod und Hexerei verbunden; pauschale Aussagen über „die" indigene Deutung sind unzulässig |
| Teile Afrikas | **negativ** | Hexereiassoziationen; artenschutzrelevant, da Eulen vielerorts getötet werden |

Die japanische und die chinesische Zeile zusammen sind der beste Beleg dafür, dass Eulenbedeutungen **nicht aus dem Tier folgen**, sondern aus Sprache und Überlieferung: Im Japanischen entscheidet ein Schriftzeichen-Wortspiel über die Wertung.

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## 8. Religiöse Verwendung

### Judentum
Eulen stehen in den Speisegeboten unter den **unreinen Vögeln** (Lev 11,16–17; Dtn 14,15–16); die genaue Artzuordnung der hebräischen Namen (*kos*, *yanšuf*, *tinšemet*) ist unsicher.

Symbolisch entscheidend ist **Jes 34,11–15**: Die Verwüstung Edoms wird durch die Tiere beschrieben, die das Land bewohnen – darunter Eulen. In V. 14 steht im Hebräischen **לילית (*lilit*)**. Die King-James-Bibel übersetzt das mit „screech owl", Luther mit „Kobold". Aus dieser Übersetzungsentscheidung und ihrer Rückkopplung mit dem Burney-Relief ist die moderne Vorstellung einer eulengestaltigen Lilith entstanden – ein Symbolgebilde, das im Text so nicht steht. Siehe 14.3 und 14.4.

Dazu **Ps 102,7**: das Käuzchen in den Trümmern als Bild äußerster Verlassenheit – die Stelle, die im Christentum die Gegenlesart trägt (siehe 4.1).

### Christentum
Überwiegend negativ: Finsternisliebe, Sünde, Unglaube, mit dem oben genannten antijudaistischen Auslegungsstrang. Baulich erscheint die Eule an Konsolen, Wasserspeiern und Misericordien, häufig im Mobbing-Motiv.

Die **Minderheitsdeutung auf Christus** (Ps 102,7) sowie die Verwendung als Zeichen der Wachsamkeit im Kirchenraum stehen daneben. Ab dem Humanismus tritt die Minerva-Eule in die kirchliche Gelehrtenkultur ein – Klosterbibliotheken führen sie ohne Widerspruch zur älteren negativen Tradition.

### Islam
Der Volksglaube kennt die *būma* als Unglücks- und Ruinenvogel. Dem steht die religiöse Norm entgegen: Ein bekannter Hadith weist Vorzeichenglauben ausdrücklich zurück. Die Eule ist im Islam also volkstümlich negativ und lehrmäßig bedeutungslos – eine Konstellation, die man sauber trennen sollte.

### Hinduismus
**Ulūka** ist in einem Teil der Überlieferung das Reittier (*vāhana*) der **Lakshmi** und damit mit Wohlstand verbunden; regional gilt die Eule als glückbringend, andernorts als Unglücksvogel. Die Ambivalenz ist innerhalb der Tradition selbst angelegt.

### Schamanische Traditionen
In Sibirien und Zentralasien erscheint die Eule als Helfergeist und Seelenbegleiterin; ihre Federn gehören zur Schamanenausrüstung. Auch hier ist sie Grenzgängerin zwischen den Welten – dieselbe Struktur wie im Mittelmeerraum, mit anderem Vorzeichen.

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## 9. Verwendung in Kunst

| Werk | Datierung | Pointe |
|---|---|---|
| Eulengravur, Grotte Chauvet | ca. 36.000–30.000 BP | Körper von hinten, Kopf frontal |
| Burney-Relief / *Queen of the Night* | um 1800–1750 v. Chr. | Göttin mit Eulen; Identität offen |
| Hieroglyphe G17 | ab Altem Reich | die Eule als Buchstabe **m** |
| Eulen-*zun*, Grab der Fu Hao | um 1200 v. Chr. | Eule als Ritualbronze höchsten Rangs |
| Athenische Tetradrachme | ab ca. 510/500 v. Chr. | die Eule wird Weltwährung |
| Misericordien und Randillustrationen | 13.–16. Jh. | Mobbing-Motiv |
| Bosch, *Garten der Lüste*, *Heuwagen* | um 1500 | Eulen überall, Deutung strittig |
| **Dürer, *Käuzchen*** | **1508** | der Vogel ohne Allegorie |
| Bruegel, *Niederländische Sprichwörter* | 1559 | Eule als absichtliche Blindheit |
| Niederländische Vanitas- und Jagdstillleben | 17. Jh. | Eule als Köder und als Todeszeichen |
| **Goya, *Caprichos* 43** | **1799** | Eulen als Ausgeburt der schlafenden Vernunft |
| Audubon, *Birds of America* | 1827–38 | die Eule als naturkundliches Porträt |
| Redon, Nachtblätter | 1880er/90er | Eule und Auge |
| Picasso, Eulen in Keramik und Grafik | ab 1946 | Eule mit Selbstporträtzügen |

**Technikgeschichtliche Notiz:** Die Eule ist das **formatsicherste Tier des gesamten Repertoires**. Ihr Bild besteht im Kern aus einem Kreis und zwei Punkten; es funktioniert bis unter 15 mm und sogar in reiner Silhouette – kein anderes hier behandeltes Motiv kann das (Rose braucht Tonwerte, Adler braucht Gefiederzeichnung). Genau darin liegt der Hauptgrund für ihre Dominanz in der Kleingrafik.

Für die Technik gilt: **Schabkunst und Aquatinta** sind ideal, weil beide aus dem Dunkel ins Licht arbeiten – man poliert die Augen aus der Nacht heraus. **Holzstich** trägt die Gefiederstruktur des Gesichtsschleiers hervorragend. **Linolschnitt und Scherenschnitt** funktionieren, weil die Silhouette allein ausreicht.

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## 10. Verwendung in Literatur

### Antike
**Aesop** (die ungehörte Warnerin) · **Aristophanes**, *Vögel* (Eulen nach Athen) · **Plinius d. Ä.**, *Naturalis historia* X (der *bubo* als Trauervogel) · **Ovid**, *Fasti* VI (die *striges*) · **Vergil**, *Aeneis* IV – ein Uhu klagt vom Dach, kurz bevor Dido stirbt: die klassische Stelle für die Eule als Todesankündigung in der Hochliteratur.

### Mittelalter
- ***The Owl and the Nightingale*** (mittelenglisch, um 1200) – ein vollständiges Streitgedicht von rund 1800 Versen zwischen der **Eule** (ernst, moralisch, asketisch, nützlich) und der **Nachtigall** (heiter, höfisch, kunstvoll). Der wichtigste und am seltensten zitierte Eulentext des europäischen Mittelalters, und die einzige Quelle, in der die Eule sich ausführlich selbst verteidigen darf.
- **Chaucer**, *Parlament der Vögel* – die Eule erscheint im Vogelkatalog als Todesbotin.
- **Physiologus** und Bestiarien.
- **Till Eulenspiegel** (Druck um 1510/15).

### Frühe Neuzeit
- **Shakespeare** setzt die Eule konsequent als Todes- und Unheilszeichen ein: in *Macbeth* als Vogel, dessen Schrei die Mordnacht begleitet, in *Julius Caesar* unter den Prodigien vor den Iden des März, in *Richard III.* als Unglücksbote. Nur im Winterlied am Schluss von *Verlorene Liebesmüh* erscheint sie friedlich und häuslich.
- **Erasmus**, *Adagia* (*noctuam Athenas*).
- **Cervantes**, **Rabelais** – Eule im Sprichwortgebrauch.

### 18./19. Jahrhundert
- **Hegel**, *Grundlinien der Philosophie des Rechts*, Vorrede (1820/21) – siehe 6.1.
- **Wordsworth**, *There was a Boy* (1798/1800) – der Junge, der den Eulen zuruft und Antwort bekommt, bis die Stille selbst zum Ereignis wird. Der schönste romantische Eulentext.
- **Tennyson**, *The Owl* (1830).
- **Edward Lear**, *The Owl and the Pussy-cat* (1871) – die Eule wird zum Nonsens-Bräutigam; die vollständige Entwaffnung des Motivs.
- **Wilhelm Busch** – Eulen im Bildergedicht, meist als komische Griesgrame.

### 20./21. Jahrhundert
- **A. A. Milne**, *Winnie-the-Pooh* (1926) – Owl als Hochstapler der Gelehrsamkeit.
- **Ted Hughes** und **Mary Oliver** – die Eule als Raubtier ohne Metaphorik, in bewusster Absetzung von der Weisheitstradition.
- **David Lynch / Mark Frost**, *Twin Peaks* (1990).
- **J. K. Rowling**, *Harry Potter* (ab 1997).
- **Jean Giono**, **W. G. Sebald** – die Eule als Zeichen der Nachtlandschaft und der Erinnerung.

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## 11. Verwendung auf Exlibris

Hier liegt der Fall anders als bei allen vorher behandelten Motiven: **Die Eule ist das Exlibris-Tier schlechthin.** Kein anderes Motiv ist im Bucheignerzeichen so häufig, und bei keinem anderen ist die Passung so vollständig. Die Gründe sind sachlich und nicht bloß konventionell:

1. Sie steht für **Wissen** (Athena-Linie).
2. Sie ist **nachtaktiv** – wie der Leser.
3. Sie **schaut den Betrachter an** – ein Bucheignerzeichen ist ein Blick des Besitzers auf den, der das Buch aufschlägt.
4. Sie ist **formatsicher** bis in kleinste Größen (siehe 9).

Der vierte Punkt ist der praktisch wichtigste und wird in der Literatur nie genannt.

### 11.1 Redendes Motiv
Die Namensbasis ist breit, und zwei deutsche Stämme werden regelmäßig übersehen:

- **Stamm *Uhl-*:** Uhl, Uhle, Uhlig, Uhlmann, Uhlemann, Uhlenbrock, **Uhland**, Ulenhart
- **Stamm *Kauz-*:** Kauz, Kautz, Kautzsch, Kauzmann
- **Direkt:** Eule, Eulenberg, Eulenstein, Eulner, Eulenspiegel
- **Niederländisch:** Uil, Uilenberg, **Uylenburgh**, Uylenbroek, Ulenspiegel
- **Englisch:** Owl, **Howlett** (von *owlet*), Howle
- **Romanisch:** frz. Chouette, Hulot, Chevêche; ital. Civetta, Gufo, Allocco; span. Búho, Lechuza, Mochuelo
- **Slawisch:** Sowa, Sowiński, Sovák, Sova, Sovin, Sowinski
- **Ungarisch:** Bagoly, Bagolyi
- **Griechisch:** Glafkos, Glaukos, Kouk(k)os

Der Vorteil gegenüber Rose und Adler: Ein redendes Eulenblatt braucht keinen Rahmen, keinen Schild und keine Beischrift – der Vogel allein trägt das Blatt.

### 11.2 Athena und Minerva
Für Altphilologen, Archäologen, Historiker, Juristen, Akademien, Universitäts- und Gesellschaftsbibliotheken. Die Eule mit Helm, Lanze, Ägis, Ölzweig oder neben der Göttin.

**Speziesgenauigkeit:** Athenas Vogel ist der **Steinkauz** – klein, rundköpfig, **ohne Federohren**. Wer für ein klassizistisches oder antikenbezogenes Blatt einen Uhu mit Federohren zeichnet, produziert einen sichtbaren Fehler. Der Unterschied ist auf 30 mm noch zu sehen.

### 11.3 Die athenische Tetradrachme als Zitat
Der stärkste und am seltensten genutzte Typ. Die Münzrückseite ist bereits ein perfektes Kleingrafikmotiv: **Steinkauz frontal, Ölzweig, Mondsichel, ΑΘΕ** – geschlossen, symmetrisch, in jeder Größe lesbar und seit 2500 Jahren erprobt.

Als Exlibris signalisiert das Zitat gleich dreierlei: Buchgelehrsamkeit, Antikenbezug und – falls zutreffend – numismatische Sammelinteressen. Für einen Sammler klassischer Literatur oder antiker Münzen gibt es keinen präziseren Entwurf.

### 11.4 Der Nachtleser
Der bibliophile Kerntyp: **Eule + Lampe oder Kerze + aufgeschlagenes Buch + Fenster oder Turm.** Die Eule wacht, während der Leser liest; oder sie ist der Leser. Häufig kombiniert mit Mondsichel – womit sich dieser Typ direkt an das Motivfeld Sonne/Mond anschließt (dort Abschnitt 11.5).

Die passende Devise ist bei Horaz zu holen: ***nocturna versate manu, versate diurna*** (*Ars poetica* 268 f.) – bei Nacht und bei Tag zur Hand nehmen. Für ein Nachtleser-Exlibris kaum zu übertreffen und antik belegt.

### 11.5 Hegels Eule
Für Philosophen, Theoretiker, Historiker. Die Eule im Aufflug bei einbrechender Dämmerung, dazu der Satz aus der Vorrede (siehe 6.1). Wichtig: Wer ihn setzt, sollte wissen, dass er **nicht** optimistisch gemeint ist – ein Blatt mit dieser Devise erklärt, dass Erkenntnis zu spät kommt. Als Selbsteinschätzung eines Gelehrten ist das eine ungewöhnlich ehrliche und ungewöhnlich elegante Position.

### 11.6 Die Eule mit Brille – ein Warnhinweis
Das häufigste moderne Eulen-Exlibris-Motiv überhaupt: die Eule mit Brille, oft mit Doktorhut und Buch.

**Historisch ist das ein Spott.** In der niederländischen Sprichworttradition bezeichnet die Eule mit Kerze und Brille den, der **nicht sehen will** (siehe 5.2). Die freundliche Schuleule ist eine Umdeutung des 19. Jahrhunderts.

Man kann das Motiv trotzdem verwenden – aber dann bewusst: entweder ironisch (und dann funktioniert es hervorragend, etwa für einen Kritiker oder Satiriker), oder mit dem Wissen, dass man eine popularisierte Fehllesart aufgreift. Was man nicht tun sollte, ist es für einen ernsthaft gemeinten Gelehrtenentwurf zu verwenden.

### 11.7 Vanitas und Totenvogel
Eule + Schädel + Sanduhr + erloschene Kerze. Für dieselbe Klientel wie die Vanitas-Rose. Die Eule ist hier historisch **korrekter** als die Rose, weil ihre Todesbedeutung älter und dichter belegt ist. Motto-Optionen: *Sic transit*, *Memento mori*, *Nox venit*.

### 11.8 Die angefeindete Eule
Das Mobbing-Motiv (siehe 4.2) – **die Eule, von Singvögeln umschwärmt**. Für Polemiker, Streitschriftensammler, Außenseiter, Satiriker. Ikonografisch tief verankert, im Exlibris praktisch unbesetzt. Wenn man ein wirklich originelles Eulenblatt will, liegt es hier.

Devise-Vorschlag aus dem Bestand: *Odium virtutis comes* (Hass ist der Begleiter der Tugend) – oder, ironischer, das Bild ohne Text stehen lassen.

### 11.9 Eulenspiegel-Rebus
**Eule + Spiegel** für Sammler von Narren-, Schwank- und Fastnachtsliteratur, für Satiriker und für Träger des Namens Eulenspiegel/Ulenspiegel. Das älteste bildliche Wortspiel der deutschen Buchgeschichte und für ein Exlibris ideal, weil es zugleich redend, allegorisch und witzig ist.

### 11.10 Devisen

**Antik oder frühneuzeitlich belegt:**
- *Nocturna versate manu, versate diurna* – Horaz, *Ars poetica* (Nachtlektüre)
- *Noctuam Athenas* / griech. *Γλαῦκ' Ἀθήναζε* – Eulen nach Athen; Erasmus, *Adagia*. Für einen Bibliophilen, der ein weiteres Buch erwirbt, die beste selbstironische Devise, die es gibt.
- *Noctes vigilare serenas* – Lukrez, *De rerum natura* I (die klaren Nächte durchwachen)
- *Sapere aude* – Horaz; über Kant zum Aufklärungsmotto geworden
- *In tenebris lucet* – nach Joh 1,5
- *Vigilate* – Mk 13,37

**Zitat der Neuzeit:**
- *Die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug* – Hegel (siehe 11.5)

**Naheliegende Neubildungen** – als solche zu kennzeichnen, nicht als antike Devisen auszugeben:
- *Nocte video* – bei Nacht sehe ich
- *Silentio volo* – ich fliege lautlos
- *Vigilo dum dormis* – ich wache, während du schläfst

### 11.11 Technische Hinweise für den Entwurf
- **Kleinformat:** Der günstigste Fall im ganzen Repertoire. Kreis plus zwei Punkte trägt bis unter 15 mm. Wo Rose und Adler an ihre Grenzen kommen, funktioniert die Eule noch als Silhouette.
- **Frontalität ist der Punkt.** Eine Eule im Profil verliert genau die Eigenschaft, die das Motiv trägt. Sie sollte den Betrachter ansehen.
- **Technik:** Schabkunst und Aquatinta ideal (aus dem Dunkel ins Licht arbeiten, Augen auspolieren); Holzstich für den Gesichtsschleier; Linolschnitt und Scherenschnitt funktionieren über die Silhouette.
- **Federohren sind keine Ohren.** Sie sind Federbüschel ohne Hörfunktion und kommen nur bei einem Teil der Arten vor. Wer sie zeichnet, legt sich auf Uhu oder Waldohreule fest – und damit auf die Unglücks-, nicht die Athena-Linie.
- **Speziestreue lohnt sich.** Steinkauz für alles Klassische, Schleiereule für das Gespenstische (der weiße Gesichtsschleier ist das unheimlichste Eulengesicht überhaupt), Uhu für das Monumentale, Waldkauz für das Heimisch-Nächtliche.
- **Verwechslungsgefahr:** Eule / Falke / stilisierte Katze. Klären durch den runden Gesichtsschleier, die frontalen Augen und die kurze, gedrungene Silhouette.

### 11.12 Erschließung und Sammlungen
Wie bei den vorangegangenen Motiven: **Museum Schloss Burgk an der Saale** (über 200.000 Blätter, Stand Juni 2025; Grundstock die 1981 übereignete Sammlung Heinicke), Bestände mit **Zettelkatalogen nach Künstlern, Eignern und Motiven**, **Internationaal Exlibriscentrum Sint-Niklaas**, **Frederikshavn Kunstmuseum**, **Klingspor-Museum Offenbach**, **Gutenberg-Museum Mainz**, **ÖNB Wien**, **E-Pics „Ex meis libris"** der ETH-Bibliothek Zürich. Die **DEG-Werklisten** verzeichnen Eigner, Motiv, Technik und Maße.

**Besonderheit bei diesem Motiv:** Die Eule ist so häufig, dass eine Motivrecherche ohne Eingrenzung unbrauchbar wird. Sinnvoll ist die Suche nach **Kombinationen** – Eule + Münze, Eule + Spiegel, Eule + Singvögel, Eule + Schädel –, nicht nach dem Motiv allein.

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## 12. Bekannte Künstler

### 12.1 Exlibris und Buchgrafik
- **Alfred Cossmann** (1870–1951, Wien) – der maßgebliche Kupferstecher des deutschsprachigen Exlibris; allegorische und emblematische Nachtmotive in äußerster Feinheit.
- **Michel Fingesten** (1884–1943) – der produktivste Exlibris-Künstler überhaupt; Nacht-, Tod- und Vanitasmotive gehören zu seinem Kernrepertoire.
- **Heinrich Vogeler** (1872–1942) – Nachtlandschaft, Mond und Vogel als Signatur des deutschen Jugendstils.
- **Emil Orlik**, **Marcus Behmer**, **Alois Kolb**, **Josef Sattler**, **Otto Ubbelohde**, **Willi Geiger**.
- **Rudolf Koch** (1876–1934) – *Das Zeichenbuch* (1926) und die Offenbacher Werkstatt; für die reduzierte, zeichenhafte Tierform in der Kleingrafik prägend. Genau die Denkweise, die ein formatsicheres Eulenzeichen braucht.
- **Rockwell Kent** (USA) – Nacht- und Sternmotive in monumentaler Reduktion.
- **Frans Masereel** (Belgien) – Holzschnitt, Nachtstadt und Nachtvogel.
- **Mark Severin**, **Gerard Gaudaen** (Belgien) – Nachkriegsklassiker des Kupferstich-Exlibris.
- **Konstantin Kalynovych** (Ukraine) – zeitgenössisch, Kaltnadel und Radierung, ausgeprägte Nachtmotivik.

*Indikative Liste. Ob und in welchem Umfang Eulen bei einem bestimmten Künstler vorkommen, ist über die DEG-Werklisten und die Motivkataloge im Einzelfall zu prüfen – bei diesem Motiv besonders lohnend, weil die Trefferdichte hoch ist.*

### 12.2 Freie Kunst
Hieronymus Bosch · **Albrecht Dürer** · Pieter Bruegel d. Ä. · Jan Brueghel · Frans Snyders · Melchior d'Hondecoeter · **Francisco de Goya** · John James Audubon · Odilon Redon · Edward Lear (als Zeichner) · Käthe Kollwitz · **Pablo Picasso** · Georges Braque

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## 13. Interessante Anekdoten

**Der Vogel, der eine Währung war.** Die athenischen Tetradrachmen hießen im Altertum einfach „Eulen". Athen bezog sein Silber aus den Gruben von Laurion; die Eule war damit über Jahrhunderte auf dem am weitesten verbreiteten Zahlungsmittel des Mittelmeerraums abgebildet. Der Ruf der Eule als kluger Vogel verdankt sich zu einem erheblichen Teil dieser schlichten Verbreitungstatsache – Weisheit durch Auflagenhöhe.

**Die Eule als Köder.** Vogelsteller banden eine lebende Eule an einen Baum, weil Singvögel jeden entdeckten Nachtgreif attackieren. Während sie ihn umschwärmten, blieben sie an Leimruten hängen. Das häufigste Eulenbild der niederländischen Kunst – die von Vögeln bedrängte Eule – zeigt also nicht nur eine Allegorie, sondern eine gängige Jagdtechnik. Die Eule ist auf diesen Bildern zugleich Opfer und Werkzeug.

**An das Tor genagelt.** Bis ins 19. Jahrhundert war es in Teilen Mitteleuropas verbreitet, eine erschlagene Eule an das Scheunentor zu nageln – gegen Blitzschlag, Feuer, Krankheit und Hexerei. Das Tier, das heute auf Schulbüchern für Bildung steht, wurde binnen weniger Generationen zuvor als Abwehrzauber verwendet.

**Picassos Steinkauz.** Picasso nahm 1946 in Antibes einen verletzten Steinkauz auf und pflegte ihn. Der Vogel biss ihn, schrie und war nach Zeugenberichten außerordentlich schlecht gelaunt. Picasso zeichnete ihn trotzdem immer wieder – und die Eulenköpfe, die daraus entstanden, ähneln zunehmend ihm selbst.

**Der Satz, der falsch verstanden wird.** Hegels Eule der Minerva ist vermutlich das meistzitierte und am gründlichsten missverstandene Bild der deutschen Philosophie. Gemeint ist eine Resignation – die Philosophie kommt immer zu spät –, zitiert wird es fast durchweg als Ermutigung. Ein Symbol, das seine eigene Deutungsgeschichte auf den Kopf gestellt hat.

**Ein Wort für zwei Wesen.** Lateinisch *strix* bezeichnete einen nächtlichen Vogel und ein blutsaugendes Nachtwesen zugleich. Aus demselben Wort wurde italienisch *strega*, rumänisch *strigoi*, albanisch *shtrigë*. Die europäische Hexe heißt, sprachlich gesehen, Eule.

**Eine Eule, die dreißig Jahre lang gestritten hat.** Der Streit um den nordamerikanischen Fleckenkauz und die Altwälder des pazifischen Nordwestens beschäftigte ab den späten 1980er Jahren Gerichte, Regierungen und Wahlkämpfe. Beide Seiten führten die Eule als Emblem – die eine als Zeichen der Verantwortung, die andere als Zeichen politischer Weltfremdheit. Selten hat ein Symbol so direkt auf seine eigene Art zurückgewirkt.

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## 14. Irrtümer

**1. „Athenas Eule ist ein großer Uhu mit Federohren."**
Nein. Es ist der **Steinkauz** (*Athene noctua*) – klein, rundköpfig, ohne Federohren. Der Uhu (*bubo*) ist in der Antike gerade der **Unglücksvogel**. Eine Athena-Eule mit Federohren verwechselt die beiden Traditionen im selben Bild.

**2. „Federohren sind Ohren."**
Es sind Federbüschel ohne Hörfunktion; sie dienen der Tarnung und der innerartlichen Kommunikation. Die eigentlichen Ohröffnungen liegen seitlich am Kopf und sind bei vielen Arten **asymmetrisch** angeordnet – das ist die Grundlage des akustischen Beutefangs im Dunkeln.

**3. „Das Burney-Relief zeigt Lilith."**
Fachlich weitgehend aufgegeben. Diskutiert werden Ištar oder Ereškigal. Die Lilith-Zuschreibung stammt aus der Frühzeit der Forschung; sie hält sich in esoterischer Literatur unvermindert und ist dort meist mit Punkt 4 verkoppelt.

**4. „In Jesaja 34,14 steht eine Eule."**
Im Hebräischen steht **לילית (*lilit*)**. Die Eule ist eine **Übersetzerentscheidung** (KJV: „screech owl"), keine Textaussage. Aus dieser Entscheidung plus dem fehlgedeuteten Burney-Relief ist die moderne eulengestaltige Lilith entstanden – ein Symbolgebilde ohne Quellengrundlage.

**5. „Eulen sind besonders intelligent."**
Kognitiv liegen Eulen unter Rabenvögeln und Papageien, teilweise deutlich. Ihre Spezialisierung liegt in Sinnesleistung und Jagd, nicht in Problemlösen oder Werkzeuggebrauch. **Die Weisheitszuschreibung kommt nicht vom Tier, sondern von Athena** – und damit letztlich von einer Münze.

**6. „Die Eule ist weltweit ein Weisheitssymbol."**
Falsch, und die Umkehrung ist verbreiteter. In Rom, im europäischen Volksglauben, in weiten Teilen Asiens, Afrikas und Amerikas ist sie **Todes- und Unglücksvogel**. Die Weisheitsbedeutung ist griechisch und, über den Humanismus, europäisch-gelehrt.

**7. „Eulen können den Kopf um 360 Grad drehen."**
Etwa **270 Grad**, in beide Richtungen. Möglich wird das durch zusätzliche Halswirbel und eine besondere Gefäßarchitektur, die die Blutversorgung bei der Drehung sichert. Die volle Umdrehung ist ein Zeichentrickmotiv.

**8. „Alle Eulen rufen ‚Hu-hu'."**
Nein. Der klassische Ruf gehört dem **Waldkauz**; die **Schleiereule** ruft überhaupt nicht so, sondern kreischt und schnarcht. Das „kiwitt" des deutschen Volksglaubens ist der **Steinkauz**. Wer eine Ruflegende zitiert, sollte wissen, welche Art gemeint ist.

**9. „Eulen sind tagblind."**
Nein. Eulen sehen bei Tag gut; einige Arten (Sperbereule, Sumpfohreule) jagen regelmäßig bei Tageslicht. Die Vorstellung der Tagblindheit stammt aus der mittelalterlichen Auslegung, die die Eule als lichtscheu **brauchte**.

**10. „Die Singvögel, die eine Eule bedrängen, sind dumm."**
Es ist funktionales Abwehrverhalten (*mobbing*), das Nachtgreife aus dem Revier vertreibt. Und es wurde vom Menschen jahrhundertelang zum Vogelfang ausgenutzt. Die Vögel handeln rational, der Mensch ist die eigentliche Falle.

**11. „Hegels Eule der Minerva bedeutet, dass Weisheit zur rechten Zeit kommt."**
Sie bedeutet das Gegenteil. Hegel formuliert, dass die Philosophie **immer zu spät** kommt: Sie kann die Welt nicht anleiten, sondern nur begreifen, was bereits abgeschlossen ist. Der Satz ist Resignation, nicht Ermutigung. Der wohl häufigste Zitierfehler der deutschen Bildungssprache.

**12. „Die Eule mit Brille ist ein altes Gelehrtensymbol."**
Ursprünglich das Gegenteil: In der niederländischen Sprichworttradition steht die Eule mit Kerze und Brille für den, der **nicht sehen will** – für willentliche Blindheit. Die freundliche Schuleule ist eine Umdeutung des 19. Jahrhunderts.

**13. „In China war die Eule schon immer verrufen."**
Nein. Die Shang-zeitlichen Eulenbronzen – darunter das Eulen-*zun* aus dem Grab der Fu Hao – belegen einen hohen rituellen Rang. Die negative Bewertung (Eule als unpietätvoller Vogel) ist **später**. Einer der klarsten dokumentierten Fälle einer Symbolumwertung innerhalb einer Kultur.

**14. „‚Eulen nach Athen tragen' meint lebende Eulen."**
Wahrscheinlich meint es die **Münzen**: Die athenischen Tetradrachmen hießen „Eulen", und Athen hatte davon reichlich. Die Redensart bezieht sich damit vermutlich auf Silber, nicht auf Vögel – was die Pointe eher schärft als abschwächt.

**15. „Der Name Eulenspiegel bedeutet gesichert ‚Eule und Spiegel'."**
Die Deutung ist verbreitet und alt, aber **umstritten**; eine derbere niederdeutsche Herleitung wird ebenfalls vertreten. Das Emblem mit Eule und Spiegel ist historisch belegt, die Etymologie ist es nicht.

**16. „Die Eulen bei Bosch bedeuten das Böse."**
Ungeklärt. Die Forschung vertritt Böses, Torheit, Wollust, wachsame Weisheit und das beobachtende Auge des Malers – ohne Einigung. Bei Bosch ist die Eulendeutung offenzulassen, nicht zu entscheiden.

**17. „Die Eule im Bohemian Grove belegt einen antiken Molochkult."**
Nein. Die Betonfigur im kalifornischen Bohemian Grove entstand in den 1920er Jahren als Vereinsmonument eines Herrenklubs. Die daran anknüpfende Verschwörungsliteratur hat keine historische Grundlage; eine Verbindung zu antiken Kulten existiert nicht.

**18. „Die Eule ist ein reines Weisheits- oder ein reines Todeszeichen."**
Der Grundirrtum aller Zusammenfassungen. Sie ist **beides gleichzeitig und seit der Antike** – und in derselben Art, dem Steinkauz, sogar in demselben Vogel. Wer sich für eine Bedeutung entscheidet, hat das Symbol nicht verstanden, sondern halbiert.

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## 15. Quellen

### Monografien zum Motiv
- **Desmond Morris: *Owl*, Reaktion Books (Animal Series), London 2009** – die beste knappe Gesamtdarstellung zur Kultur- und Symbolgeschichte der Eule.
- Beryl Rowland: *Birds with Human Souls. A Guide to Bird Symbolism*, Knoxville 1978.
- Boria Sax: *The Mythical Zoo. An Encyclopedia of Animals in World Myth, Legend, and Literature*, Santa Barbara 2001.
- Michel Pastoureau: *Bestiaires du Moyen Âge*, Paris 2011.

### Nachschlagewerke
- *Lexikon der christlichen Ikonographie* (LCI), Art. „Eule".
- *Reallexikon für Antike und Christentum* (RAC), Art. „Eule", „Vogel".
- *Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens* (HdA), Art. „Eule", „Kauz" – die maßgebliche Materialsammlung zum Totenvogel-Komplex.
- Jacob Grimm: *Deutsche Mythologie*, Göttingen 1835 u. ö.
- Jean Chevalier / Alain Gheerbrant: *Dictionnaire des symboles*.
- Manfred Lurker: *Wörterbuch der Symbolik*, Kröner.

### Alter Orient und Antike
- **Dominique Collon: *The Queen of the Night*, British Museum Objects in Focus, London 2005** – maßgeblich zum Burney-Relief und zur Lilith-Frage.
- Colin M. Kraay: *Archaic and Classical Greek Coins*, London 1976 – zur athenischen Tetradrachme.
- Alan Gardiner: *Egyptian Grammar*, Sign List G17 – zur Eulenhieroglyphe.
- Plinius d. Ä., *Naturalis historia* X.
- Ovid, *Fasti* VI (zu den *striges*).
- Zur *strix*/*strega*-Etymologie: einschlägige romanistische etymologische Wörterbücher (REW; DELI).

### Mittelalter
- *The Owl and the Nightingale*, hrsg. v. Neil Cartlidge, Exeter 2001 (bzw. die Ausgabe von E. G. Stanley).
- *Physiologus*, übers. u. hrsg. v. Otto Seel, Zürich/München.
- *Aberdeen Bestiary* (MS 24, University of Aberdeen) – vollständig digitalisiert.
- Zum antijudaistischen Auslegungsstrang: Debra Higgs Strickland: *Saracens, Demons, and Jews. Making Monsters in Medieval Art*, Princeton 2003.

### Frühe Neuzeit
- Erasmus von Rotterdam: *Adagia* (*noctuam Athenas*).
- Pierio Valeriano: *Hieroglyphica*, Basel 1556.
- Cesare Ripa: *Iconologia*, Rom 1593.
- Zu Bosch: Larry Silver, *Hieronymus Bosch*, New York 2006; Paul Vandenbroeck, Arbeiten zur Bosch-Ikonografie.
- Zu Bruegel: Sprichwörter- und Emblemliteratur zu *Nederlandse Spreekwoorden* (1559).

### Moderne
- **G. W. F. Hegel: *Grundlinien der Philosophie des Rechts*, Berlin 1821, Vorrede** – die Eule-der-Minerva-Stelle.
- Zu Goya: Werkkataloge und Kommentarliteratur zu *Los Caprichos* (1799), insbes. Bl. 43.
- Zum Fleckenkauz-Konflikt: Steven Lewis Yaffee, *The Wisdom of the Spotted Owl. Policy Lessons for a New Century*, Washington 1994.

### Ornithologie
- Heimo Mikkola: *Owls of the World. A Photographic Guide*, London 2012.
- Standardwerke zur Anatomie des lautlosen Flugs und zur asymmetrischen Ohranordnung (Fachliteratur zu *Tyto alba*).

### Exlibris
- Walter von zur Westen: *Exlibris (Bucheignerzeichen)*, Bielefeld/Leipzig 1901, 2. Aufl. 1909.
- Norbert H. Ott: *Exlibris. Zur Geschichte ihrer Motive, ihrer Gestaltungsformen und ihrer Techniken*.
- Gernot Blum: *Michel Fingesten. Das Gesamtwerk der Exlibris*, 1987.
- Hans Ankwicz-Kleehoven: *Alfred Cossmann und sein Werk*, Wien 1924.
- Rudolf Koch: *Das Zeichenbuch*, Offenbach 1926 – zur reduzierten Zeichenform in der Kleingrafik.
- *Jahrbuch der Deutschen Exlibris-Gesellschaft* (DEG-Jb.), fortlaufend; DEG-Magazin; PDF-Archiv der DEG-Mitteilungen.
- DEG-Werklisten: https://exlibris-deg.de/exlibris-werklisten/
- DEG-Verzeichnis öffentlicher Exlibris-Bestände: https://exlibris-deg.de/weitere-exlibris-archive/
- FISAE – Kongressbände und Länderberichte.
- E-Pics „Ex meis libris", ETH-Bibliothek Zürich (online).

---

*Hinweis zur Belastbarkeit: Auflagen, Erscheinungsjahre und Seitenzahlen sind vor einer Publikation am Original oder im Bibliothekskatalog zu prüfen. Die Abschnitte 2.2, 4.4, 5.2, 8 (Jes 34) und 14 enthalten bewusst als strittig oder offen markierte Positionen und sind so wiederzugeben. Abschnitt 4.1 benennt einen antijudaistischen Auslegungsstrang der Bestiarientradition; er gehört zum historischen Befund und sollte bei jeder Verwendung mittelalterlicher Eulendarstellungen mitgedacht werden.*


Rückseite einer athenischen Tetradrachme. Die Eule repräsentiert die Göttin Athene, so daß die Blätter und Beeren in der Ecke als Oliven indentifiziert werden können. Griechenland um 450 - 406 v. Chr.

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Unsere langlebigen Prägeclips sind auf unsere Prägeeinsätze standardmäßig so montiert, daß die Prägezange für den Gebrauch von rechts in das Blatt Papier einzuführen ist. Auf besonderen Wunsch kann man diese auch so montieren, daß die Prägezange mit einer Blatteinfuhr entweder von links, oben oder unten einen seitenrichtigen Abdruck ermöglicht. Beachten Sie bitte, daß hier immer nur eine Möglichkeit gewählt werden kann. Die Blatteinfuhr vom Blattrand bis zur Prägemitte beträgt 45 mm. Papiere bis 90 g/qm sind problemlos prägbar. Auf Wunsch bieten wir gegen Aufpreis auch Prägezangen mit einer Prägemöglichkeit von 110 g/qm (Blatteinfuhr 45 mm), 130 g/qm (Blatteinfuhr 60 mm) und 180 g/qm (Blatteinfuhr 110 mm).

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Prägezange Eule von Griechenland

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Prägezange Anker

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Prägezange Libelle

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Prägezange Biene

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Prägezange Löwen mit Banner und Krone

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Prägung altes Segelschiff

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Prägezange Art Déco Rahmen

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Prägezange  und Stempel Logo Art Déco

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Prägezange  und Stempel Logo Art Déco Jazz

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Prägezange und Stempel zwei Vögel

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Prägezange Blumen Ranke

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Prägezange und Stempel Pflanzen Tiere Ornament

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Prägezange Bison

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Prägezange Anker

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